laut.de-Kritik

Hier geht es um große Gefühle, nicht um Sound-Experimente.

Review von

Im Noch-Stoiber-Land ist die junge Sängerin und Gitarristin mit den bayerischen Mundarttexten keine Unbekannte. Dem Sender Bayern 3 dankt sie im Booklet ausdrücklich. Und selbst die Süddeutsche Zeitung widmete ihr einen Artikel. Vielleicht weil Claudia Koreck ihr Wiesn-Engagement anno 2006 ("Zwölf Stunden in einem verrauchten Bierzelt singen und die betrunkenen Gäste animieren") als die härteste Erfahrung der bisherigen Karriere betrachtet?

Oder weil sie, mit einer tollen Stimme gesegnet und auf demselben Label wie ihr Vorbild Hubert von Goisern zuhause, eine allzu wahre Meinung zu Veranstaltungen wie DSDS parat hat? "Wer ernsthaft Musik machen will und was zu erzählen hat, hat in solchen Castingshows nichts zu suchen." Oder einfach nur, weil Claudia Korecks Musik dieses Statement auch einlöst.

"Handgemachter Pop" nennt sie es und lässt ihrem Herzen für Pop, Rock, Folk und Blues (Eva Cassidy, Tracy Chapman oder Norah Jones gehören zu ihren musikalischen Fixpunkten) so freien Lauf, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Denn bei hochdeutschen oder gar englischen Texten wäre die Authentizität auf der Strecke geblieben. Gefühle lassen sich im Heimatdialekt eben am direktesten ausdrücken.

Inhaltlich gibt sich die Wahl-Münchnerin nachdenklich ("Unverwundet", "Fliang"), besticht aber mit Herzensbrecher-Qualitäten ("Daschn") und natürlichem Sex-Appeal ("I Mog De Dog", "Schuah Aus"). "Wenn des Liebe is, wo is dann dei Gfui für mi?", fragt sie in "Wenn Des Alles Is". Die 21-Jährige legt den Finger lieber in die Wunde, als sich oberflächlichen Animationen hinzugeben (vergleiche DSDS).

Genau deshalb kommt sie bei sanften leiseren Stücken wie "Herbstwind" besser zur Geltung als beim Rock von "I Wui Weg" oder dem flotten Funkrock "Schrei". Auch wenn eine waschechte Liveband nun mal fetzige Songs im Programm braucht. Musikalisch läuft alles profimäßig ab: lehrbuchmäßige Arrangements, persönliche Texte und vorzügliche Studioarbeit.

Apropos professionell: Regelmäßig ertappt man sich beim Versuch, einzelne Song-Passagen oder Akkord-Folgen musikalischen Vorbildern zuzuordnen. Bei "Vergangenheit" könnte etwa Dylans "It's All Over Now, Baby Blue" Pate gestanden haben. Aber vielleicht wenden Koreck und Band einfach nur die massentauglichen Standards der Unterhaltungsmusik an.

Geschenkt. Schließlich geht es um große Gefühle ("I bin so gern verliebt, weil es nix schenares ned gibt") und nicht um Sound-Experimente. "Fliang" - ein Platte für Menschen, die sich gerne mal zurückziehen, um die große unkontrollierbare Welt da draußen vorübergehend auszublenden. Mit dem ersten Album soll sich Erfolg auch außerhalb Bayerns einstellen. Das Zeug dazu hat sie, ziemlich sexy und ehrlich klingts noch dazu.

Trackliste

  1. 1. Fliang
  2. 2. Schrei
  3. 3. Herbstwind
  4. 4. I Wui Weg
  5. 5. Unverwundet
  6. 6. Schuah Aus
  7. 7. I mog de Dog
  8. 8. Es Liegt Nur An Dir
  9. 9. Wenn Des Alles Is
  10. 10. Vergangenheit
  11. 11. Daschn
  12. 12. Chocolat

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