laut.de-Kritik

Ein musikalisches Generalverbrechen mit 500 Millionen YouTube-Views.

Review von

Die Geschwindigkeit im Pop hat 2018 noch mal an Fahrt zugenommen. Künstler tauchen immer schneller auf und verschwinden scheinbar im selben Augenblick wieder aus der breiten öffentlichen Wahrnehmung. Clean Bandit widersetzen sich diesem Trend auf unkonventionelle Art und Weise. Seit Jahren lässt das britische Trio die eigenen Songs von Gastsängern interpretieren, dadurch kennt kaum jemand ihre Gesichter, während Songs wie "Rather Be", "Rockabye" oder "Solo" jedem Menschen mit Zivilisationsanschluss geläufig sind.

Damit das so bleibt hat sich das ehemalige Quartett (Neil Armin-Smith ist inzwischen ausgestiegen) vom Konzept "Album" ziemlich weit gelöst. Der Großteil der Songs auf "What Is Love?" wurde über die letzten drei Jahre hinweg als eigenständige Singles ausgekoppelt. Dadurch bleibt die Spotify-Relevanz hoch und die Nachfrage beständig gesättigt. Der Löwenanteil von "What Is Love?" besteht aus hochfunktionalen Popnummern ohne Widerhaken, die zielgerichtet auf ihren Refrain zuarbeiten. Keine Umwege, die nächste Ekstase ist nur eine Strophe weit weg.

Dieses simple Prinzip lässt sich schon hervorragend am Opener "Symphony" (mit Zara Larsson) beobachten. Das Grundmotiv wird gleich zu Beginn etabliert, ein Drumcomputer kommt dazu, vielleicht noch eine Geige (gewissermaßen das Trademark der Produzenten) und kurz vor dem Refrain setzt alles ganz kurz aus. Ergo: Die Spannung steigt und wenn der Refrain dann kommt, gehen alle ab. Die Eskalationsstufe steigt dabei beständig mit der Zahl der Refrains.

Manche Songs wie "Solo" (mit Demi Lovato), "Baby" (mit Marina And The Diamonds & Luis Fonsi) oder "We Were Just Kids" (mit Craig David & Kirsten Joy) mischen dieser Struktur simple Latin-Pop- oder Reggaeton-Einflüsse (sprich Billo-Akustikgitarren) bei, weichen ansonsten aber nicht von Schema X ab.

Vor allem das erwähnte "Solo" ist ein Schlag ins Gesicht des guten Geschmacks. Schon die Macker-Latin-Pop-Gitarre zu Beginn samt hochgepitchter Stimme sollte Warnung genug sein. Doch zur Gitarre gesellt sich noch ein stumpfer Bumsbeat. Im Refrain folgt ein Drop der widerlichsten Sorte, die eh schon anstrengende Stimme Lovatos dreht sich durch den Effektwolf und dazu ertönt - die elektronisch verfremdete Geige. Ein musikalisches Generalverbrechen mit 500 Millionen Views auf YouTube.

Wobei ich ja dachte, dass der Erfolg von Clean Bandit-Songs vor allem auf der Prominenz der Gastinterpreten beruht. Doch das scheint gar nicht zu stimmen. Denn Songs wie "Should've Known Better" mit Anne-Marie krebsen trotz der Schwedin bei rund einer Million Spotify-Views herum, während "I Miss You (feat. Julia Michaels)" 350 Millionen Views auffährt. Ebenso mysteriös erscheint mir die Entscheidung, das Charli XCX und Bhad Bhabie-Feature "Playboy Style" auf der Deluxe Version zu verstecken. Die Hip Hop-infizierte Nummer schleppt ebenso schwer am Latin Pop der Standard-Version, fügt dem Output von Clean Bandit aber eine recht interessante Facette hinzu.

Über den Sound von Clean Bandit lässt sich kaum Positives berichten. Die Songs sind ganz schön erfolgreich und wurden auch genau darauf ausgelegt. Allerdings schaffen sie es auf seltsame Art und Weise, sogar aus dem Mainstream-Pop-Einerlei noch unangenehm aufzufallen.

Trackliste

  1. 1. Symphony (feat. Zara Larsson)
  2. 2. Baby (Feat. Marina And The Diamonds & Luis Fonsi)
  3. 3. Solo (Feat. Demi Lovato)
  4. 4. Rockabye (Feat. Sean Paul & Anne-Marie)
  5. 5. Mama (Feat. Ellie Goulding)
  6. 6. Should've Known Better (Feat. Anne-Marie)
  7. 7. Out At Night (Feat. Kyle & Big Boi)
  8. 8. Last Goodbye (Feat. Tove Stqrke & Shefflon Don)
  9. 9. We Were Just Kids (Feat. Craig David & Kirsten Joy)
  10. 10. Nowhere (Feat. Rita Ora & Kyle)
  11. 11. I Miss You (Feat. Julia Michaels)
  12. 12. In Us I Believe (Feat. Alma)
  13. 13. 24 Hours (Feat. Yasmin Green)

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