laut.de-Kritik

Grüne Plüschdinos laden zum gepflegten Headbang.

Review von

Schon seit 2009 brüllt sich eine Horde Dinos durch Finnland: Hevisaurus. Weil das bei dortigen Kindern offenbar gut ankommt, übertrug Sony Music das ganze Konzept nun nach Deutschland und nutzt die Gelegenheit gleich, um Donikkls "Fliegerlied" neu aufzunehmen. Rarrr!

Im Team der Saurier arbeiten unter anderem Lindenberg-Texter Frank Ramond und Sänger Michael Voss (Michael Schenker's Temple Of Rock). Entsprechend professionell klingt "Rock'n'Rarrr Music". Die zehn Songs sind Heavy Metal und Rock-Blaupausen, bedienen sich deutlich genug bei Genre-Ikonen, damit Eltern Spaß am Referenzensuchen haben, aber vage genug, um Plagiatsvorwürfen zu entgehen.

So schnappt "Heavy Twister" nach Poisons "Talk Dirty To Me". "Rupuliina" klingt, als haben Journey Van Halens "Jump" durch den Slo-Mo-Filter gedreht. Im "Fliegerlied"-Cover "Heavysaurus Tag (Dinolied)" nudelt Gitarrist Riffi Raffi eine Hommage an "Thunderstruck".

Abseits von Texten und Image geht Eigenständigkeit so zwar total flöten. Dazu kommt, dass Heavysaurus ihre Songs entweder vom finnischen Original übernehmen oder – wie im Falle von "Heavysaurus Tag" und "Dinos Spielen...", einer Alternative zu "Drei Chinesen Mit Dem Kontrabass" – bekannte Kinderlieder neu interpretieren. Handwerklich gibts trotzdem wenig auszusetzen, gerade bei den Soli an Gitarre oder Keyboard.

Letztlich gehts eben darum, Kindern die Welt des Metal nahe zu bringen. Das funktioniert mit einem Rundumschlag durch die Genrefacetten recht gut. Selbst Symphonic-Anleihen schaffen es auf die Platte, "Rarrr" würde sich mit etwas bombastischerer Produktion wohl recht gut bei Kamelot- oder Avantasia schlagen. Sind wir ehrlich: Die Texte sind zwar mit Blick auf die Zielgruppe simpel gehalten, doch wenn gestandene Metalheroen von Drachen und Piraten singen dürfen, dürfen sich Heavysaurus erst recht über Hexen verbreiten, die sich im Klo die Haare waschen.

Als netter Bonus eröffnet "Rock'n'Rarrr Music" ein neunminütiges Hörspiel, in dem sich die Dinoband erst einmal vorstellt. Eingebettet in die Geschichte ihres ersten Studiobesuchs, erzählen Milli Pilli, Riffi Raffi, Komppi Momppi, Muffi Puffi und Mr. Heavysaurus ihre Origin-Story. So erfährt man, dass tatsächlich nur vier der fünf Musiker Dinos sind – durch Riffi Raffis Gitarrenhände fließt Drachenblut – und sie die Hexe Rupuliina als ihre Mama ansehen.

Auch dank solcher Gags gerät "Rock'n'Rarrr Music" zu einem insgesamt kurzweiligen und für Kinder sicher spaßigen Album. Ob einiger wirklich arg zusammengestöpselter Zeilen ("Jaaaa, Kaugummi ist mega / Und du fliegst du davon bis zum Horizont / Und dann plötzlich bist du weg." Hä?) rauft man sich als Erwachsener zwar bisweilen die ausfallenden Haare und man fragt sich, ob nicht ein wenig mehr Gehalt im Sony-Budget drin gewesen wäre. Dafür taugen die Riffs zum gepflegten Headbang, und grüne Plüschdinos auf einer Metalbühne sind allemal innovativer als der x-te Pandabär.

Trackliste

  1. 1. Hörspiel: Heavysaurus Im Studio
  2. 2. Yeah, Heavysaurus!
  3. 3. Dino-Metalheads
  4. 4. Kaugummi Ist Mega
  5. 5. Schatzsuche
  6. 6. Heavysaurus Tag (Dinolied)
  7. 7. Rarrr
  8. 8. Heavy Twister
  9. 9. Rupuliina
  10. 10. Dinos Spielen...
  11. 11. Raumschiff Juranoid

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