laut.de-Kritik

Munteres Bashing als Schwanengsang.

Review von

Österreichs Klamauk-Rocker gehen in Rente. Ein Schock für die Fans, ein Segen für die altersgeplagten Musiker. Die Frage, was bleibt, wenn der Weg zu Ende ist, schwirrte Bandkopf Thomas Spitzer sicherlich häufig in den letzten Jahren im Kopf herum. Der schmissige Witz der "Drei Weißen Tauben" oder doch die Seitensprung-Romanze "Ding Dong"? Der tollpatschig-verunglückte "Ba-Ba-Banküberfall" oder die Verballhornung des Bumstourismus in "Samurai"?

Musikalisch präsentiert die EAV sämtliche Zutaten aus ihrem Klimperkasten. Boogie-Woogie, Rock'n'Roll, Folk, Deutschrock, Mambo, Gaudi und Hüttenzauber sind alle mit an Bord. Auch wenn den Mannen um Frontspatz Klaus Eberhartinger textlich nach wie vor der Schalk im Nacken sitzt: Das meiste meinen die Ösis bitter ernst. Somit setzen sie die Entwicklung fort, die sie mit den beiden letzten Platten genommen haben ("Neue Helden Braucht Das Land", "Werwolf-Attacke! (Monsterball Ist Überall...)")

In der Deutschrock-Single "Gegen Den Wind" mit Landsmann und Kuschelrocker Lemo am Mikrofon, geben Spitzer und Co. in romantisch entwaffnender Manier das Don Quijote-Thema preis. Wer hier auf eine böhmermannsche Verballhornung wartet, ist an der falschen Adresse. Der Track spaltet jetzt schon die Fangemeinde. So löblich das textliche Sujet um den einsamen Ritter aus La Mancha auch ist, die Frage bleibt: Ist dieser Schmuse-Track mit biederer Immer-Weiter-So-Message der EAV-Schwanengesang?

Dagegen wettern die Blödel-Barden im "Salatisten Mambo" gegen den Vegan-Wahn. Mit scharf gewetzter Tranchierklinge geht's am Ende gar dem Truthahn an den Kragen. Im Mundart-Track "Erzöh Ma' Des" sowie dem mit reichlich schwarzem Humor ausgestatteten Abschlusssong "Man soll den Tag" klingen hingegen die alten EAV nach.

Am besten gerät der Humor der Truppe, wenn er wie in "Rabenschwarz Und Weiß" in einen kleinen Widerstreit verpackt ist. Der Rabe als Stellvertreter für den Islam streitet mit der katholischen Christen-Taube um die Frage, wer denn nun die wahre religiöse Lehre repräsentiere. Das muntere Bashing steigert sich bis zum Höhepunkt. Wo der Muselmann seine siebzig Jungfrauen hat, öffnet sich in der katholischen Kirche des Knabens Hosennaht.

Im thematischen Doppelpack "Das Wandern" und "Rechts 2/3" weiß der Hörer zunächst nicht, ob er lachen oder weinen soll. Das alte deutsche Liedgut "Das Wandern Ist Des Müllers Lust" dichtet Spitzer flugs in "Das Wandern ist des Syrers Lust" um. Das Leid der Flüchtlinge nutzen die Propheten der rechten Idiotie als Scharf- und Angstmacher, wovon im darauffolgenden flotten Track die Rede ist.

Das Cover erinnert ein wenig an das Ghostbusters-Logo. Auch die alten betuchten Herren kämpfen gegen die rechten Geister der Vergangenheit und der Gegenwart, in der Hoffnung, diesen mit dem eigenen musikalischen Potpourri zukünftig ein Schnippchen zu schlagen. Arrivederci, ciao, mon amour!

Trackliste

  1. 1. Alles Ist Erlaubt
  2. 2. Am Rechten Ort
  3. 3. Trick Der Politik
  4. 4. Erzöh Ma' Des
  5. 5. Imam
  6. 6. Rabenschwarz Und Weiß
  7. 7. Coole, Alte Sau
  8. 8. Gegen Den Wind
  9. 9. Müssiggang
  10. 10. Es Ist Nie Zu Spät
  11. 11. Salatisten-Mambo
  12. 12. Das Wandern
  13. 13. Rechts 2/3
  14. 14. Der Letzte Brief
  15. 15. Verflucht
  16. 16. S Glück
  17. 17. Freiheit
  18. 18. Man Soll Den Tag...

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1 Kommentar

  • Vor 2 Monaten

    Wo bitte soll dieses Logo der LP an das der Ghostbusters erinnern, egal...aber das Album finde ich eher mäßig, einem Abschlussalbum nicht würdig. Sie recyclen alte Melodien wie ich finde und die Texte gehen so, ein paar sind ganz bissig aber ich finde sie hätten nach Werwolf Attacke aufhören sollen, wenn überhaupt. Wenn es nach mir gegangen wäre hätten sie auch die Stones übertrumpfen können.
    Vielleicht werden ja nochmal Raritäten irgendwo ausgegraben, mal schauen....