laut.de-Kritik

Ein Schnelldurchlauf quer durch die Soundgeschichte.

Review von

Neben der ganzen Brexit-Scheiße gibt es in England doch auch einige Glücksmomente. Ja, auch Little Archie begrüßen wir, aber noch glücklicher machte uns neulich der FC Liverpool, der mal eben Barcelona aus der Champions League kickte und im Finale auf die Tottenham Hotspurs trifft. Zwei kleine Wunder, mit denen keiner mehr gerechnet hat.

Nach sechs Jahren Sendepause dachte man auch nicht unbedingt an ein neues Clinic-Album. Doch die groovy Sound-Ärzte sind mit "Wheeltappers And Shunters" zurück. Ihrem Post-Punk und klinischen Outfit sind die Liverpooler treu geblieben. Davon durfte man sich bereits 2017 bei einem Konzert in Berlin überzeugen. Auch die neue Platte stimmt sich fröhlich ein.

Vertraute 60er-Melodien, Retro-Rock und Lachgas-Alarm, der dem Opener "Laughing Cavalier" ein sarkastisches Gelächter entlockt. Spätestens wenn die Melodica zum Einsatz kommt ("Complex") fühlt man sich wieder ganz und gar wohl bei den Männern in den grünen Kitteln. Aber was wollen sie uns mit diesem Albumtitel eigentlich sagen? The Wheeltappers and Shunters Social Club war eine englische Unterhaltungsshow aus den 1970ern. Hier wurde ein verrauchter und versoffener nordenglischer Männerclub nachgestellt, in dem diverse Ulknudeln vorwiegend schlechte Witze erzählten. Clinic fühlen sich bei manchen Songs an diese Trash-Sendung erinnert. Sind das nur Schenkelklopfer oder ist das doch schon politisches Kabarett? Auf jeden Fall soll das neue Album ein schwungvoller Lichtblick in diesen düsteren und konservativen Zeiten sein. Zwölf Songs, aber kaum einer länger als drei Minuten. Ein Schnelldurchlauf quer durch die Sound-Geschichte.

Gerade England braucht eine musikalische Abwechslung und da sind Clinic und ihre bizarren Valium-Melodien ("Be Yourself/Year Of The Sadist") genau richtig und beruhigen die Gemüter. Eine niemals anstrengende Geräuschkulisse, sondern jede Menge Beats, schräger Orgelsound und den unverkennbaren Gesang von Chefarzt Ade Blackburn ("Rubber Bullets") prägen das Bild.

Ein Pop-Trip der sich magisch durch die Hirnwindungen schlängelt ("Ferryboat Of The Mind"). Der wabernde Sound und die psychedelische Anmutung verbinden sich mit der Stimme und den zuckenden Rhythmen ("Mirage"). Ein bisschen Punk mit Zeilen, wie "Wednesday was a shit day. Every day is a shit day" dürfen auch nicht fehlen: "D.I.S.C.I.P.L.E." erinnert an den Song B.L.U.R.E.M.I. von Blur. Zum Glück verzichtet Blackburn aber auf diesen dämlichen Donald Duck-Stimmeffekt.

Internal Wrangler war 2000 das Hit-Album, aber auch knapp 20 Jahre später haben Clinic mit "Wheeltappers And Shunters" ihren nostalgischen Glamour nicht verloren. Für immer Clinic. Liverpool, hurray. Never Give Up!

Trackliste

  1. 1. Laughing Cavalier
  2. 2. Complex
  3. 3. Rubber Bullets
  4. 4. Tiger
  5. 5. Ferryboat Of The Mind
  6. 6. Mirage
  7. 7. D.I.S.C.I.P.L.E.
  8. 8. Flying Fish
  9. 9. Be Yourself / Year Of The Sadist
  10. 10. Congratulations
  11. 11. Rejoice!
  12. 12. New Equations (At The Copacabana)

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