laut.de-Kritik

Die DIY-Attitüde gehört der Vergangenheit an.

Review von

Giant bedeutet riesig oder auch der Riese, und von dem habe ich kürzlich geträumt. Da spazierte ich durch den Wald und sah plötzlich eine riesige Hose, ausgebreitet über einem Hügel. Ich war erstaunt, so eine riesige Hose hatte ich noch nie gesehen. Als mir eine Passantin entgegen kam, fragte ich sie sofort, ob sie dieses große Beinkleid schon mal gesehen hätte, und da meinte sie nur: "Na klar, das ist doch die Hose vom Riesen ...". Den Namen habe ich dann leider nicht mehr verstanden, weil ein kleiner süßer Hund namens Spike mich aus dem Schlaf riss ...

Riesig und einfach märchenhaft schön war die Musik von Herman Düne, die sich jetzt Herman Dune nennen, schon immer. Das aktuelle Album "Giant" haben sie endlich auch mal in einem professionellen Studio aufgenommen und dürfen sich jetzt mit einem größeren Label an der Seite glücklich schätzen. Seit 1999 wildern die Brüder David Ivar und André Herman Düne geheimnisvoll durch den tiefen Lo-Fi Wald und beglücken treue Fans auf der ganzen Welt mit Indie-Folk-Pop.

Dass sie auch kinderlieb sind, beweisen sie im neuen Video zum Eröffnungssong "I Wish That I Could See You Soon". Da lernen wir, das "You" zu den wichtigsten Wörtern überhaupt gehört. Vergnügte Bläser (The Jon Natchez Bourbon Horns feat. Kelly Pratt) und einprägsamer Engelsgesang (die kleine Schwester Lisa Li-Lund und The Woo-Woos) begleiten den "Mitmach"-Song gebührend.

Manchen Zuhörern fallen auch verwandte Melodien auf, etwa Van Morrisons "Brown Eyed Girl". Auch das Swinggut von Belle & Sebastian kann hier genannt werden und sogar Torfrocks "Beinhart" lustig mit ein. Ihr fragt Euch, wie sich das anhört? Dann mal schnell auf laut.fm zum Podcast Nummer 59 surfen!

Da erfährt man von der Vielfältigkeit Herman Dunes, die seit Jahren durch die Welt tingeln. Die riesige Erwartung zum neuen Album lässt dann insgesamt etwas nach. "Giant" kann die Herzlichkeit und Hymnen-Euphorie eines "Mas Cambios" oder "Not On Top" nicht mehr toppen. Die DIY-Eigenständigkeit schimmert nur noch zaghaft durch. Und wer einmal "Suny Sunny Cold Cold Day" zur Hymne des Jahrtausends gewählt hat, lächelt zwar auch bei Songs wie "1-2-3 Apple Tree". Jedoch vorwiegend, weil sich ein Bezug zu einem anderen Hit aufbaut: Ich sage nur - Apfelmann!

Insgesamt 16 Stücke zitieren die schwedischen Franzosen auf "Giant". Cousin Néman begleitet die kosmopolitische Familie nach wie vor taktvoll. Woher die Dunes genau kommen, weiß man immer noch nicht, spielt auch keine große Rolle. Musikalisch halten sie sich an die amerikanische Folkmusik, den immer beliebteren osteuropäischen Klängen und fügen treffsichere Popelemente ein. Inhaltlich entzücken sie mit alltäglichen Scherereien und Liebesdingen. Fernweh nach New York und ein liebevoller Gruß an die befreundeten Antifolker zeigt "Take Him Back To New York City".

Bruder André hat sich nach den Aufnahmen erst mal verabschiedet und widmet sich einer Solokarriere in Berlin. Dafür wünschen wir ihm Glück und Herman Dune für ihre Konzertreise im April nur das Beste. Live gehen die nämlich so richtig durch Mark und Bein!

Trackliste

  1. 1. I Wish That I Could See You Soon
  2. 2. Nickel Chrome
  3. 3. 1-2-3 Apple Tree
  4. 4. Bristol
  5. 5. Pure Hearts
  6. 6. No Master
  7. 7. Take Him Back To New York City
  8. 8. Baby Bigger
  9. 9. This Summer
  10. 10. Your Name/My Game
  11. 11. By The Light Of The Moon
  12. 12. When The Water Gets Cold And Freezes On The Lake
  13. 13. Giant
  14. 14. I's Rather Wall Than Run
  15. 15. Glory Of Old
  16. 16. Mrs. Bigger

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LAUT.DE-PORTRÄT Herman Düne

"Sunny Sunny Cold Cold Day" ist die Frühlingshymne 2005, auch wenn dieses Folkpop-Prachtstück bereits 2003 auf dem Album "Mas Cambios" erschienen ist.

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