laut.de-Kritik

Zwischen College-Rock und Growls.

Review von

Es war zu erwarten, dass sich Enslaved an ihre bisherige Vorgehensweise halten und sich auch auf "RIITIIR" stilistisch kaum einordnen lassen. Raserei und Härte sind nur eine kleine Zutat im Enslaved-Gebräu, das schon seit längerem mehr und mehr auf melodische, teils auch gern progressive Klänge und Atmosphäre setzt. Abnutzungserscheinungen sind bislang aber kaum zu bemerken. Auch wenn man immer wieder auf die Probe gestellt wird.

So hat man eingangs gar das Gefühl, im schrammeligen College Rock angekommen zu sein. Den Eindruck könnte man in "Thoughts Like Hammers" stellenweise gewinnen. Aber soll ich euch was sagen? Es klingt großartig! Zumal dies ohnehin nur einen kleinen Teil des Songs und einen noch kleineren der ganzen CD ausmacht. Der Wechsel von harschen, epischen zu fragilen und einfach nur überwältigenden Elementen ist fließend, logisch und jederzeit einfach nur großartig.

So einschmeichelnd und eingängig, wie sich Enslaved eingangs geben, bleiben die Herren aber dann doch nicht. "Veilburner" zeigt sich zunächst garstig, roh und auch sperrig, darf aber mit der warmen Stimme von Keyboarder Herbrand Larsen immer wieder demonstrieren, mit welcher Leichtigkeit sie sich wieder ins Prog Rock Ohr schmeicheln. Dennoch laufen sie hier Gefahr, es damit zu übertreiben (siehe Opeth).

Für die Wutausbrüche von Basser Grutle Kjellsons ist man deshalb immer wieder dankbar. In "Roots Of The Mountain" fallen sie beinahe wieder in alte schwarzmetallische Härte und Raserei zurück. Die Kontraste fallen gerade in diesem, beinahe zehnminütigem Stück (bei weitem noch nicht das Längste) am deutlichsten auf, unterstreichen aber gleichzeitig die Fähigkeit, stringent und flüssig zu komponieren.

Die Gegensätze auf "RIITIIR" könnten von "Materal" und dem abschließenden "Forsaken" nicht deutlicher dargestellt werden. Hat das eine dank seiner Eingängigkeit schon beinahe etwas von Audrey Horne und kommt nicht ganz ohne Längen aus, so bietet das andere das progressive Highlight des Albums mit Klavierintro, wild rockenden Crescendi, doomigen Zwischenspielen und einem ruhigen, atmosphärischen Ausklang.

Dass Grutle aber nicht nur als Growler in der Band seinen festen Platz hat, zeigt das progressive "Storm Of Memories" sehr gut, wo sein Bassspiel endlich mal ein wenig im Vordergrund steht. Über den Sound kann man sich streiten, aber wenn es dem Herrn so gefällt ... Seine aggressiven Vocals tragen den rasant beschleunigenden Song. Zur Abwechslung nimmt Herbrand hier nur eine Nebenrolle ein.

Trackliste

  1. 1. Thoughts Like Hammers
  2. 2. Death In The Eyes Of Dawn
  3. 3. Veilburner
  4. 4. Roots Of The Mountain
  5. 5. Riitiir
  6. 6. Materal
  7. 7. Storm Of Memories
  8. 8. Forsaken

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4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 8 Jahren

    definitiv - aber auch wieder schwerer zugänglich und proggiger. aber ich finds ja gut, wenn man als Hörer gefordert wird :) - die Platte brauch auf jeden Fall noch ein paar Durchgänge.

  • Vor 8 Jahren

    Ja, wer den Vorgänger mochte wird hier noch mehr begeistern sein. Vom Songwriting geht es wohl nicht mehr besser - nur dieser Prog Metal mit rudimentären Black Metal Roots kann mich nicht wirklich langfristig für den Kauf überzeugen. Ich mag Black Metal eher atmosphärisch ausgeprägt. Trotzdem ist das genau, was der Metal braucht. Stand der Technik im Sound und moderne innovative Herangehensweise an das verstaube, ausgelutschte Genre. Ich gebe 5 Punkte, da jeder Song stark ist und dieses Album noch besser ist als der Vorgänger (selbst wenn sich nicht direkt ein Ohrwurm wie auf dem Vorgänger findet).

  • Vor 8 Jahren

    Ich habe mir die Zeit genommen und dem was oben geschrieben steht gibt es nicht anzuheften!
    Die zusammen Setzungen der einzelnen Stile ist schon Faszinierten, was in der Prog Szene in den letzten Jahren immer mehr Einfluss genommen hat sind das die einzeln Metall Gerne immer sich wieder Spiegeln. Manch mal ist weniger mehr, die Musik trägt sich schon selber, wenn nicht immer dieses rum gegrunze von dem einen Sänger wäre. Für mich wirkt es als ob er den tollen Sound kaputt grunzen will! Hört, wir können ja so schön Musizieren aber es muss sich heute nach rum geeiert Mist anhören! Na, auch nach mehrmaligen hören fragte ich mich wie viel Wick Blau der Gute Grunzer so braucht! Vom Sound und Stil der Musik kann es nur 5 Sterne geben, Vocaltechnisch 0 Sterne. Es gibt Gruppen in der Szene bei denen ist anders rum, aber wer mag schon einen guten Sänger wenn die Musik Mist ist? Von mir gibt somit 3 Sterne!