laut.de-Kritik

Even if you like me: Fuck you!

Review von

In ihrem Ranking der schlechtesten Bands der Welt krönt das Blender-Magazin die Insane Clown Posse zur allerschlechtesten von allen. "Sie klingen sogar noch dümmer, als sie aussehen", echauffiert sich der Autor. "Zwei Trailer-Trash-Typen mit Gesichtsbemalung behaupten, sie wären eine Straßengang und baden ihre ergebenen Anhänger in billiger Limo namens Faygo."

In diesem oder ähnlichem Ton ledert die Journaille seit Jahren über das Duo aus Detroit ab. "Kindisch und ermüdend", urteilt der NME, "in Verbindung mit der Dungeons&Dragons-Rap-Rock-Patina, die sie über jeden Song schmieren, oft unerträglich". Barry Walters schreibt im Rolling Stone: "Kein musikalischer Taschenspielertrick kann den Umstand verschleiern, dass Shaggy und J einfach die ultimativen Wack-MCs sind."

Einen Song, der ausdauernder und gnadenloser verhöhnt wurde als "Miracles", muss man in den Weiten des Internets lange suchen. Erst unlängst ließ Vice (oder Noisey, erklärt mir mal jemand, wie diese Postille eigentlich heißt?) ihren Autor Dan Ozzi der Welt wieder einmal erklären, wie unfassbar mies die Insane Clown Posse doch sei: "Die Gruppe kann auf eine 25-jährige Geschichte unglaublich blödsinniger Texte und VIERZEHN Alben zurückblicken, die mit den Jahren keineswegs an Niveau zugelegt haben", heißt es da. "Ganz im Gegenteil scheinen ICP die Annahme von zunehmender Weisheit im Alter ad absurdum zu führen. Klebstoffschnüffeln fordert dann wohl doch seine Opfer."

Ich bin es so leid. Ich weiß nicht, wann und warum sich die schreibende Zunft darauf verständigt hat, Violent J und Shaggy 2 Dope mit aller Macht scheiße finden zu wollen. Ich versteh' es einfach nicht. Regelmäßig unterstellen empörte Fans uns Kritikern, wir haben diese oder jene Platte "doch gar nicht richtig angehört", einen Künstler "einfach nicht verstanden". Ich hätte nie geglaubt, einen ähnlichen Verdacht einmal selbst äußern, geschweige denn irgendwo niederschreiben zu müssen, aber in diesem Fall springt er mir einfach mit nacktem Arsch voran ins Gesicht:

Ich vermute, irgendwann hat sich - warum auch immer - der Irrglaube verbreitet, es zeuge von intellektueller Überlegenheit, auf der Insane Clown Posse herumzuhacken, und seitdem schreibt munter ein Cleverle vom anderen ab. Höchste Zeit, dass wir diese Band in unsere Alltime-Favoritenliste aufnehmen. Meilenstein in yo face, alle miteinander. Dedicated to the Butterfly.

Natürlich lässt es sich - wie bei nahezu jedem anderen Album - trefflich darüber streiten, ob "The Amazing Jeckel Brothers" tatsächlich die Bestnote verdient hat. Ehe ihr mich alle kopfunter kreuzigen wollt: Nein, hat sie nicht. Musikalisch geht die Platte, wenngleich höchst effektiv, so doch als ziemlich simpel gestrickt durch. Unbestritten handelt es sich bei Violent J und Shaggy 2 Dope zudem um technisch gewaltig limitierte Rapper. Hätte ich die "Jeckel Brothers" im normalen Tagesgeschäft auf den Tisch bekommen, es wäre wohl auf vier Punkte hinausgelaufen, da ich mich auf ihrem sinistren Rummel trotzdem prächtig amüsiert habe.

Den fünften Punkt lege ich heute als Schmerzensgeld für die unzähligen erlittenen Schmähungen obendrauf und belohne damit zugleich das ganze Konzept der "Joker's Cards". Ein Konzept, so ausufernd, durchdacht, ausgefeilt und von so gewaltig langer Hand angelegt, wie ich in der Rap-Geschichte ... ach, was! in der ganzen Musikhistorie (abgesehen vielleicht von George Clintons P-Funk-Mythologie) kein vergleichbares kenne. Das wiederum rechtfertigt die Höchstwertung locker. Befremdlich, dass darüber kaum ein Kritiker auch nur ein einziges Wort verliert. Recht bezeichnend aber auch. Bei der anerkannt beschissensten Band der Welt muss man sich die Mühe, zuzuhören, offenbar gar nicht erst machen.

