laut.de-Kritik

Der bizarre musikalische Suizid einer Band.

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Die Black Eyed Peas haben vor zwei Jahren gezeigt, dass sie doch noch gute Musik produzieren können, dass sie zurück auf den Pfad der Tugend gefunden haben. Fans machten dies an der Demission von Fergie fest, die sie neben Will.I.Ams Größenwahn für die musikalische Talfahrt verantwortlich machten. Wer nun dachte, es folge eine Fortsetzung von "Masters Of The Sun Vol. 1", täuscht sich gewaltig. "Translation" ist "The E.N.D." und "The Beginning" von 2020.

Damals versuchte die Crew verzweifelt, auf den populären Elektro-Zug zu springen, heutzutage auf den des Reggaeton. Blöd nur, wenn der Zug den Bahnhof in beiden Fällen schon längst verlassen hat. Da hilft es auch nicht, eine Heerschar südamerikanischer Künstler anzuheuern, die dann auf generischen, blassen Beats ihre spanischen Verse liefern: Maluma, J Balvin, Nicky Jam, Ozuna, El Alfa, Piso 21, Becky G und Shakira. Fehlen eigentlich nur Bad Bunny und Camila Cabello.

Immerhin nutzen die Gäste ihren Heimvorteil und versprühen gute Laune. Die BEP hingegen wirken wie der größtmögliche Fremdkörper, den man sich bei dieser Musik vorstellen kann. Gestelzte Reime, gespielte Coolness, englisch-spanischer Mischmasch, absurde Darbietung und uninspirierte Melodien. wohin das Ohr auch hört. Es ist eine absolute Frechheit, was die drei Jungs hier darbieten.

Das fängt schon bei den völlig deplatzierten Samples und Querverweisen an: Bei "Ritmo" ist ironischerweise "The Rhythm Of The Night" von Corona zu hören. Das daran anschließende "Feel The Beat" verwurstet "Can You Feel The Beat" von Lisa Lisa & Cult Jam. "Vida Loca" nimmt überraschenderweise nicht Ricky Martin, sondern "U Can't Touch This" von MC Hammer als Grundlage. "Celebrate" verunstaltet Gloria Estefans "Conga" auf ganz üble Weise, und "Mabuti" zitiert "Sweet Dreams" von La Bouche. Das klingt alles wahl- und lieblos zusammengestückelt und zweckentfremdet.

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Die BEP haben schon auf dem Vorgänger klammheimlich Fergie mit J. Rey Soul ersetzt, einer philippinischen Sängerin, die zwar über eine gute Stimme verfügt, diese aber lediglich in "Tonta Love" (dumme Liebe) gewinnbringend einsetzt.

Man kommt zudem nicht daran vorbei, einige lyrische Fauxpas herauszustellen, die den Grad an Tiefe demonstrieren: "That's how we do it, we buildin' like LEGOs / Feel on the fire, you dealin' with fuego." "You got the best ass in the world / dame, dame dulce, dame caramel." "IG only, don't give the number / On her DM, I send cucumber / I stay on top and she stay down under." Insbesondere Will.I.Am sollte nicht mehr auf Spanisch rappen, das ist noch unauthentischer als bei Drake. Im Grunde geht es auf "Translation" lediglich um hübsche Chicas, Partys und das ausschweifende Leben. Wie sonst könnte man einen Song "Duro Hard", also "Hart Hart" nennen?!

Jedoch gelingt den Black Eyed Peas das Kunststück, dieses Verbrechen noch zu unterbieten und somit bar jeglicher Vernunft sich selbst zu zersetzen. Die letzten vier Songs manifestieren den musikalischen Suizid einer Band auf eine derart bizarre Weise, dass der Hörer nicht mehr weiß, ob das überhaupt noch ernst gemeint ist.

"I Woke Up" und "Get Loose Now" klingen nach einem degenerierten DJ Snake mit Flamenco-Anleihen. Es ist bei weitem das substanzloseste Gestampfe, das es derzeit gibt. Das unerträgliche "Action" beherbergt einen zahnlosen Apl.de.ap, der auf ganz wilden Tiger macht, und Will.I.Am malträtiert mit geistlosen Zeilen: "Brrratatataaa, bratata give me action / Brrratatatataaa, bratata give me satisfaction / come on brr brr."

Einzig "News Today" greift mit der Corona-Krise ein gesellschaftliches Thema auf. Dank einer Akustik-Gitarre und Latino-Sounds entsteht ein in seiner Darstellung groteskes Pamphlet, das hochgradig unglaubwürdig erscheint und eher wie eine Persiflage auf diese schlimme Zeit wirkt. Die Texte könnten von einem Zehnjährigen stammen: "There's an invisible enemy, just knocked down Italy / keep the mask on, cause if you cough, they look at you like you did a felony", oder pseudo-philosophisches Geschwätz, sogar noch unter dem Niveau eines Jaden Smith: "Isn't it ironic / when we can't breathe, the planet breathes."

Was auch immer die Black Eyed Peas mit "Translation" übersetzen wollten, es kam nur Kauderwelsch heraus. Sie begehen die gleichen Fehler wie vor zehn Jahren, getreu dem Motto: "Einmal Trittbrettfahrer, immer Trittbrettfahrer." Wieso sie sich wieder völlig schamlos und infantil dem Zeitgeist anbiedern, bleibt ein Mysterium.

Trackliste

  1. 1. Ritmo (feat. J Balvin)
  2. 2. Feel The Beat (feat. Maluma)
  3. 3. Mamacita (feat. Ozuna & J. Rey Soul)
  4. 4. Girl Like Me (feat. Shakira)
  5. 5. Vida Loca (feat. Nicky Jam & Tyga)
  6. 6. No Mañana (feat. El Alfa)
  7. 7. Tonta Love (feat. J. Rey Soul)
  8. 8. Celebrate
  9. 9. Todo Bueno (feat. Piso 21)
  10. 10. Duro Hard (feat. Becky G)
  11. 11. Mabuti (feat. French Montana)
  12. 12. I Woke Up
  13. 13. Get Loose Now
  14. 14. Action
  15. 15. News Today

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9 Kommentare mit 14 Antworten

  • Vor 15 Tagen

    Finde das Album mega geil. Tolle Beats, macht Spaß. Leider hat der mega Latino Herr Jimeno KEINE Ahnung von Reggaeton

  • Vor 15 Tagen

    Next Level Shit für 13 jährige Jacquelines und Justins! Denen sollte man echt die Beine brechen für den Mist!

    Wie läuft das wenn die sich treffen?
    Willi: Habt ihr 2, sorry wie heisst ihr nochmal? Habt ihr noch Geld übrig?
    2. BEP: Wie du weisst nicht wie wir heissen? Alter wir machen seit 20 Jahren Musik zusammen!
    3. BEP: Ganz ehrlich, ich weiß auch nur dass er da WIll.I.Am heisst... Und Kohle habe ich auch keine mehr.
    Willi: Ja gut, dann machen wir so ein next level shit album, wegen Geld machen und so! Wie heisst ihr denn jetzt?
    BEP 2: Wenn ich ehrlich bin, finde ich mich so langweilig, dass ich meinen eigenen Namen vergessen habe!
    WIlli: Siehste!

    • Vor 15 Tagen

      Aber klingt doch alles logisch und nachvollziehbar. Wieso ihnen dafür die Beine brechen? Mitgefühl wäre eher angesagt.

    • Vor 15 Tagen

      Genau. Die armen Musiker brauchen schließlich auch was im Kühlschrank. Dafür muss man halt manchmal auch seine Ideale und sein letztes Resthirn opfern. Dafür habe ich Verständnis.