laut.de-Kritik

Aufgewärmtes schmeckt nur halb so gut.

Review von

Aus dem Land der Tausend Seen schwappt uns mit Brymirs Debütalbum "Breathe Fire To The Sun" der nächste Melodic Metal Export entgegen und zielt dabei genau auf dieselbe Zielgruppe ab, die schon bei Ensiferum, Wintersun oder Crimfall ein Kribbeln in der Leistengegend verspürte. Dabei umweht Brymir bereits beim ersten Hinsehen die Aura des Kommerziellen. Gefunden haben sich die sechs Finnen nämlich schon vor fünf Jahren bei einer Bandcompetition. Nach einigen Juxauftritten machten sie die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen.

Für das Debüt haben sich Brymir viel Zeit gelassen. Die fünfjährige Erfahrung merkt man dem monumentalen Werk Gott sei Dank an, denn die Kompositionen wabern erhaben und majestätisch aus den Speakern. Schon das "Intro" kleistern Brymir mit derart viel Epik voll, dass sich die "Fluch Der Karibik" und "Terminator"-Verantwortlichen gleichsam um den Score reißen würden. Während die Kollegen von Crimfall auf Trällerelsen-Gezirpe setzen, ist bei Brymir der kräftige Bartträger Viktor Gullichsen am Mikro zuständig. Dessen Stimmlage wildert zumeist in opulenten Turisas-Gefilden, kann aber notfalls auch eine Oktave tiefer rücken.

Zum Soundverständnis seiner Mitstreiter passt das ganz gut, denn im Hintergrund geben sich die hochproduzierten Gitarren und der Keyboard-Kitsch die Klinke in die Hand. Das klingt entweder brutal süßlich ("Unconquerable"), stark nach Wintersun ("Burning Within") aber auch mal heroisch-treibend ("Cycle Of Flame"). Brymirs Problem ist die fehlende Eigenständigkeit. Die zuvor genannten Genre-Größen findet man in faktisch jedem einzelnen Song und jeder einzelnen Note. Trotz der makellosen Produktion und der starken technischen Fertigkeiten der Musiker, wurden die Tracks lieblos durch den Fleischwolf gedreht und innovationslos rausgezogen.

Die Gesangsspuren verstärken sie mit Backgroundvocals, doppelläufige Riff-Aneinanderreihungen und partiell eingesetzten Soloeinlagen – hat man alles schon gehört, war alles schon mal da. Dabei hätten Brymir sogar die sprichwörtlichen Eier, aus dem ganzen Melodic-Einerlei mit lyrischer Pagan-Attitüde ein Freudenfest zu veranstalten. Markant hervor tritt das beim abschließenden acht Minuten schweren und mit zahlreichen Tempiwechsel ausgestatteten Titeltrack und dem großartigen "In Silence", das mit einem unter die Haut gehenden Schlachten-Intro überrascht.

Resümierend lauscht man auf "Breathe Fire To The Sun" einer leicht berechenbaren Finnland-Combo, die im Katalog von Spinefarm Records genauso gut aufgehoben ist wie Sebastian Vettel auf dem obersten Siegertreppchen der Formel 1. Guter Sound, solide Kompositionen und bemühtes Songwriting – nicht weniger, aber leider auch nicht mehr …

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Unconquerable
  3. 3. In Silence
  4. 4. A Free Man's Path
  5. 5. Burning Within
  6. 6. Withering Past
  7. 7. Cycle Of Flame
  8. 8. Ragnarök
  9. 9. Retribution
  10. 10. Breathe Fire To The Sun

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