Selbst schuld, sag' ich da. Wer sich an alberner Schminke und vordergründig gewaltverherrlichenden, sexistischen, durch und durch respektlosen Texten und eingeschränkten Rap-Skills aufhängt, der verpasst eben ein ganzes Universum. Mit ihrer Dark Carnival-Philosophie schlägt die Insane Clown Posse nicht ganz ohne Grund ihre Fans in den Bann und hält sie seit Dekaden bei der Stange. Ungeachtet der steten Diskreditierungen ist die Zahl der Juggalos noch immer Legion. Auch, dass sie in einigen Staaten von Behördenseite zu einer gewalttätigen Gang deklariert und entsprechend drangsaliert wurden (ein Umstand, dessentwegen die ICP jüngst gegen das FBI vor Gericht zog), rüttelte kaum an der Ergebenheit der mühsam, sehr mühsam erarbeiteten Basis. Die bleibt treu, down with the clowns.

Die Geschichte der Insane Clown Posse beginnt im Detroit der 80er Jahre. Hier machen Joseph 'Joe' Bruce und Joseph 'Joey' Ustler die ersten Schritte auf dem Rap-Parkett, damals noch unter dem Namen Inner City Posse. "Wir waren bettelarm", erinnert sich Ustler. "Ärmer gehts gar nicht. Kämpfe, Lebensmittelmarken, das ganze Programm. Um zu überleben, musste ich verdammtnochmal stehlen, husteln, irgendwie Geld machen. Wir steckten bis zu den Eiern drin, in dieser Scheiße."

"Wir haben ganz unten angefangen und uns die Ärsche abgeschuftet", so Bruce im Interview mit MTV. "Wir kriegten keinerlei Airplay, weder im Radio noch im Fernsehen. ... Wir hatten halt keinen Jay-Z, der jedem erzählt: 'Hey, kuck' dir diese Jungs an, wir sind Freunde, hört sie euch an.' So etwas haben wir bis heute nicht." Sie brauchen es auch nicht: Die Insane Clown Posse wählt die harte Tour und tourt, unermüdlich.

Der Startschuss fällt, besagt die Legende, in einem Traum: Joseph Bruce erscheint der Geist des Dark Carnival und weist ihm den Weg. Der führt weg vom Gangsta-Rap, in Richtung Horrorcore. Die Jungs legen Schminke auf, taufen ihre Crew in Insane Clown Posse um und begeben sich auf ihre Mission: "There will be six faces of the Dark Carnival. After all six have risen, the end of time will consume us all."

Sechs Konzeptalben versprechen die Herren, die nun unter den Pseudonymen Violent J und Shaggy 2 Dope unterwegs sind. Will meinen: sechs Alben mit einem gemeinsamen, immer wiederkehrenden Konzept, das seine Urheber stetig erweitern und ausbauen. Jede der folgenden "Joker's Card's" vertieft und verfeinert das Gedankenkonstrukt, das "Carnival Of Carnage" 1992 erstmals präsentiert.

Die Insane Clown Posse lässt dort den Dark Carnival seine Zelte aufschlagen, eine Art Zwischenwelt, ein Vorhof zur Hölle, in dem sich das weitere Schicksal der Seelen Verstorbener entscheidet. Der Rummelplatz illustriert treffend den brutalen Wahnsinn, der manche Hood fest im Griff hält. Über allem schwebt eine deutliche Warnung: Nicht nur die, die die Stimme ihres Gewissens ignorieren, befinden sich auf einem guten Weg in die Verdammnis, sondern auch, wer dringend nötige Hilfe verweigert.

Mit dem "Ringmaster" stellen die Clowns den Boss des finsteren Wanderzirkus' vor: eine Gestalt, die ihre Stärke aus den Sünden des Verstorbenen speist, denen dessen Seele dann wieder gegenüber treten muss. Die nächste "Joker's Card" führt den Karma-Gedanken weiter: Es kommt alles zurück. Ob der Schachtelteufel einen Blick ins Elysium oder einen in den drohenden Abgrund gewährt, hängt davon ab, mit welchen Taten ein Mensch seine persönliche "Riddle Box" zuvor bestückt hat. "The Great Milenko", Illusionist und Schwarzmagier, versucht, die Seele im letzten Moment noch auf die dunkle Seite zu locken.

