laut.de-Kritik

Ein Großer ehrt einen ganz Großen.

Review von

Der Einfluss der drei offiziellen Platten, die Jimi Hendrix nebst unzähligen Bootlegs hinterlassen hat, ist in der Rockwelt nicht zu ermessen. Fest steht, dass die allermeisten Gitarristen seinen Namen mit Ehrfurcht nennen und sich in jungen Jahren die Finger wund gespielt haben, um ihn nachzuahmen. Gary Moore war einer von ihnen, wie jeder erkennt, der sich seine härteren Sachen anhört.

Anlass zum vorliegenden Mitschnitt war die Vorführung des dokumentarischen Kinofilms "Live At Monterey" im Oktober 2007 in London. Moore spielte, sozusagen als Begleitprogramm, Hendrix' bekannteste Stücke. Die meisten mit seiner Stammbegleitung, bestehend aus Darrin Mooney (Schlagzeug) und David Bronze (Bass), drei davon aber mit Mitch Mitchell und Billy Cox. Der beste Rockgitarrist aus Irland (neben dem 1995 verstorbenen Rory Gallagher) in Kombination mit dem Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience und dem Bassisten der Band of Gypsies - wow.

Ein wirkliches Experiment war es nicht, schließlich waren die Veteranen schon seit langem als Experience Hendrix mit namhaften Kollegen als Hendrix-Ersatz unterwegs, unter ihnen Slash, Mick Taylor, Robbie Krieger und Buddy Guy. Doch war es ihr erster Auftritt in London seit 1970, also auch für sie eine besondere Gelegenheit.

Moore lässt wie gewohnt nichts anbrennen. "Purple Haze" klingt noch etwas hölzern, doch ab dem zweiten Stück "Manic Depression" geht die Post ab. Improvisationstalent legt er nicht an den Tag, aber das wäre auch vermessen. Mooney und Bronze spielen wie gewohnt druckvoll und technisch exzellent. Der Funke springt über – auch auf CD.

Die Stücke stammen allesamt aus der Zeit der drei Hendrix-Alben, bis auf "Angel", das posthum erschien. Der Sound ist nicht wirklich berauschend, doch erträglich, schließlich ist man vom Original nicht gerade verwöhnt. Zumindest kommen die Macher ohne Fading aus, auch wenn die Stücke etwas zu schnell ineinander übergehen. Wohl auch, um mit der Aufnahmekapazität einer CD auszukommen, denn die Laufzeit gerät mit knapp 74 Minuten an die technischen Grenzen des Mediums.

Den emotionalen Höhepunkt bilden "Red House", "Stone Free" und "Hey Joe" mit Mitchell und Cox. Hendrix war von seinen ersten offiziellen Bassisten Noel Redding (Bass) nicht sonderlich angetan, weshalb er ihm 1969 den Laufpass gab, um eine neue Begleitband zusammenzustellen. Die Band of Gypsies nahm aber nie eine endgültige Form an, da der Gitarrist 1970 starb. Das historische rhythmische Duo kommt sicherlich nicht an Mooney/Bronze an, Cox hat am Mikrophon auch nicht die Ausstrahlung Moores. Doch ohne die drei Stücke wäre das vorliegende Album nur eine Hommage von vielen, mit ihnen wird es zu etwas Besonderem.

Melancholisch stimmt auch der Umstand, dass Mitchell ein halbes Jahr nach dem Auftritt starb. Moore folgte 2011. Dass "Blues For Jimi" erst 2012 erscheint, zeigt wohl, dass er dem Auftritt nicht allzu viel Bedeutung beimaß und sich weiterhin auf sein eigenes Werk konzentrieren wollte. Das nicht an das von Hendrix herankommt, dennoch einen bleibenden Einfluss ausübt. Hier ehrt ein Großer einen ganz Großen. Und hinterlässt das schönes Zeugnis einer musikalischen Verbundenheit über Generationen hinweg.

Trackliste

  1. 1. Purple Haze
  2. 2. Manic Depression
  3. 3. Foxy Lady
  4. 4. The Wind Cries Mary
  5. 5. I Don't Live Today
  6. 6. My Angel
  7. 7. Angel
  8. 8. Fire
  9. 9. Red House
  10. 10. Stone Free
  11. 11. Hey Joe
  12. 12. Voodoo Child (Slight Return)

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