laut.de-Kritik

Die Deutsch-Punk-Brust wird immer breiter.

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Die Donots sind auf den Geschmack gekommen. Drei Jahre nach ihrem Deutsch-Debüt "Karacho" legen Ingo, Guido und Co mit "Lauter Als Bomben" nach. Abermals ziehen die Ibbenbürener an die Keine-Macht-den-Floskeln-Front und rocken und poppen dabei alles aus dem Weg, was zu rechtslastig hinkt und die Hoffnung auf Weltfrieden mit Füßen tritt.

Mit Reglerdreher Kurt Ebelhäuser an ihrer Seite ziehen die Donots alle Register. Inhaltlich zwischen gesellschaftlichen Arschtritten und familiären Streicheleinheiten pendelnd, drückt man musikalisch auf alle verfügbaren Buzzer.

Im kantigen Opener treffen Green-Day auf Bad-Relegion ("Geschichten Vom Boden"). Mancher Refrain würde sich auch auf einem My Chemical Romance-Album gut machen ("Keiner Kommt Hier Lebend Raus"). Dazu pointierte 80s-Flashbacks ("Rauschen") sowie melancholisch Aufbereitetes aus der Alternative-Abteilung ("Asche Sammeln"): Der "Angel Dust"-Vergleich im Pressetext kommt nicht von ungefähr.

Selbst nach dem dritten Durchlauf entdeckt der aufmerksame Hörer noch Neues. Im Mixtape-Rausch lassen die Donots nicht locker. Was eben noch so klang wie ein in Musik gegossenes "Cheers!" der Herren Turner und Strummer, schallt drei Minuten später wie eine nicht mehr zu bändigende Kollaboration zwischen Dave Grohl (am Schlagzeug) und den Herren von The Hives aus den Boxen.

Es geht auf und ab, hin und her und hoch und runter. Nach einer Runde "Gegenwindsurfen" lässt Stehaufmännchen "Apollo Creed" endlich die Zauber-Bombe platzen ("Der Trick Mit Dem Fliegen"). Und im bandeigenen Heavy Kranich-Studio springen alle Verantwortlichen in Weezer-Shirts durch die Gänge. Unglaublich.

Nach dreizehn Songs ist auch die letzte Bombe entschärft. Ich nehme die Kopfhörer ab und frage mich: Was brauche ICH jetzt? Ich entscheide mich für ein Bier und eine Handvoll Konfetti. Und ich drücke noch mal auf Repeat.

Trackliste

  1. 1. Geschichten Vom Boden
  2. 2. Keiner Kommt Hier Lebend Raus
  3. 3. Rauschen
  4. 4. Asche Sammeln
  5. 5. Alle Zeit Der Welt
  6. 6. Whatever Forever
  7. 7. Das Dorf War L.A.
  8. 8. Eine Letzte Letzte Runde
  9. 9. Gegenwindsurfen
  10. 10. Apollo Creed
  11. 11. Der Trick Mit Dem Fliegen
  12. 12. Das Alles Brauch Ich Jetzt
  13. 13. Heute Pläne, Morgen Konfetti

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LAUT.DE-PORTRÄT Donots

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8 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    Ziemlich geiles Deutschrock-Brett mit guten Texten. Bin gespannt, ob die Halbwertszeit mit (sic) von den Broilers mithalten kann.

  • Vor 4 Monaten

    Damals belanglos, als sie noch versucht haben alle Epitaph/Fat Wreck Bands nachzumachen (udn effektiv zu verpoppen). Heute belanglos, wo sie in viele Richtungen gehen, aber nirgends so richtig ankommen, außer im Formatrockradio. Hart überschätzte Band, ähnlich wie die noch abgrundtief beschisseneren Broilers.
    In Sachen Deutschpunk haben Bands wie Turbostaat, Pascow und Captain Planet deutlich mehr zu bieten.

    • Vor 4 Monaten

      sehe ich ähnlich. Die Donots sind nicht kacke, aber relativ egal. heute eher noch mehr als vor ein paar Jahren, deshalb klar auf dem absteigenden Ast

    • Vor 4 Monaten

      Klar haben Bands wie Tubostaat oder Pascow noch mal deutlich mehr Tiefgang, den Ansatz haben die Donots aber gar nicht. Gerade mit ihren deutschen Sachen wollen sie ein breiteres Publikum erreichen und diesen gerade mit eher poppigen Liedern wie "Rauschen" oder "Dann ohne mich" klare Statements gegen Rechts vorsetzen. Ich denke, dass schwerer verständliche Texte wie die von Turbostaat da hinderlich wären (obwohl die auf den letzten zwei Platten auch konkreter geworden sind), jetzt mal ohne zu bewerten, ob Ingo zu solchen Texten fähig wäre.
      Mir persönlich sind beide Ansätze sehr recht :)