laut.de-Kritik

Die Engelsstimme und der psychedelische Bariton.

Review von

Auch ich gehörte zu jenem eher überschaubaren Kreise, der sich im Zuge des Nancy Sinatra-Comebacks grün und blau ärgerte, weil ihre dritte Duett-Platte mit Lee Hazlewood nur in australische Plattenläden verschickt wurde. Mit der Zeit verflüchtigte sich diese Trauer ein wenig und mit dem Erscheinen der Platte von Isobel Campbell und Mark Lanegan ist sie nun eigentlich ganz verflogen.

"Ballad Of The Broken Seas" stammt fast ausnahmslos aus der Feder des wahrscheinlich weniger bekannten Duett-Teils, der schottischen Chanteuse Isobel Campbell. Höchstens eingefleischte Indie Pop-Fans dürften wissen, dass Isobel bis 2002 bei Belle & Sebastian mit Celloklängen und Glockengesang zauberte. Dass solch ein himmlisches Stimmchen nun mit Mark Lanegan auf einen der letzten ausgewiesenen Tieftonkünstler trifft, den Josh Homme inzwischen sogar Wiegenlieder anstimmen lässt, gehört zu jenen fabelhaften Ideen, wie sie niemals aus den Köpfen kommerzgetriebener A&R-Manager stammen können.

Campbell ist mit ihrem zurückhaltenden, beinahe entschuldigenden Vortrag zwar weniger Sinatra, dafür übt Lanegan weiterhin den Hazlewood. Wer glaubte, dass seine schwer brummende Performance auf dem letzten Soloalbum "Bubblegum" sämtliche Register zog, wird gleich in "Deus Ibi Est" eines Besseren belehrt. Im Laufe des Albums verstärkt sich dieser wunderbare Kontrast der Vortragenden. Campbells helle Stimme ist sowas wie die kostbare schottische Flüssigkeit, die in Lanegans bauchiges Whisky-Fass perlt, worin sich ein runder und samtweicher Abgang bildet.

Erstaunlicherwiese funktioniert das nicht nur in Teilen, sondern auch auf Albumlänge. Zartfühlige Piano-Etüden wie "Ballad Of The Broken Seas" oder das sehr leise "(Do You Wanna) Come Walk With Me" stehen neben knorrigen Country/Folk-Ausflügen wie dem Hank Williams-Cover "Ramblin' Man", das in dem entspannten Reigen beinahe auffällt aufgrund des reichen Instrumenteneinsatzes. "Black Mountain" erinnert leicht an Simon & Garfunkels "Scarborough Fair", während im dunklen "The False Husband" die Campbell'sche Melancholie vielleicht am schönsten mit Lanegans psychedelischem Bariton korreliert.

Den Konsum von Johnny Cashs "American Recordings"-Aufnahmen hätte Isobel Campbell gar nicht großartig erwähnen müssen, diese Faszination lebt in ihren Kompositionen durchaus weiter. Nancy und Lee wiederum hätten "Honey Child, What Can I Do?" kaum schöner gemeinsam einsingen können. Nach Australien muss man wegen "Nancy & Lee 3" also nicht mehr fahren und in wenigen Monaten will Campbell scheinbar auch schon wieder ein Album veröffentlichen.

Trackliste

  1. 1. Deus Ibi Est
  2. 2. Black Mountain
  3. 3. The False Husband
  4. 4. Ballad Of The Broken Seas
  5. 5. Revolver
  6. 6. Ramblin' Man
  7. 7. (Do You Wanna) Come Walk With Me?
  8. 8. Saturday's Gone
  9. 9. It's Hard To Kill A Bad Thing
  10. 10. Honey Child What Can I Do?
  11. 11. Dusty Wreath
  12. 12. The Circus Is Leaving Town

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