16. Februar 2010

"Wir sind Team Edward!"

Interview geführt von

Kaum eine Band, und schon auf einem Soundtrack gemeinsam mit Muse, Thom Yorke und The Killers. Es wird das Jahr von Band Of Skulls. Laut traf Emma, Russell und Matt zum Interview.Montagabend. 20.30 Uhr. Es ist verdammt kalt. Nicht nur draußen, auch im Backstagebereich des Kölner Clubs, der eher einer Abstellkammer als einem Ruheraum gleicht. Direkt hinter der Bühne, nur durch einen Vorhang getrennt: Silberne Wärmebehälter mit kalten Nudeln in einer Ecke, ein großes Durcheinander von Instrumenten und Kabeln in der anderen.

Vorne checkt die Supportband noch ihren Sound, hinten lümmeln Band Of Skulls irgendwie zwischen dem ganzen Chaos. Trotz allem gechillt, mit Bier in der Hand. Die dürre Emma Richardson, im schwarzen Mantel, ungeschminkt und mit einem freundlichen Grinsen. Der langhaarige Russell Marsden, dessen Bart unweigerlich an ZZ Top erinnert und beim Reden beständig mitwippt. Und der Junge mit den Bärchenaugen, Matthew Hayward. Immer wieder streicht er die fettigen Strähnen aus der Stirn, nickt schüchtern und nippt an seinem Getränk.

Deutschland sei der Wahnsinn, erzählen die jungen Wilden aus Southhampton. Die Leute völlig durchgeknallt, die könnten sogar schon ihre Texte mitsingen - dabei erschien ihr Debütalbum "Baby Darling Doll Face Honey" gerade erst. Im Gespräch ist das Trio genauso lässig, wie ihre Musik klingt. Sind locker und dabei so uneitel wie die Schülerband aus dem Nachbarort. Sie erzählen von den Helden ihrer Jugend, einem Leben ohne Fernseher - und dass der ganze Twilight-Hype sie völlig kalt lässt.

Gleich zu Beginn: Wie schafft man es als so junge Band auf den Soundtrack von "New Moon"? Ich meine, ihr reiht euch dort ein zwischen Muse, Death Cab For Cutie, Thom Yorke, The Killers oder Editors ...

Emma: Ganz ehrlich: Wir wussten nichts davon. Unser Song "Friends" ist wohl irgendwie auf dem Chefschreibtisch gelandet. Als wir das erfuhren, war es schon beschlossene Sache. Aber das ist cool. Schafft ja nicht jeder.

Und was haltet ihr von dem Film? Habt ihr ihn gesehen?

Emma: Also, jetzt inzwischen schon. Vor dem Soundtrack kannten wir die ganzen "Twilight"-Sachen allerdings nicht.

Dieser Hype ist ziemlich extrem, finde ich. Was meint ihr dazu?

Emma: Ach, wir kriegen davon nicht so viel mit. Wir schauen kaum Fernsehen.

Russell: Team Edward! Wir sind Team Edward! (lacht)

Wer waren denn die Helden eurer Jugend?

Matt: (ruft) Bananaman! (lacht) Kennst du das? Das ist eine Comicfigur in Großbritannien. Weiß nicht, ob es die in Deutschland auch gab. Oh ja, Bananaman!

"Uns gefallen die Extreme"


Kommen wir zu eurer Bandgeschichte. Ihr habt euch von Fleeing New York in Band Of Skulls umbenannt. Aus welchem Grund?

Emma: Ich schrieben neue Songs. Und der Sound war auf einmal ganz anders. Es fühlte sich nach einer ganz neuen Arbeit an.

Russell: Bandmitglieder kamen und gingen. Wir waren dann die letztendliche Truppe.

Wie hört sich euer neuer Sound eurer Meinung nach an?

Russell: Matt? Ich weiß, was Matt dazu sagen würde: Wir spielen bluesigen Rock'n'Roll. Stimmts?

Matt: Oh ja. Genau so ist es.

Emma: Wir experimentieren noch ein bisschen herum. Schreiben eine Menge Zeug. Und schauen dann, was passt.

Was ist der größte Vorteil einer Dreimann-Band?

Russell: Ganz klar: Man verdient mehr Geld. (lacht) Nachteil daran allerdings ist, dass man mehr arbeiten muss. (lacht wieder)

Gibt es einen Bandleader?

Emma: Das läuft ziemlich demokratisch bei uns ab. Klar, ab und zu gibt es Streit wegen eines Songs. Manchmal entwickelt sich ein richtiger Kampf, weil jeder seine individuellen Ideen unterbringen will.

Russell: Erst mal schreibt jeder für sich. Dann treffen wir uns und hören alles an. Ein paar Sachen kommen gleich in die Tonne, an anderen arbeiten wir gemeinsam weiter, bis ein Song fertig ist.

