laut.de-Kritik

Mystischer und mysteriöser New-Age-Klassiker.

Review von

Geboren als Eithne Pádraigín Ní Bhraonáin in Gaoth Dobhair im Norden Irlands und unter dem anglisierten Vornamen Enya zur geheimnisvollen Gesangskünstlerin zu Weltruhm gelangt: Die Musikerin und Songwriterin ist für die einen eine entrückte New-Age-Künstlerin, für die anderen die Königin des Kitsch. Enya ist in jedem Fall einzigartig.

Ähnlich wie Kate Bush vielfach in Kritiken als zu esoterisch, zu eigenwillig, zu einsiedlerisch und zu exzentrisch abgetan wurde, hält man auch Enya diese Eigenschaften vor. Sie gilt als Musikerin, die niemals auf Tournee gegangen ist. Auch Kate Bush hat Live-Konzerten mehr oder weniger abgeschworen. Sie hat die kreative Kontrolle im kapitalistischen Popbusiness durchgesetzt. Auch Kate Bush hat ihre Plattenfirmen hier zur Aufgabe gezwungen. Sie lebt abgeschottet in einem viktorianischen Schloss namens Manderley Castle bei Dublin, benannt nach ihrem Lieblingsfilm Rebecca. Auch Kate Bush lebt zurückgezogen auf dem englischen Land.

Aber dennoch, oder gerade deshalb, hat sie eine Generation Musikerinnen und Musikern beeinflusst. Sogar solche, von denen man es kaum glauben möchte. Wie zum Beispiel der coole Chilly Gonzales, der sogar ein Buch über Enya schrieb und darin sagt, wenn er ihre Musik höre, denke er, alles wird gut. Und hat man nicht auch Kate Bushs Hit "Running Up That Hill" dazu auserkoren, in der Erfolgsserie "Stranger Things", dafür zu sorgen, dass alles wieder gut wird?

Vielleicht bräuchte Enya auch einen solchen Moment in einer Serie, um (wieder) als cool zu gelten. Bislang nutze man ihre pathetischen Stücke als Einlaufhymnen beim Sport oder als tragischen Teppich zu Berichterstattungen über die Terroranschläge am 11. September 2001, so dass ihr Song "Only Time" von ihrem fünften Album "A Day Without Rain" wieder in die Charts einstieg. Neun Jahre zuvor war ihr drittes Album "Shepherd Moons" erschienen, das es nicht nur im heimatlichen Irland, sondern auch in UK auf Platz eins der Charts schaffte. Ein Album, das nach dem dem internationalen Single-Überraschungshit "Orinocco Flow" in seiner Ruhe und Weichheit beeindruckt. In einem ihrer seltenen Interviews beschreibt sie auch den Unterschied zu ihren vorherigen Werken: "the difference ... is that I've mellowed".

Vielfach wird dieses Sanfte in Enyas Musik belächelt, doch dem kann sie sich lächelnd entziehen, denn ihre gelassenen Songs haben einfach nichts Greifbares und damit auch nichts Angreifbares: Sie entziehen sich allen Regeln der Popmusik, des Marktes und der Performance. Enya wirft einen in ihren keltisch inspirierten Songs auf "Shepherd Moons" in eine Zeitlosigkeit, die mit verschwommener Ästhetik und fließenden Melodien zur Ruhe zwingen.

Ein geradezu betörender Mix aus altertümlich und modern, aus Folklore und Ambient wird in den Tracks in Schichten übereinandergelegt. Ihr Gesang in irisch, englisch und lateinisch hüllt ein genauso wie er verwirrt, zumal auch die Vocals zum Teil mehrfach gelayerd sind. Sirenenhaft ähnlich im Stil praktiziert dies auch Elizabeth Fraser, Sängerin der ätherischen Dreampop- und Wave-Ikonen Cocteau Twins. Beide wurden übrigens von Peter Jackson für den Soundtrack bei der Verfilmung des Fantasy-Epos "Herr Der Ringe" angefragt, von Fraser stammt schließlich dann "Lament For Haldir" und von Enya der Titeltrack "May It Be". Im Instrumentalstück "Lothlórien" auf "Shepherd Moons" erwies sie den Elfen auf Mittelerde allerdings bereits Jahre zuvor eine subtilere Ehre.

Doch neben mystischen Ansätzen ist es vor allem der fast schon chorale Einsatz von Synthesizern, der das Album prägt. Ihr innovativer Ansatz wird von jungen Musikerinnen wie Grimes, FKA Twigs oder Angel Olsen als großer Einfluss genannt. Selbst genreverachtend verweisen sie darauf, dass erst die patriarchal geprägte Musikpresse Mitte der 90er Enyas New-Age-Sound lächerlich machte.

Der vermeintliche Uncoolness-Faktor von Enya hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt: ätherische Klänge wie bei Sigur Rós oder ambientlastige Sounds wie bei Julianna Barwick atmen unbewusst die atmosphärische Musik Enyas. Und 2018 fragte die deutsche synthieverliebte Band Fanta Panda in ihrem Tributsong "Enya where are you? (...) (I liked to do multivocals with you). Das einflussreiche Pitchfork-Magazin schien 2020 die Replik darauf zu geben: "Enya Is Everywhere".

In der Rubrik "Meilensteine" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.

Trackliste

  1. 1. Shepherd Moons
  2. 2. Caribbean Blue
  3. 3. How Can I Keep From Singing?
  4. 4. Ebudae
  5. 5. Angeles
  6. 6. No Holly For Miss Quinn
  7. 7. Book Of Days
  8. 8. Evacuee
  9. 9. LothlÓRien
  10. 10. Marble Halls
  11. 11. Afer Ventus
  12. 12. Smaointe

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