laut.de-Kritik

Routinierter Après-Ski-Punkrock für die Unheilig-Klientel.

Review von

Frei.Wild setzen neue Maßstäbe. Geizten die Südtiroler schon bei "Opposition" nicht mit Songs (26 gab es insgesamt), verfügt "Rivalen Und Rebellen" nun über 33 Tracks, verteilt auf drei CDs. Viel Stoff, viel Neues? Denkste. Der Horizont der Band scheint sich mit fortschreitender Albumzahl eher zu verengen statt zu erweitern.

Philipp Burger, Zegga Gargitter, Jonas Notdurfter und Drummer Föhre kämpfen natürlich noch immer "Zwischen Allen Fronten", sehen überall "Mediennutten, Systemmarionetten, Einheitsbrei, Flaschen unter Punkrocketiketten" und kloppen seelenruhig ihren eigenen kantenlosen Deutschrock. Musikalisch eckt hier rein gar nichts an, die Gitarrenmelodien tröpfeln brav harmonisch und nach dem immergleichen Schema über durchgeschlagene Powerchord-Begleitung. Im Mittelpunkt steht Burgers Gesang, für die grölfreudigen Fans stets auf Einfachheit bedacht. Der Deluxe-Version liegen ein Würfelbecher und Bierdeckel bei. So lenkt die Musik wenigstens nicht zu sehr vom Spielen ab.

Abwechslung vom Après-Ski-Punkrock gibts wie üblich mit einigen Ska-Nummern und Balladen. So hüpfen Frei.Wild mit Off-Beat und Bläserunterstützung "In 8 Minuten Um Die Welt" und flehen in "Weil Kein Krieg Für Ewig Ist" mit Streichern und Klavier um "mehr Umarmung und Gefühle". Dieselbe Hallengröße wie Unheilig bespielen sie längst, nun sprechen sie auch dasselbe Klientel an.

Simpel heißt freilich nicht automatisch schlecht, inzwischen haben Frei.Wild einfach zu viel Routine, ums im Songwriting komplett zu vermasseln. Die hört man dem quantitativen Overload "Rivalen Und Rebellen" dafür fast durchgehend an. Qualität erzielt das Quartett so nach dem Hit & Miss-Prinzip. "Auf Ein Nie Wieder Wiedersehen" entpuppt sich als starke Powerballade, die von Burgers kraftvollen Refrain-Vocals lebt.

Demgegenüber steht furchtbar Einfallsloses ("0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 – yippie-ya-yeah, let's go!") sowie die Vollbedienung Streckbank: Gehen die Ideen aus, jagt man halt die Chorus-Hook nochmal durch den Vocoder, um den Song abwechslungsreicher zu gestalten ("Keine Angst Vor Liebe"). Immerhin haben die Fans ja große Auswahl, um sich eine eigene kompaktere Tracklist daraus zu basteln.

Allerdings scheinen Frei.Wild ihren Hörern generell nicht sonderlich viel zuzutrauen, schrauben sie doch das sprachliche Niveau oft auf ein Minimum herunter. Lieblingsmarotte: Wortwiederholungen. Frei.Wild bringen nicht "alle" um, sie bringen "alle, alle, alle, alle" um. Frei.Wild sind nicht "anti", sie sind "anti, anti, anti". Die Zeit ist nicht "vorbei", sie ist "vorbei, vorbei, Geschichte, vorüber, gegessen, Vergangenheit". Über einen Song namens "Fick Dich Und Verpiss Dich", dessen Fazit lautet: "Checkst du's oder checkst du's nicht, dass du unser aller Arschloch bist?" müssen wir gar nicht erst reden.

Ja, sie liefern – natürlich – wieder Futter für kritisierende "Moralapostel" und damit gleichzeitig auch den Leuten, die der kritisierten Ideologie bis aufs Blut verschworen sind. "Ja, dieses Land ist unser Leben" knurrt Burger schon im vierten Lied "Auf Zum Schwur". Mit direktem Zitat bezieht er sich auf ein Volkslied, das zur Tradition des alljährlich in ganz Tirol entfachten Herz-Jesu-Feuers entstanden ist.

Zwar stellen sich Frei.Wild mit Zeilen wie "Ich brauche keinen Führer, keinen höchsten Rang" ("Nicht Zu Viel Denken Und Einfach Machen") auch gegen rechtes Gedankengut, tun das aber – vor allem auf die Gesamtlauflänge des Albums gesehen – wesentlich zurückhaltender, als sie Interpretationsspielraum für nationalistische Deutungen lassen. In einem Fort denken sie sich neue Kosenamen für ihre Gegner aus, ähnlich klare Worte gegen den grassierenden Fremdenhass – wie sie sie abseits ihrer Alben ja durchaus schon fanden – sucht man in d r e i u n d d r e i ß i g Songs, aber vergebens. Das höchste aller Gefühle ist der schwammig gehaltene, auf die Bonus-CD verbannte Anti-Waffen/Anti-Kriegssong "Betteln Vs. Batteln". Aber warum gegen das Image ankämpfen, wenn man sich noch tiefer in die inzwischen recht groß gewordene Nische buddeln kann?

