laut.de-Kritik

Natürlich lassen sich von Dubs Dubversionen herstellen.

Review von

Längst jamaikanischen Kellern entfleucht hat der Dub schleichend, pumpend und wabernd die heimliche Weltherrschaft übernommen und dehnt sich in die unendlichen Weiten des Alls aus. Österreich bietet diesem Prozess fruchtbaren Boden: Hier hegen und pflegen Dubblestandart, seit Jahrzehnten bereits, das karibische Erbe und bescherten ihm unterdessen den einen oder anderen frischen Trieb.

Für die Reise zum Planet Dub und zurück holten sich die Wiener Gäste an Bord, mit denen die Zusammenarbeit fast schon Tradition hat. Federführend am Mikrofon: Pionier Lee 'Scratch' Perry, dessen durchgeknallte Lässigkeit um so beeindruckender wirkt, je unbeeindruckter er seine Zeilen improvisiert.

"Hello?" tönt es wie von weither, umgehend ist klar: "Lee 'Scratch' Perry on the wire, Lee 'Scratch' Perry brought the fire." Der Veteran stapft "in iron shoes all over the world" und predigt in stets drastischen Worten ewige Wahrheiten, fordert Solidarität mit Benachteiligten, Engagement, Mitdenken und allem voran Respekt - mit jedem Recht der Welt.

Für Ari Up aus den punkrockenden Reihen der Slits bedeutet "Return From Planet Dub" ebenfalls nicht die erste Kollaboration mit Dubblestandart. Die Vertrautheit führt auch hier zu entspannt familiärer Atmosphäre, statt in routinierter Langeweile zu verharren.

Die Vocals spielen dennoch nicht die erste Geige. Wie so oft im Dub dreht sich auch dieser Trip eher um die Instrumentals - und um Bass. Völlig unabhängig, ob nun Klassiker wie "Chase The Devil" oder "Blackboard Jungle" durch den Effektwolf gedreht werden, oder Genre-Fremdes wie Jean Michel Jarres "Oxygen": Dubblestandart fangen die gebremste und zugleich ungeheuer druckvolle Grundstimmung jedes Mal aufs Neue und jedes Mal anders ein.

Basslinien winden sich zwischen blubbernder Elektronik, Percussion-Einsprengseln, wie nachlässig darüber geworfenen Gitarrenakkorden oder Keyboard-Klängen hindurch, mäandern um Stimmeffekte, Space-Sounds und knarrende Synthies und werfen Echos zwischen den Wänden der weiten Hallen hin und her.

Unterwegs verleibt sich der Dub alles ein, was ihm in die Quere kommt. Orientalische Melodien finden Eingang ("Kingston Dancehall Dub") oder ebenso asiatisch gefärbte Weisen ("Evil Burma Dub"). Der Kosmos der Möglichkeiten wirkt fesselnd wie ein Blick in die Augen der Schlange Kaa.

Jawohl, natürlich lassen sich von Dubs Dubversionen herstellen: CD Nummer zwei quirlt, was im Vorfeld bereits angerichtet wurde, ein weiteres Mal um. Wie in einem Kaleidoskop entstehen aus den gleichen Bausteinchen immer neue Muster und Bilder, andere Strömungen und Stimmungen.

Lediglich die gegen Ende angehängte Remix-Abteilung sorgt für leise Abstriche. Die Drum'n'Bass- und Dubstep-Drachen, die unter der Oberfläche dösen, sollen offenbar doch lieber nicht geweckt werden. Andeutungen verheißen eine monströse Eruption der Energieströme. Die bleibt jedoch aus.

Stattdessen kriechen unter der Regie von Rob Smith, Tom Watson oder dem Subatomic Soundsystem träge Lavaströme aus den Reglern. Erst dem Dubblestandart-eigenen Mix von Supermax' "Lovemachine" gelingt die Flucht auf den Dancefloor tatsächlich, doch dann ist der opulente Abstecher zum Planet Dub auch schon wieder vorbei.

Einen zweiten Exkurs, diesmal zurück in die Anfangstage des Dub, in die Studios von Sir Coxsone Dodd, Lee Perry, King Tubby und Konsorten, gewähren David Katz' Anmerkungen im Booklet. "Liner Notes": für diesen Kompakt-Kurs in Musikgeschichte schon fast eine freche Untertreibung. Fazit, einmal mehr: "Give thanx and praises to Jamaica - for reggae music."

Trackliste

CD 1

  1. 1. Chase The Devil
  2. 2. Let 'Em Take It
  3. 3. Blackboard Jungle
  4. 4. Fungus Rock
  5. 5. I Foo China
  6. 6. Give Thanx & Praises (Megaton 3)
  7. 7. Deadly Funny - Oxygen Part 4
  8. 8. I Do Voodoo
  9. 9. Surrender Dub
  10. 10. Idiots Dub
  11. 11. Kingston Dancehall Dub
  12. 12. Evil Burma Dub

CD 2

  1. 1. Chrome Optimism - Oxygen Part 4 Dub
  2. 2. Let 'Em Take It Dub
  3. 3. Chase The Devil Dub
  4. 4. Defending Rights & Justice/Island Girl Dub
  5. 5. Blackboard Jungle Dub
  6. 6. Fungus Dub
  7. 7. I Foo China Dub
  8. 8. Chase The Devil (G-Corp Remix)
  9. 9. I Do Voodoo (Rob Smith Remix)
  10. 10. Wadada (Means Love) (Tom Watson Remix)
  11. 11. Blackboard Jungle Dub (Subatomic Soundsystem Remix)
  12. 12. We All Have To Get High (Tom Watson Remix)
  13. 13. Lovemachine (Dubblestandart Remix)

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2 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    also mir sind die songs viel zu poppig und synthie-lastig.
    lee perrys rauhe stimme wirkt auf rootsigen reggae/dub songs wesentlich besser.
    das "chase the devil"-cover kommt überhaupt nicht an das original ran und klingt eher wie so ne handyklingelton-disco-nummer...

    viele songs wirken auf mich irgendwie sehr kalt.

    habe seit einigen wochen die kostenlose tonspion-mp3 "i foo china" und da geht mir diese eine hohe stimme im refrain etwas auf den sack... ich weiß nicht von wem die ist (auf jeden fall nicht von perry), vlt von gudrun (?), ansonsten kommt der song aber schon ganz gut.

  • Vor 9 Jahren

    Ich find das Ding eigendlich ganz brauchbar, obwohl MannBeißtHund auch irgendwie Recht hat.
    Die Kritik an den Remixen kann ich nicht so ganz nachvollziehen meiner Meinung nach die besten Tracks vom Album. Vor allem der Rob Smith Mix von "I Do Voodoo" ist da besonders hervorzuheben.