Alle Attraktionen und Figuren auf dem Dark Carnival kreisen um Fragen, die die Menschen seit jeher umtreiben: Existiert ein Leben nach dem Tod? Wenn ja: Führt die Reise ins Paradies oder in die Verdammnis, ins "Shangri-La" oder in "Hell's Pit"? Die Entscheidung darüber trifft letzten Endes jeder selbst - mit seinen Taten. Damit, ob er der guten oder der bösen Seite in sich das Ruder überlässt. Schlagt mich, aber so wahnsinnig pubertär, hohl und dämlich kann ich das alles nicht finden.

"The Amazing Jeckel Brothers" versinnbildlichen die Dualität zwischen Gut und Böse erneut und greifen die Maxime "Alles kommt zurück" wieder auf. Im "Intro" bekommt der Protagonist bei der Suche nach einem Geschenk für seinen alten Herrn eine ganz besondere Kerze aufgenötigt - und der Hörer die Hauptdarsteller der neuen, inzwischen fünften "Joker's Card" vorgestellt: "Witness the light of the amazing Jeckel Brothers!"

Aus den Flammen der Kerze manifestiert sich besagtes Brüderpaar, das mit blutigen Bällen jongliert. Für jede Sünde, die eine Seele auf sich geladen hat, bekommt "Jake Jeckel", "The Just", einen Ball mehr zu handhaben, während "Jack Jeckel", "The Sinister", nach Kräften versucht, den Jonglage-Akt zu sabotieren. Fällt auch nur ein Ball zu Boden, wandert die Seele in die Verdammnis. Ein phantasievolles Bild für eine einfache Moral: Überleg' dir gut, wie viel du deinem inneren Jake Jeckel zumuten willst. Ich wiederhole mich gerne: Ich kann das weder dumm noch verwerflich finden.

Um ihren düsteren Rummelplatz angemessen in Szene zu setzen, zieht die Insane Clown Posse mit Unterstützung von Produzenten Mike E. Clark, der bereits mit so unterschiedlichen Künstlern wie George Clinton oder Primal Scream gearbeitet hatte, alle Register. Sakral anmutende Gesänge treffen auf gespenstisch schräge Kirmes-Orgeln, an der nächsten Ecke brüllt ein Hypeman, der einen exzellenten Karussellbremser abgegeben hätte. Skits, gespielte Witze, Rückwärtsbotschaften und alberne Telefonstreiche verbinden die Tracks zwischen schrappigen Haudrauf-Metalgitarren und oldschooligem Hip Hop-Vibe zu einem abenteuerlich bunten Gesamtbild.

Dass das auch dazu dient, offenkundige Schwächen zu kaschieren, wissen die Clowns selbst am besten: "Bei der Insane Clown Posse geht es nicht in erster Linie um Talent", gibt Violent J freimütig zu. "Wir benutzen das ganze Theater, um die Tatsache zu verstecken, dass wir scheiße sind." Technisch stimmt das wohl. An Inhalt und Moral finde ich so wenig auszusetzen wie am brachial hohen Unterhaltungswert. Allein die Themenvielfalt, die die Clowns kredenzen, macht ihrer Kulisse, dem Rummelplatz, alle Ehre: "Bring It On"!

Violent J erzählt in "I Want My Shit" "seine" Geschichte - die eines unsterblichen, auf einem Ouiji-Brett gezeugten Charakters, dessen Wünsche, eine rostige Axt, Voodoo-Kenntnisse, ein dralles Mädel namens Bridget und ein Schlückchen Faygo (nicht etwa Mountain Dew), eigentlich ganz bescheiden ausfallen, während sein Partner Shaggy dazwischenquatscht, um doch wenigstens ein bisschen historische Stringenz zu wahren.

"Terrible" mit seiner Hook, die sich auch am Rande des Deliriums mitbrüllen lässt, steckt so randvoll mit Sozial-, Medien- und Gesellschaftskritik, dass es eigentlich ein Paradebeispiel für eine Punk-Hymne liefert. "I Stab People" kann man nur als Gewaltverherrlichung missverstehen, wenn man alle Reserven darauf verwendet, Augen und Ohren vor dem Hilfeschrei dieser getriebenen Seele zu verschließen. "Maybe somebody can help me", wie explizit braucht ihr es denn noch?

"Another Love Song" vergewaltigt genüsslich Becks "Jack-Ass". "Everybody Rize" besitzt jedes Potenzial der Welt, durch die Decke zu gehen wie "Insane In The Membrane", und watscht nebenbei Michael Eisner ab. Der fungierte damals als CEO von Disney und trug damit die Verantwortung dafür, dass das Vorgängeralbum "The Great Milenko" nach nur sechs Stunden wieder aus dem Handel genommen, alle zugehörigen Werbekampagnen eingestellt und die Clowns von ihrem Label Hollywood Records, einem Ableger von Disney, fallen gelassen wurden. Der Mickeymaus-Konzern war vorsorglich vor der Southern Baptist Church eingeknickt, die sich an den Clowns störte und Disneys Ruf als Hort der braven Familienunterhaltung in Gefahr wähnte.

