laut.de-Kritik

Eher ein Feuer- statt ein Meisterwerk.

Review von

Im Herbst 2010 nahm Damon Albarn das vierte Album seiner Comicband Gorillaz auf Konzertreise auf. Zehn Jahre später wiederholen Die Orsons dieses Kunststück auf ihrer "Orsons Island"-Tour. Anders als der Blur-Frontmann, der für die Aufnahmen lediglich ein iPad genutzt hatte, richtete sich das Quartett ein portables Studio in der Lounge über dem Busfahrer ein. Herausgekommen ist das so sperrig wie nachvollziehbar betitelte Album "Tourlife4Life".

So dient der Tour-Alltag als grober Rahmen für die Platte. Ein Konzeptalbum ergeben die 14 Lieder trotzdem nicht. Dafür verlassen die Orsons den Tourbus zu häufig, um ihre vom Alltag und von Weltschmerz geplagten Gedanken abzustreifen. Doch das gemeinsame Reisen schweißt zusammen und, was noch viel wichtiger ist, bietet Perspektive: "Denn es gibt nix, was die Straße nicht heilt."

Den Hochglanz-Anstrich des kein Jahr alten Vorgängers besitzt "Tourlife4Life" nicht. Die Platte versprüht einen lockeren Mixtape-Charakter. Wer das in mehrere Akte eingeteilte Konzept von "Orsons Island" zu anstrengend fand, wird diesen Ansatz an "Tourlife4Life" mögen. Alberne Zeilen und Insider-Gags mogeln sich immer wieder zwischen ernste Ansagen. Selbst in einem Abgehstück wie "Energie" richten die Orsons einen Mittelfinger an die Nazis.

"Ein falscher Sample-Flip und schon sind wir eine Partyband", nimmt Maeckes in "Leb Schnell" den Kritikerinnen und Kritikern den Wind aus den Segeln. Die Orsons sind weder das eine noch das andere. "Tourlife4Life" legt zwar mehr Wert auf Four-to-the-floor, vernachlässigt zugunsten der Abwechslung aber nicht die ruhigen Töne. "Show Muss Weitergehen" beklatscht unter Klaviereinsatz in Moll den traurigen Clown. "Lovelocks" gerät zu einer nüchternen Bestandsaufnahme von Liebesbeziehungen.

Sei es der Kindergesang in "Egal, Weisch", KAAS' G-Funk-Part in "Oioioiropa" oder der bedrohliche Distortion-Effekt in "Staub": Details und Ideen finden sich in jedem Song. Club-Hits wie "Schüttel Dein Skelett" klingen trotzdem nach alter Schule. Oder nach einer Zeit, in der Maeckes, Tua, KAAS und Bartek noch in der Stuttgarter Innenstadt auf Neptunes-Beats tanzten.

Kein Song lässt sich einem Orson direkt zuordnen. Dafür gibt es innerhalb der Stücke einzelne Passagen, die den Charakter des jeweiligen Viertels atmen. Dadurch festigen die Musiker, was sie auf "Orsons Island" begannen: Die Platte wirkt deutlich kohärenter als frühere Projekte, die eher nach Kompilation als Crew-Album klangen. Das Tourleben, so scheint es, bekommt den Orsons. Als eine stärkere Einheit traten sie noch nie auf. Musikalisch ist "Tourlife4Life" zwar ein Feuer- statt ein Meisterwerk. Für die Bühne reicht das aber allemal.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Energie
  3. 3. Leb Schnell
  4. 4. Mitternachtssnack
  5. 5. Lovelocks
  6. 6. Große Freiheit
  7. 7. Staub
  8. 8. Schuhwurf3000
  9. 9. Freier Fall
  10. 10. Oioioiropa
  11. 11. Show Muss Weitergehen
  12. 12. Egal, Weisch
  13. 13. Schüttel Dein Skelett
  14. 14. Straßenheiligkeiten

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