Trackliste

CD I

  1. 1. Zwischen Allen Fronten
  2. 2. Ich bin Nicht Heilig
  3. 3. Diese Nacht Will Nicht Meine Nacht Sein
  4. 4. Auf Zum Schwur
  5. 5. Weil Kein Krieg Für Ewig Ist
  6. 6. Und Ich War Wieder Da
  7. 7. Nicht Zu Viel Denken Und Einfach Machen
  8. 8. Geartete Künste Hatten Wir Schon
  9. 9. Herz Schlägt Herz
  10. 10. Rivalen Und Rebellen
  11. 11. Schau Nach oben
  12. 12. Von Der Wiege Bis Zur Bar
  13. 13. Unbrechbar

CD II

  1. 1. Antiwillkommen
  2. 2. Du Kriegst Nicht Eine Sekunde Zurück
  3. 3. Es Ist Vorbei, Es Ist Geschichte
  4. 4. Wir Bringen Alle Um
  5. 5. Für Immer Für Ewig Unendlich
  6. 6. Es Geht Hier Um Mein Leben
  7. 7. Auf Ein Nie Wieder Wiedersehen
  8. 8. Keine Angst Vor Liebe
  9. 9. In 8 Minuten Um Die Welt
  10. 10. Schrei Auf Schrei Laut
  11. 11. Aus Dem Film Unserer Geschichte
  12. 12. Fick Dich Und Verpiss Dich
  13. 13. Wenn Mein Licht Erlischt
  14. 14. Verbotene Liebe, Verbotener Kuss (Hidden Track)

CD III

  1. 1. Hey, Ich Lebe Noch
  2. 2. Volle Pulle In Die Fresse Dieser Zeit
  3. 3. Betteln Vs. Batteln
  4. 4. Sie Müssen Es Nicht Wissen
  5. 5. Völkerrecht
  6. 6. Im Auftrag Der Welt

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17 Kommentare mit 46 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Frei.Wild sind schon nicht ganz so gut, aber ich hate lieber Deutschrap 2017/2018.

  • Vor 25 Tagen

    Moin ihr Deutschrock Experten... das Album ist die 20 Woche in den Top 30 der deutschen Albumcharts! Spricht für sich... also ihr meckert weiter... ich feier noch bissi dieses Album... denn das ist unsere eigene Art zu leben... harmonische Grüße Euer Plastikball

    • Vor 25 Tagen

      Ist Helene Fischer auch! Und die ist trotzdem nicht annähernd so scheisse wie deine Rotzkapelle!

    • Vor 24 Tagen

      @Plastikball: gräme dich nicht. fw wird hier aus prinzip schlecht bewertet. es geht weniger um die musik, sondern mehr um das drumherum. man muss halt den politisch korrekten nach dem mund reden

    • Vor 24 Tagen

      Sodi, du bist doch auch der 100% Troll.

    • Vor 24 Tagen

      @Ehrenbrudi: jaja, du bist halt tief im würtembergischen pietismus verwurzelt und daher auch bis zu einem gewissen grad ein gutmensch...lass dir gesagt sein, es braucht immer auch opposition und damit hat fw schon seine daseinsberechtigung.

    • Vor 24 Tagen

      "lass dir gesagt sein, es braucht immer auch opposition und damit hat fw schon seine daseinsberechtigung."

      Ich erwarte ja sehnlichst den Tag, an dem du dein Geschwafel mit irgendetwas anderem als der immer gleichen tumben, eindimensionalen Antihaltung zu begründen anfängst.

    • Vor 23 Tagen

      @Gleep: du liegst leider wiedermal meilenweit daneben. nicht "ich" muss etwas begründen, sondern die fw gegner und gutmenschen müssten irgendwann mal plausibel begründen, warum fw ihrer meinung nach rechts ist. wie dir vielleicht irgendwann mal aufgefallen ist, wird aus dem ganzen riesigen katalog an fw songs immer nur eine einzige textzeile als beleg zitiert (abgenommene kreuze aus respekt etc)...andere beispiele aus den lyrics existieren praktisch nicht. diese tatsache fiel zuletzt sogar dem spiegel auf und er versuchte daher in einem mehrseitigen "special" die freiwildler als "populisten" darzustellen...jetzt also nicht mehr richtig "rechts" sondern nur noch "populistisch"...ohne das jemand irgendwann mal erklärt hat, was an einem populisten eigentlich so schlimm ist...