Ein Schachzug, der gründlich nach hinten losging: Die Kunde von den ach so gefährlichen Killerclowns, die im Hause Disney herummarodieren, schaffte den Sprung in die nationalen Nachrichten und bescherte der Insane Clown Posse mehr Publicity, als eine clever ausgeklügelte Marketinstrategie je hätte liefern können und Platin für die Wiederveröffentlichung von "The Great Milenko". Danke sehr, ihr Betschwestern!

Dennoch: Die steten Anfeindungen sorgen für Frust und Ärger, der sich auf "The Amazing Jeckel Brothers" wieder und wieder Bahn bricht. "Don't bother to analyze these rhymes", schnauzt Violent J in "Fuck The World" in die Runde, nachdem er alles und jeden, sich selbst eingeschlossen, zum Teufel gewünscht hat. "In this song I say 'fuck' 93 times." Shaggy 2 Dope legt noch zwei drauf, macht gediegene 95 Fucks in einem Track. Diese F-Wort-Dichte erreichte noch nicht einmal das legendäre Interview mit einem sehr, sehr angepissten Method Man.

"Fuck The World" bedeutete zugleich das Ende der Zusammenarbeit der Insane Clown Posse mit der Promoagentur Nasty Little Man. Mit dem Ansinnen, doch bitte die Textzeile "Fuck the Beastie Boys and the Dalai Lama" zu ändern, da die Beasties nicht nur Kunden der Agentur, sondern auch mit deren Betreibern persönlich befreundet seien, erwischten Nasty Little Man Violent J vollends auf dem falschen Fuß. Die Clowns, nicht gewillt, ihre Musik schon wieder zensieren zu lassen, kündigten mitten in einem Foto-Shooting, das sie aufs Cover der Alternate Press Cleveland befördert hätte, die Zusammenarbeit auf.

In "Mad Professor" bastelt sich Violent J im Kellerlabor aus Leichenteilen seinen Zombiefreund Shaggy zusammen. "Play With Me" erzählt eine Horror-Toy-Story aus der Perspektive eines abgelegten Spielzeugs, die einen durchaus auf den Gedanken bringen könnte, sich sicherheitshalber vielleicht doch mal wieder mit Teddy und seinen Kollegen zu befassen. "The Shaggy Show" bietet Shaggy 2 Dope eine perfekte Bühne und folgt mit Standup-Comedy, Stargästen, Interviews und Werbe-Einblendungen tatsächlich der Choreografie einer Fernsehshow.

Snoop Dogg ließ sich seinen Gastauftritt hier teuer bezahlen. Auch Ol' Dirty Bastard, der in "Bitches" zu hören ist, kassierte für sein Feature ab - allerdings längst nicht so viel wie ursprünglich vereinbart. Seine Zeilen taumelten dermaßen neben dem Takt, dass eine geschlagene Woche Nachbearbeitung notwendig war, um sie überhaupt verwenden zu können. Einzig die Kollegen von Twiztid erschienen aus much motherfuckin' clown love heraus: "The Echo Side", ein zappendusterer Trip in die Hölle jenseits der Hölle, markiert zugleich die erste Single des gemeinsamen Projekts Dark Lotus.

"Nothing's Left" heißt es am Ende, wenn die letzte Frage gestellt, alles gesagt und getan wurde. Alles? Von wegen. "The Wrath", das Ende ihrer "Joker's Card"-Serie, serviert die Insane Clown Posse in zwei Teilen: "Shangri-La" löst alle Rätsel auf und begleitet die Rechtschaffenen in die Gefilde der Seligen, während, wer unterwegs die falschen Abzweigungen gewählt hat, in "Hell's Pit" landet.

J und Shaggy haben allerdings noch mehr Trümpfe im Ärmel: 2009 läutet "Bang! Boom! Pow!" die nächste Runde ein. Ein neues Kartendeck erweitert den Dark Carnival-Kosmos um sechs weitere Figuren, deren derzeit noch jüngste, "The Mighty Death Pop", die Clowns 2012 vorstellen.

