laut.de-Kritik

Liebe ist für alle da.

Review von

20 Jahre nach seiner Gründung und zehn Jahre nachdem sein Einblick in den "Untergrund" mit Blokkmonsta den vorläufigen Endpunkt markiert hatte, reaktivierte Frauenarzt vor einigen Monaten das Label Bassboxxx. "XXX" knüpft an die Zeit an, als der Rapper noch nicht den ZDF-Fernsehgarten bespielte, sondern sich mit "BC", "Tanga Tanga" und "Untergrund Solo" zunehmend zum Bürgerschreck entwickelte. Passenderweise nimmt er einleitend Mach One mit ins "Backstage", dessen Beitrag zur Szene-Entwicklung der Hauptstadt von besonderer Bedeutung war.

Bei Frauenarzt geht alles eine Spur direkter zu. Mit dickem Edding überschreibt er ein in bester Kalligraphie ausgeführtes "Ménage-à-trois" mit "Doppeldeckerfick". Bereits das dazugehörige Video frönte der preisgünstigen Ästhetik, die unumwunden auf die Regionen unterhalb des Äquators zielt. Nach dem letztjährigen Kollabo-Album "Porno Mafia" bleiben aber auch erneut einige Zeilen hängen, die sich gegen sexistische Stigmatisierungen wenden: "Wär' ich eine Frau, wär' ich die allergrößte Bitch." Auch für den Rapper gilt das beschönigende Rammstein-Credo: Liebe ist für alle da.

Nach dem kräftezehrenden "Doppeldeckerfick" wirkt Frauenarzt etwas orientierungslos. Zu einem Instrumental der Three-6-Mafia-Schule setzt er in "Bounce Zu Dem Beat" auf plakativen Schlagwort-Rap und einen Hauch Konsumkritik ("Keine Gucci-Flip-Flops"). Wenn sich das ganze Leben vornehmlich nackt abspielt, erscheinen Markenklamotten natürlich nur als lächerlich sinnbefreiter Ballast. Das gilt in gleicher Form für jeglichen Technik-Firlefanz wie er an der Seite von King Orgasmus One betont: "Bei mir sieht man nur Titten, bei dir nur Handys in der Crowd."

"Lass dich geh'n, lass dich geh'n. Du hast es in deinen Gen'." Die Reduzierung auf das Grundlegende blitzt im Verlauf von "XXX" immer wieder auf. Wenn er sich in "Shake-N-Bass" dem Hörer mit ausgestreckter Hand nähert ("Wir laden dich ein in unsere Welt"), wirkt es nicht wie eine hohle Geste. In Frauenarzts Welt dient die explizit geschilderte Pornografie immer auch als Gleichmacher: "Uns ist egal, wer du bist, weil jeder hier mit jeder fickt." Wenige erfolgreiche Rapper pochen derart darauf, die Augenhöhe beizubehalten ("Für immer und ewig bleibe ich ein Tempelhof-Gangster").

Die mehrheitlich von Frauenarzt produzierten Songs setzen dann auch auf Musik für die Massen. Hier klingen die Bässe noch so wie der Rap-Gott sie sich einmal vorgestellt hat. Der Synthesizer-Sound von "Autobass" würde auch ohne den Gaga-Text funktionieren. Mit dem Stimmverzerrer verweist er zudem auf "Hunnies Im Club". "Wenn Der Bums Bus Rollt" wartet mit Elementen aus "Brennt Den Club Ab" auf. Und im fast rein instrumentalen "Illegale Geschäfte" baut er Textfragmente seines Auftritts als "Tony, 21, arbeitslos" bei Andreas Türck ein – ein Lacher für alle Eingeweihten.

Doch darin liegt auch ein Problem. Obwohl sich sein Kosmos aus universellen Themen zusammensetzt, funktioniert die Musik in erster Linie über nostalgische Trigger. Während seine akustische Pornografie vor 20 Jahren hinter vorgehaltener Hand die Runde machte, taugt sie angesichts der allgegenwärtigen Verfügbarkeit nackter Tatsachen nun nur noch bedingt als Tabubrecher. So gelingt Frauenarzt zwar ein launiges Album, aber das sinnvollere, solidarische Gegengewicht zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen gelingt ihm mit Die Atzen.

Trackliste

  1. 1. Backstage (mit Mach One)
  2. 2. Doppeldeckerfick
  3. 3. Bounce Zu Dem Beat
  4. 4. Böse Mädchen (mit King Orgasmus One)
  5. 5. Zeig Uns Alles
  6. 6. Autobass
  7. 7. Shake-N-Bass
  8. 8. Illegale Geschäfte
  9. 9. Daddy Fetisch Baby
  10. 10. Lap Dance
  11. 11. Wenn Der Bums Bus Rollt

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LAUT.DE-PORTRÄT Frauenarzt

"Nackte Haut, zieh' dich aus. Keine Alternative, meine Devise: Ich bin drauf. Schmeiß' die Hunnies durch den Club, schmeiß' die Hunnies durch den Club.

15 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Für eine "Vorsicht Megabass"-Warnung auf der CD war der Sound überraschend langweilig.
    Auch sonst ist das Album halt echt unfassbar belanglos. Um Frauenarzt in die selbe Sparte wie SSIO oder Rhymin Simon einzuordnen, fehlt ihm der nötige Humor.
    So sind es einfach nur schlechte Zeilen unter der Gürtellinie eines Mittvierzigers auf vergleichsweise öden Beats.

  • Vor 2 Monaten

    Und wieder ne Rezi zu beschissener Bumsmusik. :rolleyes: Bitte Redaktion komplett austauschen!

    • Vor 2 Monaten

      Halt trotzdem besser als irgendwelches Geschrammel für Ewiggestrige. Ich weiß, dass Du das nicht hören magst, aber ist halt die Realität, also deal with it! *yannikvoice*

    • Vor 2 Monaten

      "Halt trotzdem besser als irgendwelches Geschrammel für Ewiggestrige"

      Ich weiß dass du diese Scheiße feierst und dass du offenbar generell ne Affinität zu hirntoter Bumsmucke hast. Aber das muss ich ja nicht haben. Deal with it!

      Weiterhin wage ich zu behaupten, es gibt noch mehr Musik als Geschrammel und Frauenarzt.

      Und was soll der Vorwurf mit dem Ewiggestrigen? Was ist denn etwa mit dem Frauenbild des Arztes, ist das nicht ewiggestrig?

  • Vor 2 Monaten

    album ballert! im endeffekt textlich schon ziemlich hängengeblieben, aber allemal besser zb blokk und smoky