laut.de-Kritik

Die Kannibalen finden neue Freunde - unter Kieferorthopäden.

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Ja verdammte Axt: wird der 12-Jährige, der die Cannibal Corpse-Cover malt, nicht auch irgendwann mal erwachsen oder zumindest besser mit seinen Wachsmalstiften? Irgendwann ist der Witz doch mal rum und man könnte sich auch im Hause der Kannibalen einen anständigen Zeichner vom Format eines Dan Seagraves zugelegen.

Ok, ich weiß. Wenn wir damit anfangen, können wir auch gleich zu den selten dämlichen Texten und zur nach wie vor ungebremsten Urgewalt kommen, mit der die Jungs aus Buffalo über einen herein brechen. Es ist somit wohl auch nicht verwunderlich, dass sich die Überraschungen auf "Torture" in engen Grenzen halten. Experimente finden sich auf der Scheibe genauso wenig wie nennenswerte Melodien. Aber wenn eins von beidem sucht, holt man sich auch keine Cannibal Corpse-Scheibe.

Wer aber Nachschlag an brutalen, Riffs und technisch anspruchsvollem Material sucht, der wird nicht enttäuscht. Einmal mehr bieten die Herren Barrett und O'Brien eine ganze Schlachtplatte an Fingerübungen, an denen sich manch Nachwuchs-Schredderer die Zähne ausbeißen wird. Auf die Bremse treten sie dabei eher selten, das groovende "Scourge Of Iron" bleibt in dem Bereich auch die Ausnahme. Was die Soloarbeit angeht, gewinnen die Jungs aber nach wie vor keinen Blumentopf.

Tieftöner Alex Webster hasse ich als Bassist ja schon aus Prinzip, aber was der Kerl in "The Strangulation Chair" mal wieder vom Stapel lässt, ist wirklich verabscheuenswürdig. Muss man andere Musiker wirklich dermaßen demotivieren? Freunde macht man sich damit höchstens bei Kieferorthopäden, die die runtergeschlagenen Kinnladen wieder einrenken und richten müssen.

Dass die Instrumentierung so differenziert und dennoch brutal klingt, ist Hate Eternal-Boss Erik Rutan zu verdanken, der die Produktion übernommen hat. Wie kaum anders zu erwarten, muss man sich auch mit den entsprechend klinisch klingenden Drums anfreunden, aber da gibt es Schlimmeres. Paul Mazurkiewicz hält sich eh meist an ein eher songdienliches Spiel und kümmert sich eher wenig um irgendwelche Fills oder andere Sperenzchen.

Der gute Corpsegrinder hustet auf gewohnte Art und Weise in Mikro, ohne dabei bemerkenswerte Akzente zu setzen. Das überlässt er eben der Saitenfraktion, die mit "Crucifier Avenged" und "Torn Through" gegen Ende noch mal zwei kleine Highlights versteckt hat. Zusätzlich gibt es noch drei Live-Bonustracks und fertig ist die Sache. Man mag ja durchaus von Stagnation sprechen, aber wenn - dann auf verdammt hohem Niveau!

Trackliste

  1. 1. Demented Aggression
  2. 2. Sarcophagic Frenzy
  3. 3. Scourge of Iron
  4. 4. Encased in Concrete
  5. 5. As Deep As The Knife Will Go
  6. 6. Intestinal Crank
  7. 7. Followed Home Then Killed
  8. 8. The Strangulation Chair
  9. 9. Caged ... Contorted
  10. 10. Crucifier Avenged
  11. 11. Rabid
  12. 12. Torn Through
  13. 13. Death Walking Terror (Bonus Live Track)
  14. 14. Make Them Suffer (Bonus Live Track)
  15. 15. Disfigured (Bonus Live Track)

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13 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    "Stagnation auf hohem Niveau"...klar Eddie. :rolleyes: Ich kenne lausige Dorfkapellen, die spannendere Songs schreiben.

  • Vor 6 Jahren

    "Tieftöner Alex Webster hasse ich als Bassist ja schon aus Prinzip, aber was der Kerl in "The Strangulation Chair" mal wieder vom Stapel lässt, ist wirklich verabscheuenswürdig. Muss man andere Musiker wirklich dermaßen demotivieren? Freunde macht man sich damit höchstens bei Kieferorthopäden, die die runtergeschlagenen Kinnladen wieder einrenken und richten müssen."

    ist das jetzt gut oder schlecht?

  • Vor 6 Jahren

    Ich denke... es ist gut. Wobei sich ja Bassisten leicht beeindrucken lassen, wenn man einfach auf einem richtigen Intrument spielt muahahahaha