laut.de-Kritik

Das echteste Sample der Welt.

Review von

Bob Dylan, der alte Besserwisser, behauptet, dass es seit über zwanzig Jahren keine anständige Platte mehr gegeben habe. Alles sei überproduziert und grauenhaft. Doch Timbaland hin und Black Eyed Peas her. Zufall ist es nicht, dass mit Danger Mouse einer der angesagtesten Produzenten ein Album vorlegt, das so klingt als wäre es mindestens vierzig Jahre alt.

Während Brian Burton auf seinem Mash-Up-Debüt "The Grey Album" noch die Beatles mit Raps von Jay-Z bombardierte, baut er der Vergangenheit auf "Rome" einen regelrechten Altar. Zusammen mit dem italienischen Hollywood-Komponisten Daniele Luppi, mit dem er schon auf zwei Alben zusammenarbeitete, hat der Grammy-Gewinner eine kompromisslose Hommage an den Italowestern der 70er Jahre aufgenommen. Statt Samples spielen hier Musiker der alten Filmklassiker in genau dem Tonstudio, das Ennio Morricone benutzte, mit genau den Instrumenten, Mikrophonen und Verstärkern von damals, live auf Band. Das vielleicht echteste Sample der Welt.

Gewachsen über die Jahre seit Burtons Karrierestart 2004 überschreitet "Rome" nicht nur Grenzen der Pop-Produktion sondern Musikgrenzen ins Filmische. Gleich das Albumcover sieht aus wie ein altes Filmplakat: Oben die Macher, unten die Stars Jack White und Norah Jones, und dazwischen ein schwarzes, schmelzendes Herz als Kunst-Kino-Symbol. Die Musik selbst wechselt zwischen stimmungsvollen Instrumentals und Songs, die als Filmszenen von Schießduellen und unheilvollen Orten erzählen. David Lynch scheint nach dem "Dark Night of The Soul"-Projekt seine Spuren hinterlassen zu haben.

Der Effekt ist enorm: Wenn "Rome" anfängt, klingt es als lägen ein oder zwei DVDs im CD-Player. Im leichten Rauschen erklingen Trommeln, dann ein Gitarrenakkord, noch einer, bis tatsächlich die ungezügelte Stimme von Edda Dell'Orso einsetzt, die in den Morricone-Klassikern "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Zwei glorreiche Halunken" zu hören war. Großartig - nur gibt es das alles doch schon.

Nach dem übermäßig ehrerbietigen Vorspiel rückt Danger Mouse zum Glück vom strengen Sampling ohne Sampling ab. Vielmehr geht es darum, aktuelle Musik mit der Kraft des Alten zu erneuern. "The Rose With The Broken Neck" meistert das Kunststück, Jack White über einen melancholisch dichten Kehrreim in den Lonesome Cowboy zu verwandeln, der er immer schon war. Noch besser gelingt das im trockenen, aber unverschämt knackigen Western-Mantra "Two Against One". Selbst gegen zwei ist Jack White in der Überzahl.

Danger Mouse erweist sich als großer Regisseur. Mehr noch bei der weiblichen Hauptrolle Norah Jones, die er regelrecht neu erfindet. Zwar verfehlt "Season's Trees" nicht zuletzt mit der soulig-hellen Klangfarbe der New Yorker Sängerin noch leicht das Thema, doch als Jones' Stimme auf "Black" in ihrer Zartheit gleichzeitig gefährlich wird und Nancy Sinatras dunklen "Summer Wine"-Zauber annimmt, gelingt dem Album sein größter Hit.

Zugegeben, gegenüber den markanten Star-Auftritten, erweckt "Rome" manchmal den Eindruck, es nehme sich zu viele Verschnaufpausen. Trotzdem klingen die "Interludes" und Instrumentals nach mehrmaligem Hören immer weniger als Abschweifungen sondern als Verbindungen, die der Musik den Raum zur Entfaltung geben.

Hier entstehen Akzente, die heute selten sind. Mit verzerrten Licks und majestätischen Streichern, einem gewaltigen Chor und Dell‘Orsos Stimme werden auf dem kaum mehr als halbstündigen Album nicht nur die Melodien des Albums wie im Wirbelwind hin und hergetragen. Gleichzeitig kehren Klangmomente früherer Danger Mouse-Produktionen wie Sparklehorses "Dark Night of the Soul" oder Becks "Modern Guilt" zurück. Selbst die Atmosphäre der Tonaufnahme wird hörbar. Hoffentlich bekommt Bob Dylan eine Kopie.

Trackliste

  1. 1. Theme Of ''Rome''
  2. 2. The Rose With A Broken Neck (Feat. Jack White)
  3. 3. Morning Fog
  4. 4. Season's Trees (Feat. Norah Jones)
  5. 5. Her Hollow Ways
  6. 6. Roman Blue
  7. 7. Two Against One (Feat. Jack White)
  8. 8. The Gambling Priest
  9. 9. The World
  10. 10. Black (Feat. Norah Jones)
  11. 11. The Matador Has Fallen
  12. 12. Morning Fog
  13. 13. Problem Queen (Feat. Norah Jones)
  14. 14. Her Hollow Ways
  15. 15. The World (Feat. Jack White)

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