"Es geht um das grundlegende Prinzip von Richtig und Falsch, Gut und Böse", erklärt Violent J 2002 dem Guardian - und zugleich allen, die es immer noch nicht verstanden haben wollen. "Wir wollen nichts weiter sagen als: Es gibt böse Jungs da draußen, und es gibt gute Jungs. ... Wir möchten gern glauben, dass die Guten in den Himmel kommen, der bei uns Shangri-La heißt. Gott wohnt in deinem Herzen. Ich glaube, es ist egal, welchem Glauben du anhängst oder zu welcher Gruppe du gehörst. Wenn du das Richtige tust und ein guter Mensch bist, dann bist du mit Gott auf einer Linie."

Dagegen, plötzlich als religiöse Fundamentalisten hingestellt zu werden, wehren sich die Insane Clowns allerdings energisch. "Es ist doch total verrückt, dass die Presse uns jetzt als christliche Band und mordsgläubig darstellt", so Violent J via Twitter. "Wir glauben an Gott und ich bin stolz darauf, aber mit der Kirche haben wir nichts am Hut. Ich war in keiner Kirche mehr, seit ich zehn war, und ich weiß gar nicht, ob Shaggy überhaupt jemals eine von innen gesehen hat."

"Musik, um dabei deine Ex-Freundin zu erdrosseln", liefert Brendan Maher für PopMatters endlich einmal eine zutreffende Kritik. Vokabular und Themen der Insane Clown Posse fallen mit gutem Grund drastisch aus: "Die Leute auf der Straße reden nun mal über Sex und Gewalt. Wenn du willst, dass sie dir zuhören und dir vertrauen, musst du ihre Sprache sprechen. Zeig' ihnen, dass du einer von ihnen bist, dass du von der Straße kommst und weißt, was dort abgeht. DANN kannst du hingehen und erzählen, dass Gott dir aus dieser Scheiße geholfen hat, statt ihnen nur eine Predigt zu halten." Die Botschaft der Insane Clown Posse richtet sich gegen Rassismus, Bigotterie, Pädophilie und wirbt dafür, nicht acht- und mitleidlos über die Gestrauchelten hinweg zu trampeln. Ist das wirklich so lächerlich?

"Wenn Alanis Morissette den verdammten Song gemacht hätte, würden alle schreien, wie verdammt genial und poetisch das ist", so Violent J resigniert über die vernichtenden Kritiken zu "Miracles", das die Schlaumeier im Netz als "nicht nur dämlich" abwatschen, "sondern so wahnsinnig dämlich und schier berstend vor einer Ignoranz, die man nur als militant bezeichnen kann. Der komplette Song feiert es ab, Dinge nicht zu wissen." Komisch. In meiner Wahrnehmung feiert dieser Song den Zauber ab, mit dem uns die Natur im Alltag umgibt. Ich hab' ein Diplom in Biophysik. Ich weiß, wie verdammte Magnete funktionieren. An der Faszination ändert das nichts, gar nichts. Wer in einem Regenbogen, einer Giraffe, der Musik oder der Liebe kein Wunder mehr erkennen kann, braucht dringend Mitgefühl. Weil er das Staunen verlernt hat.

Vielleicht staunt jetzt der eine oder andere wenigstens über die Aufnahme der Insane Clown Posse in diese Kategorie. Ganz recht, wie gesagt: "The Amazing Jeckel Brothers" für sich genommen ginge nicht als Meilenstein durch. Betrachtet diese Huldigung als Wiedergutmachung, um der Flut harter Worte wenigstens ein bisschen Anerkennung entgegen zu stellen. Shaggy 2 Dope und Violent J dürfte das allerdings herzlich egal sein: "Fuck critics, fuck your review. Even if you like me: Fuck you!"

In der Rubrik "Meilensteine" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Jake Jeckel
  3. 3. Bring It On
  4. 4. I Want My Shit
  5. 5. Bitches feat. Ol' Dirty Bastard & The Jerky Boys
  6. 6. Terrible
  7. 7. I Stab People
  8. 8. Another Love Song
  9. 9. Everybody Rize
  10. 10. Play With Me
  11. 11. Jack Jeckel
  12. 12. Fuck The World
  13. 13. The Shaggy Show feat. Snoop Dogg
  14. 14. Mad Professor
  15. 15. Assassins feat. The Jerky Boys
  16. 16. Echo Side feat. Twiztid
  17. 17. Nothing's Left

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LAUT.DE-PORTRÄT Insane Clown Posse

Sie gelten als eine der meistgehassten Bands der Welt. "Pubertär, primitiv, gewaltverherrlichend!", krakeelen ihre Gegner - und haben nicht genau hingesehen.

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