Matt: Das ist echt hart manchmal – aber nur so bekommt man die besten Ergebnisse. Wenn wir uns streiten, dann nur um Musik. Persönlich nimmt das keiner von uns.

Wenn ich Songs wie "Honest" und "I Know What I Am" vergleiche, kommt es mir fast so vor, als kämen sie von unterschiedlichen Bands.

Emma: Ja, die ursprüngliche Idee zu dem jeweiligen Song stammen von verschiedenen Personen. Aber wir haben sie als Band weiter bearbeitet.

Russell: Am Ende kommen wir immer zu einem Produkt, hinter dem alle stehen. Im Endeffekt wollen wir das Gleiche – wenn wir auch manchmal auf unterschiedliche Weise an die Sache rangehen.

Matt: Die Variationen in der Dynamik sind gewollt. Es sollte nicht alles gleich klingen. Wir wollen Höhen und Tiefen, leise und laute Töne. Das sind Extreme, die uns einfach gefallen.

Russell: Es ist doch so: Man langweilt sich schnell, wenn man immer nur eine Sache macht. Variationen bringen Spannung.

Was wollt ihr mit "Baby Darling Doll Face Honey" erzählen? Gibt es eine Kernaussage?

Matt: Wir wollen uns vorstellen - uns als Band. Das Album zeigt unsere ganze Bandbreite an Musikstilen, die wir hoffentlich alle beibehalten.

"Ihr Deutschen mögt es richtig laut!"


Ihr wart schon mit Juliette Lewis und Metric unterwegs. Was war eure tollste Erfahrung bisher?

Emma: Ich denke, dass wir unser Album aufgenommen haben und die Nachfrage so groß war. Und dass wir es auf Vinyl bekommen haben. Wir haben auf drei Amerika-Touren vor echt vielen Leuten gespielt. Ja, einfach alles. Raus gehen und das zu machen – das ist es.

Russell: Das Schönste für mich ist es, in eine neue Stadt zu kommen. Und dann Leute zu treffen, die deine Songs schon kennen (die anderen nicken zustimmend). Verstehst du, du bist erst ein paar Stunden dort, und die Leute sind schon so freundlich. Das ist ein tolles Gefühl. Als würden sie dich schon ewig kennen. Als hättest du ganz viele Freunde. Das ist wirklich schön.

Wie geht ihr mit diesem schnellen Erfolg um? Wie fühlt sich das an?

Emma: Es ist echt aufregend. Wie eine Party. Jede Nacht. Alle sind da, um uns zu sehen. Das macht die Nacht zu einer guten Nacht.

Wie? Früher keine Dauerparty?

Emma: Nee. Irgendwie nicht.

Russell: Viele junge Bands ... ich meine, wir sind eine junge Band ... müssen ihr Können erst einmal beweisen. Wir arbeiten nun schon eine Weile zusammen. Inzwischen können die Leute sich unser Album schon kaufen, bevor sie unsere Konzerte besuchen. Ich glaube, das macht bereits einen großen Unterschied. Die Leute verbringen schon Zeit mit unserer Musik, und der Gig wird zum i-Tüpfelchen. Die Party ganz am Ende. Denn die Zuschauer haben sich bereits für unsere Musik entschieden und hoffen einfach, dass der Liveauftritt so gut ist wie das Album. Wenn man als Band dieses Feedback bekommt – eben dass die Auftritte super sind – wem würde das nicht gefallen?

CD und Liveauftritt verglichen – gibt es bei euch große Unterschiede?

Russell: Sogar jede Nacht ist unterschiedlich. Wie wir uns fühlen, die Atmosphäre und das Publikum. Klar, das macht eine Menge aus. Das ist das Beste an der Musik: Sie kann sich verändern.

Ihr tourt das erste Mal durch Deutschland. Welche Erfahrungen habt ihr hier bisher mit dem Publikum gemacht?

Russell: Also, wir waren bisher in Hamburg und Berlin. Heute Köln, dann noch München.

Emma: Wir haben vorher schon gehört, dass hier viele Musikliebhaber leben.

Matt: Hamburg ... (lacht) Hamburg war irre.

Russell: Ja, Hamburg war echt am verrücktesten. Obwohl es jetzt noch zu früh dafür ist: Hamburg hat gute Chancen, als verrückteste Show überhaupt in unsere Geschichte einzugehen. Die Leute waren total übergeschnappt.

Matt: Wir haben gehört, ihr mögt es hier richtig laut.

Russell: Und ihr liebt Rockmusik.

Matt: Und ihr wollt einfach nur Spaß haben ... Wirklich. So was Verrücktes wie in Hamburg haben wir noch nirgends sonst erlebt.

Emma: Die Leute haben getrunken, gegrölt und sind richtig abgegangen.

Matt und Russell (im Chor): Wir lieben Deutschland.

Emma, Russell und Matt lachen. Man nimmt ihnen das Statement wirklich ab. Cheers!

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