laut.de-Kritik

Schönes Comeback mit tief sitzender Melancholie.

Review von

"First Album In 8 Years" prangt auf einem kleinen Sticker, der das Cover ziert und ja, da war doch was. Ich krame im Plattenschrank und befördere "Bloodletting" zu Tage. 1990 war die aktuell und bescherte Concrete Blonde mit "Joey" so etwas ähnliches wie einen Hit. Zumindest läuft der ab und an im wilden Süden und da die Radiomacher dort ja die Institution in Sachen "Mehr Hits, mehr Kicks"-Mumpf sind, lass ich das mal so stehen. Nicht jede Band kann etwas dafür, auf Sendern dieser Art Airplay zu bekommen, und so wasche ich die neue CD in Unschuld.

Das Cover ziert unter dem programmatischen Titel "Group Therapy" ein Stuhl mit Lederriemen, um die zu Therapierenden ordentlich zu fixieren. Ein klein wenig Übertreibung muss anscheinend sein, denn wie zu hören war, mussten sich die drei Gründungsmitglieder nicht mit Therapie-Unterstützern der brachialen Art auseinander setzen.

So entpuppt sich nach ausgiebigen Wasch- und Trockner-Programmen das Comeback als eines der schönen einer. Die tief sitzende Melancholie haben sie sich nach den Jahren genauso konserviert wie Johnette Napolitano ihr verrauchtes Organ, dass sie so wunderbar in Szene setzt. Erst dadurch erhalten die Songs das gewisse Etwas. Texlich setzt sich Johnette unter anderem mit dem Älterwerden auseinander. Mit der Distanz der Jahre erscheint manches nicht mehr so, wie es einst war. Aber ob die Gute sich da nicht selbst in die Tasche lügt? Zumindest erscheinen die angehäuften "Je ne regrets rien"-Sätze doch etwas pathetisch.

Egal, was man über die Lyrics denkt, die Mucke hat es in sich. So gehören die ersten sechs Lieder von "Roxy" bis "Valentine" schon jetzt zu den Klassikern aus dem Concrete Blonde-Repertoire. Mit "True, Part III" haben sie zudem einen über siebenminütigen Monstertrack auf den Silberling gebannt, der Atmosphäre, Sehnsucht, Herzschmerz und Tränenkullerfaktor galore bietet, ganz großartig das! Wenn Johnette ihre persönliche Vorliebe für Latino-Klänge außen vor gelassen hätte, wäre diese Angelegenheit ganz dicht an die Höchstwertung rangekommen, aber "Your Llorena" ist dann doch zu belanglos und klischeebehaftet, dass man automatisch die Ohren zusperrt.

"Welcome Back Concrete Blonde!", möchte man da ausrufen, "schön, dass ihr wieder da seid." Kaufen!

Trackliste

  1. 1. Roxy
  2. 2. Violent
  3. 3. When I Was A Fool
  4. 4. True, Part III
  5. 5. Tonight
  6. 6. Valentine
  7. 7. Your Llorona
  8. 8. Take Me Home
  9. 9. Inside/Outside
  10. 10. Fried
  11. 11. Angel
  12. 12. Memory

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