    • Vor 23 Tagen

      @Sodhahn: Das ist ja alles schön und gut, nur habe ich hier über Frei.Wild auch kein einziges Wort verloren. Mir ist das auch relativ egal, ob die rechts sind oder nicht, mir reicht da zu wissen, dass ich sie persönlich musikalisch absolut scheiße finde.
      Mich stören nur ein wenig deine andauernden Selbstzweckargumentationen. Opposition ist in den meisten Fällen gut und richtig und wichtig und in den allerwenigsten Fällen hat eine Seite die Wahrheit für sich gepachtet, na klar. Aber trotzdem, nein, nicht zu allem braucht es eine Oppositionshaltung. Menschenrechte zum Beispiel brauchen ganz sicher keine Opposition. Genauso wie Mord und Vergewaltigung keine Beführworter brauchen. (Sind jetzt extreme Beispiele, ganz sicher nicht auf dich bezogen). Und genauso wenig ist etwas nur deshalb gut, weil es irgendeine bestimmte Gruppe Menschen provoziert, ohne wirklich darüber zu reflektieren, was diese Provokation jetzt bewirken soll und ob sie konstruktiv oder destruktiv ist.
      Das sind einfach schlicht und einfach alles keine wirklichen Argumente, sondern reinenScheinargumente. Und die kommen halt auffällig oft aus der Ecke, die sich generell durch eine in letzter Konsequenz unglaublich asoziale und menschenverachtende Grundhaltung auszeichnet und die ihr Verhalten sonst auf keine andere Weise zu verteidigen weiß.
      Dich will ich da jetzt gar nicht zwangsläufig in die Ecke einordnen, du tust dir aber selber auch ganz sicher keinen Gefallen damit, einen Großteil der Zeit so ein unreflektiertes Gebräse von dir zu geben und die eigene Angriffshaltung als Verteidigung oder rechtschaffen schönzuwaschen.

    • Vor 23 Tagen

      Ansonsten hast du aber zwei gute Punkte aufgebracht. Einerseits mit den (Nicht-)Rechten Texten von Frei.Wild und der Frage nach Populismus.
      Zu ersterem kann ich nur bedingt was sagen, da ich mich weder auskenne, noch interessiert's mich wirklich. Das Problem, das ich persönlich aber bei solchen Bands/Texten ausmache ist, dass sie oft tatsächlich nicht explizit rechts sind und es vielleicht auch dem Dialog nicht förderlich ist, wenn sie von der Gegenseite immer gleich als solche betitelt werden. Das Problem ist vielmehr, dass den meisten solcher Texte tatsächlich sehr explizit ein unglaublich geistig reduziertes, unreflektiertes, grenzenziehendes und falsche Konflikte heraufbeschwörendes ist. Die typische "Wir gegen die Anderen"-Mentalität um es mal versimpelt auszudrücken. Und die führt dann, wenn man sie konsequent genug anwendet und lebt fast schon zwangsläufig in die rechte oder rechtsähnliche Ecke. Und das oft ohne, das man sich dem ganzen selbst unbedingt so bewusst ist.

      Und an Populismus ist an und für sich und in der Theorie erst einmal gar nichts schlimm. Faktisch ist es aber nun einmal so, das fremden- und menschenfeindliches Gedankengut auf die eine oder andere Weise sehr weiten Zuspruch in der Bevölkerung findet und das eine reaktiv-emotionale Sichtweise auf die Dinge, wie sie von Populisten angesprochen wird, sich einerseits extrem leicht manipulieren lässt und selten wirkliche Problemlösungsstrategien hervorbringt. Beides ist faktisch schlecht und entsprechend sind auch die allermeisten Spielweisen des Populismus mehr als problematisch, selbst wenn an dem Konzept selber in der Theorie natürlich absolut nichts verkehrt ist.

    • Vor 23 Tagen

      deine videos haben keine relevanz - weil unfassbar scheiße. genau wie du.

    • Vor 23 Tagen

      @scientologe

    • Vor 23 Tagen

      Natürlich @scientologe sonst hat ja keiner Videos verlinkt!
      Bist du evtl. dumm?

    • Vor 23 Tagen

      eher korrekt! dass du dumm und peinlich bist, kann man jedem deiner kommentare entnehmen. ich sag nur nackensteak, du trottel.

    • Vor 23 Tagen

      Zumindest muss ich nicht ein dutzend Accounts anlegen um dann doch immer wieder die selbe Scheisse durchzuziehen, schaff dir ein Leben an du Witzfigur.

    • Vor 23 Tagen

      ein dutzend? millionen!

  • Vor 22 Tagen

    Pastikball: Fresst Scheisse, denn Millionen fliegen koennen nicht irren???
    Im Ernst: Dieses Album fuehrt den schleichenden Untergang der Band fort. Masse statt Klasse. Ich hatte nach Opposition (und eigentlich schon seit Gegengift) meine Probleme mit dem neuen musikalischen Weg. Dieses Album habe ich nach probehoeren als erstes Frei.Wild Album nicht gekauft.