laut.de-Kritik

Turbulenter Rückblick mit akustischen Neuvertonungen.

Review von

Fast 20 Jahre Bestehen, sechs Studioalben und diverse Wechsel in der Formation: Da darf man schon einmal zurückschauen und ein Best-Of-Album veröffentlichen. Vor allem, wenn man sich durch eine solche Bandbreite an verschiedenen Musikstilen und Genres gewühlt hat wie die Editors. "Black Gold: Best Of Editors" birgt eine mal passende, mal weniger passende Aneinanderreihung der vermeintlich besten Songs der Band. Damit das Unterfangen nicht zur unmotivierten Kompilation verkommt, nach der niemand gefragt hat, führen die Musiker drei neue Songs und einige akustische Neuvertonungen im Gepäck.

Zum Beispiel den Opener "Frankenstein": Die Synthesizer zirpen wieder, die Bassdrum pumpt und über allem thront Tom Smiths unverkennbarer Gesang. Es überrascht nicht wirklich, dass die Band nach ihrem letzten Album "Violence" weiterhin in elektronischen Gefilden unterwegs ist. Noisige Synth-Flächen treffen auf einen verhalten brummenden Bass und dann hauen die Beats mit Handclaps rein. "Would you dance like a monster with me?" Aber gerne doch!

Auch "Upside Down" bietet astreinen Stadion-Synth-Pop und schielt dabei ganz unverhohlen in Richtung Depeche Mode. Epische Synthesizer walzen alles platt, das ihnen im Weg steht, und Smith doppelt mit seinem Gesang die Akkorde der Melodie.

Das titelgebende "Black Gold" wartet mit pompöser Instrumentierung Richtung Gothic und elektronischen Beats auf. "Black gold is the colour, the dawn never comes" liefert eine ziemlich gute Beschreibung des eigenen Schaffens: In der Welt der Editors wird die Morgendämmerung vielleicht niemals kommen, alles bleibt von Dunkelheit umschlossen.

Wer auf weiteren kreativen Output gehofft hat, wird leider enttäuscht. Der Rest des Albums gestaltet sich als Streifzug durch die eigene Diskographie, wobei die Anordnung der Songs mal mehr und mal weniger gut passt. Es ergibt beispielsweise Sinn, nach dem Opener "Frankenstein" das klanglich ähnliche "Papillon" zu spielen, doch zuweilen gelingt die Fusion weniger gut. Nach "Upside Down" etwa katapultiert die Playlist mit "Bullets" wieder zurück zu den Anfängen der Band, diese Sortierung wirkt ziemlich ungelenk. Auch an anderen Stellen wird man beim Hören unerwartet aus der Stimmung gerissen, die der Song bis dahin aufgebaut hat.

Wer sich die Deluxe-Version des Albums zulegt, bekommt zusätzlich noch acht neu interpretierte, akustische Nummern spendiert. Diese warten mit düster brummendem Cello, Solo-Piano oder manchmal einer Akustik-Gitarre auf ("Walk The Fleet Road"). Dabei sind die Songs alle mehr oder weniger nach dem gleichen Muster gestrickt: minimale Instrumentierung, verhaltene Streicher und chorischer Gesang im Refrain, was Smiths ohnehin schon überpräsente Stimme noch stärker hervorhebt.

Die "Acoustic Recordings" liefern eine willkommene Abwechslung und beweisen ein weiteres Mal, dass die Editors ihr Handwerk beherrschen, egal ob mit oder ohne Strom. Besonders schön gelingt die Neu-Interpretation von "Violence", die ganz ohne den klinischen Elektro-Sound des Originals ganz neue Eindringlichkeit vermittelt.

Trackliste

  1. 1. Frankenstein
  2. 2. Papillon
  3. 3. Munich
  4. 4. Sugar
  5. 5. Hallelujah (So Low)
  6. 6. An End Has A Start
  7. 7. Upside Down
  8. 8. Bullets
  9. 9. Occean Of Night
  10. 10. No Harm
  11. 11. Smokers Outside The Hospital Doors
  12. 12. A Ton Of Love
  13. 13. Magazine
  14. 14. The Racing Rats
  15. 15. Black Gold
  16. 16. No Sound But The Wind

Distance: The Acoustic Recordings

  1. 1. Violence
  2. 2. Walk The Fleet Road
  3. 3. Blood
  4. 4. Let Your Good Heart Lead You Home
  5. 5. Smokers Outside The Hospital Door
  6. 6. Fall
  7. 7. Two Hearted Spider
  8. 8. Distance

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