laut.de-Kritik

Sound okay, Rest "Nenene".

Review von

In einem Interview mit 16 Bars gab Fero während der Promophase zu seinem Debütalbum "47" zu Protokoll, Texte spielten für die Qualität eines Rapsongs keine Rolle mehr, es gehe inzwischen nur noch um den Flow. Gut zu wissen, wenn man sich "47" anhört: Genau diese Haltung manifestiert sich auf dem Album. Die meisten Tracks ruhen auf starken Produktionen, Feros Flow ist variabel und er weiß, wie er seine Stimme einsetzt. Die Texte erweisen sich allerdings durch die Bank als belanglos, zusammenhangslos, einfallslos oder schlicht dumm.

Dabei beginnt das Album eigentlich vielversprechend. Im "Intro" startet Fero mit einer mächtigen Delivery auf einem treibenden Beat. Dessen Chor-Sample erfindet das Rad zwar nicht gerade neu, sorgt aber auf jeden Fall für Atmosphäre. Die Inkohärenz des Erzählten verzeiht man da noch gerne, wie auch die Deutschrap-Standard-Phrasendrescherei: Es klingt einfach gut. Zeilen wie "Kein Engel war da, also dacht' ich, bringe die Scheiße nun selbst / Kein Beton, was sich durchbrecht (sic!), ein Leben, was sich zerfetzt / Die gnadenlosen Köter auf Schore und Kush sind versetzt" geben allerdings doch größeren Anlass zu Beunruhigung.

Das restliche Album bestätigt den Eindruck, den das "Intro" hinterlassen hat: Die Beats sind mal interessanter ("Jaja" mit cool verbautem "Cry Me A River"-Sample), mal langweiliger ("Du"), aber immer mindestens obere Mittelklasse. Die Flows sind abwechslungsreich und machen zum Beispiel auf "Schau Mich An" richtig Spaß. Handwerklich also alles super, wenn da nur nicht die elend langweiligen Texte wären. Die sind schlecht abgeschaut von erfolgreichen Rappern, stecken voller Luxusklamotten und Autos, ansonsten geht es um Haze, Waffen und weitere Klischees.

Immerhin hat Fero eine Stimme, mit der er sich von der Masse abhebt. Die setzt er auf den meisten Tracks auch gut ein und gibt ihnen mit seinem rauen Organ einen gewissen Wiedererkennungswert. Wenn er damit wie auf "Daye" aber in einen jammernden Singsang verfällt, klingt das so nach Gejaule, als habe sich Faber den großen Zeh am Küchentisch gestoßen.

Einzelne Songs des Albums kann man sich also wirklich gut anhören. "Désolé" verströmt zum Beispiel einen warmen, melancholischen Vibe, "Schau Mich An" und "Jaja" klingen beschwingt und machen gute Laune, der Titeltrack "47" geht rein vom Sound her als astreine Straßenrap-Nummer durch. Das Album empfiehlt sich aber trotzdem vor allem für Leute, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. In voller Länge ist der Nonsens, den Fero als Lyrics ausgibt, doch arg nervig.

Manche Titel lassen auf Tiefgründigeres oder wenigstens halbwegs Kohärentes hoffen. Auf "Pyrmont" zum Beispiel könnte man einen Song über die Heimat erwarten (Fero stammt aus Bad Pyrmont). Auf "Jenseits" könnten Fragen vorkommen, die über den Inhalt des eigenen Kleiderschranks hinausgehen, und "Daye" (kurdisch für Mutter) verspricht einen Song, der zumindest einen Funken authentischer Emotion enthält. Leider tut Fero auf "Pyrmont" so als käme er aus dem schlimmsten Ghetto, dabei ist Bad Pyrmont einfach ein Kurkaff in Niedersachsen. Der deepste Teil von "Jenseits" lautet "Ich will wieder mal ein Kind sein, Kind sein / Für Steuern will ich gern auch blind sein, blind sein / Google mich auf meiner Website, Website / Nimm die Schulden jeder Bank mit ins Jenseits", und auch auf "Daye" erzählt Fero nur von Moët, S-Coupé und St. Tropez.

Aufgrund seines Namens wird Fero oft in einem Atemzug mit Mero und Sero el Mero genannt. Was diese drei aber noch mehr verbindet als das -ero im Namen, ist, was zu Anfang dieser Review thematisiert wurde: Alle drei gehören zu einer neuen Generation von Rappern, für die Texte kaum mehr eine Rolle spielen. Man muss daran keinen Anstoß nehmen, am Ende entscheidet jeder selbst, was ihm gefällt. Einzig der Gedanke, dass diese Leute beschlossen haben, Rapper zu werden, ein Beruf, den vornehmlich das Schreiben auszeichnet, ohne das Geringste zu sagen zu haben, stimmt nachdenklich.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Du
  3. 3. BamBam
  4. 4. Jaja
  5. 5. Schau Mich An
  6. 6. Pyrmont
  7. 7. Jenseits
  8. 8. Puerto Rico
  9. 9. 47
  10. 10. Bis Zum Tod
  11. 11. Immer Zu Zweit
  12. 12. Nenene
  13. 13. Désolé
  14. 14. Daye

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