laut.de-Kritik

Lyrisches Dauerfeuer auf minimalistischen Beats.

Review von

DJ Muggs und Planet Asia kehren der Gegenwart mit "Pain Language" den Rücken und begeben sich auf eine musikalische Zeitreise zurück in die Neunziger – im absolut positiven Sinne. Fans von hochgepitchten Vocal-Samples und tief dröhnenden Synthie-Bässen sollten die Finger von dieser Scheibe lassen. Wer mal was erfrischend Untergründiges hören will, kommt dagegen voll auf seine Kosten.

Warum? Das verdeutlicht gleich der Eröffnungstrack "Sleeper Cell". Mit den Worten "The ancient Secret of War" klärt eine uralte Stimme den Hörer auf, womit er es zu tun hat und erinnert dabei irgendwie an einen alten Shaolin-Mönch. Das liegt vielleicht auch daran, dass man sich mit dem dann einsetzenden Instrumental sofort in die Glanzzeiten des Wu-Tang-Clan zurückversetzt fühlt. Ein Eindruck der sich durch das komplette Album zieht.

Statt digital erzeugten oder bearbeiteten Sounds bedient sich DJ Muggs ausschließlich der guten alten Sample-Kultur. Echte Drums, echte Instrumente und das dazugehörige Plattenknistern erfreuen nostalgische Ohren. Unnötige Spielereien und Überproduktionen werden dabei vermieden. Das schon erwähnte "Sleeper Cell" etwa kommt mit einem simplen Drumset, wenigen Bässen und einer schlichten Trompetenmelodie aus.

Bis auf wenige Ausnahmen ist die gesamte Platte nach dieser Art aufgebaut. Wenige Instrumente und, sich stetig wiederholende, kurze Loops. Ein Minimalismus, dessen Beschreibung möglicherweise Langweile vermuten lässt, der aber ganz bewusst den Focus des Hörers auf den MC legt. Wer Planet Asia kennt, wird wissen, dass diese Produktionsweise absolut berechtigt ist. Bei dem schnellen Flow und dem kontinuierlich hohen Reimniveau fragt man sich teilweise, ob der Mann überhaupt mal Luft holt.

Musikalisch hält "Pain Language" dieses hohe Niveau leider nicht immer. Die Harmonie der extravaganten Styles von Produzent und Rapper, die man auf der Auskopplung "9mm" hört, lässt die folgende, etwas unbeholfen vor sich hintrompetende, Battlehymne "Thats What it is" ziemlich blass erscheinen. "Lions In The Forest" tröstet einen jedoch mit einem ähnlichen, allerdings wesentlich dynamischer produzierten Instrumental über diesen Fehlgriff hinweg – vorausgesetzt man übersteht das öde "Black Mask Men" ohne einzuschlafen

Denn hier, wie auch auf "Black Angels" und "Hashashins", wandelt sich der gerade noch positiv erscheinende Minimalismus dann doch noch in pure Langeweile. Weniger ist eben nicht immer mehr. "Shadows Of Hell" und "Triple Threat", auf dem GZA gastiert, sorgen jedoch für einen würdigen Abschluss und dafür, dass der gute Gesamteindruck des Albums nicht zu sehr unter den wenigen Längen leidet.

Trackliste

  1. 1. Sleeper Cell
  2. 2. Pain Language
  3. 3. Smoke
  4. 4. 9mm
  5. 5. That's What It Is
  6. 6. Black Mask Men
  7. 7. Lions In The Forest
  8. 8. Death Frees Every Soul (feat. Sick Jacken)
  9. 9. All Hail The King
  10. 10. Black Angels (feat. Killah Priest, Cynic And Scratch From The Roots)
  11. 11. Drama
  12. 12. Language
  13. 13. Deadly Blades (feat. Prodigal Sunn And Tri State)
  14. 14. Hashashins (feat. Turban And Chace Infinite)
  15. 15. Shadows Of Hell
  16. 16. Triple 6 Threat (feat. GZA And Chace Infinite)

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