laut.de-Kritik

Die The Mars Volta-Helden können auch anders. Ziemlich anders.

Review von

Ein schönes Gefühl, wenn eine Platte vom Hocker reißt. Um so besser, wenn deine Freunde das ähnlich sehen. Noch besser, wenn die Begeisterung vom ersten bis zum zehnten Song anhält. Antemasque gleichen beim ersten Hören einem Orkan und bleiben auch danach ein Sturm.

Sicher, da stehen keine Frischlinge auf der Bühne: Schon vor 14 Jahren wurden Gitarrist Omar Rodriguez-Lopez und Sänger Cedric Bixler-Zavala mit At The Drive-In zur Postcore/Alternativerock-Benchmark. Nach der Trennung entstanden zwei weitere Topbands: Omar und Cedric gründeten The Mars Volta. Jim Ward, Tony Hajjar und Paul Hinojos packten Sparta aus. Ward meinte später mal, die Presse hätte eine Konkurrenz zwischen beiden Bands inszeniert.

Nun könnten lustigerweise gerade die Song-orientierten Sparta ein Schlüssel zu "Antemasque" sein, jedenfalls verzichten Antemasque auf ausufernde Experimente. Cedric reiht vielmehr eine knackig raue und hitverdächtige Rockgesangshook an die nächste.

Ließen sie den Stücken auf der letzten Volta-Platte "Noctourniquet" im Schnitt noch mindestens fünf Minuten Zeit, um sich zu entwickeln, fackeln Antemasque nicht lange: Experimentelle und ausufernde elektronische Passagen fehlen. Die zehn Songs - das Label Progressive-Punk macht die Runde - werden in gut 35 Minuten abgehandelt. Sollte man einen hervorheben? Nicht nötig, trotz und gerade wegen der gewissen stilistischen Varianz, die die Platte auszeichnet.

Atemlos könnte man diese halbe Stunde auch nennen. Dafür quillt sie fast über vor Riff- und Melodieideen, messerscharfen Breaks, unterschiedlichen Parts und den hyperaktiven Drums des ehemaligen Mars Volta- und derzeitigen Killer Be Killed-Drummers Dave Elitch.

Omar produzierte Antemasque dazu schön ungeschliffen. Geradeso als hätten sie kurz mal eine Platte eingespielt, um sofort auf Tour gehen zu können. Im Untergrund (Bass oder Bassdrums) rumpelt es stellenweise etwas undurchsichtig bis kompliziert, doch die prägnanten Vocals und Riffs halten das Ding zu jeder Zeit zusammen. Live kommen Antemasque 70er-mäßiger rüber als auf Platte, auch Daves Drums knallen heavier.

Denn hat man die The Mars Volta-Nachfolgeband, die im Studio vom alten Intimus Flea am Bass verstärkt wurde, live gesehen, weiß man, dass sie das auf Platte gegebene Versprechen auf der Bühne natürlich einlösen (ohne Flea, ihn vertritt Omars Bruder Marfred Rodriguez-Lopez). Und dann ist man einfach nur froh. Froh, ein neues Lieblings-Four-Rock-Piece respektive ein Album des Jahres gefunden zu haben.

Trackliste

  1. 1. 4AM
  2. 2. I Got No Remorse
  3. 3. Ride Like The Devil's Son
  4. 4. In The Lurch
  5. 5. 50,000 Kilowatts
  6. 6. Memento Mori
  7. 7. Drown All Your Witches
  8. 8. Providence
  9. 9. People Forget
  10. 10. Rome Armed To The Teeth

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LAUT.DE-PORTRÄT Antemasque

Die Forderungen nach einer Rückkehr von At The Drive-In waren nie ganz verstummt. Als es dann 2011, über zehn Jahre nach der Bandtrennung auf dem Höhepunkt …

10 Kommentare mit 38 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Von mir gibt es vier Sterne, an manchen Stücken habe ich mich dann doch zu schnell satt gehört. Aber verdammt gutes Album natürlich.

  • Vor 5 Jahren

    Oh, dass kommt mal unverhofft, bin gespannt. TMV war ja streckenweise grandios. Vor kurzem erst mal wieder Frances the Mute wieder mal reingezogen.

    • Vor 5 Jahren

      Frances the Mute ist vielleicht die größte Prog-Rock-Scheibe, die jemals aufgenommen wurde. Ja, an The Mars Volta, selbst an die späten, kommen Antemasque nicht heran. Was aber trotzdem noch für ein ganz ausgezeichnetes Album reicht, das sich wirklich flockig durchhören lässt!

    • Vor 5 Jahren

      Als jemanden der Mars Volta (weis gar nicht mal warum) bisher immer gescheut hat. Mit welchem Album sollte man anfangen?

      Frances the Mute scheint ja Konsens zu sein, aber irgenjemand (Tinco oder Soulburn?) empfahl glaub ich Deloused...

    • Vor 5 Jahren

      Schwierige Kiste. Also Frances the Mute ist auch meine absolute TMV Lieblingsscheibe, dicht gefolgt von De-loused. Allerdings ist die nicht ganz unumstritten, siehe Rezis. Was Zugänglichkeit angeht, könnte man eher mit den neueren Alben anfangen, allerdings ist mMn da schon ein kleiner qualitativer Abfall zu verzeichnen.

      Fang vlt. besser mit De-loused an.

    • Vor 5 Jahren

      Mein absolutes TMV Highlight ist aber definitiv Cassandra Gemini, der halbstündige Irrsinn von Frances the Mute. Was die dort abziehen, auch wenns abgedroschen klingt, lässt einen echt sprachlos zurück.

    • Vor 5 Jahren

      Ich glaube nicht, dass ich De-loused empfohlen habe, ich bin kein TMV-Jünger mehr und war es auch nur kurzzeitig - die größte Prog-Rock-Scheibe jüngerer Zeiten ist "Gloria" von Disillusion.
      Das Album hier werde ich mir allerdings am Wochenende gemütlich anhören, auch wenn die Erwartungshaltung nicht sehr hoch ist.

    • Vor 5 Jahren

      Nach (natürlich erstmal kurzzeitigem) Genuss von Mars Volta, find ich das interessant und werd ihnen noch einige Durchgönge gönnen. Sofort fickts dich auf jedenfall nich.

      Die Antemasque erinnert mich(jetzt auch jedenfalls nach zwei Durchläufen), angenehm an atdi.. ohne deren Wut mit etwas mir instrumentaler Spielerei... gefällt mir aber durchaus.

      Disillusion dann wohl mal hören? Sind mir bisher unbekannt.

    • Vor 5 Jahren

      'Gloria' ist auch ein spezieller Spleen von mir, erwarte keine Wunder. Trotzdem ist die Platte sicher eine Umdrehung wert, ich wünsche mir wirklich, dass Andy Schmidt nochmal ein Album aufnimmt - irgendwann.

    • Vor 5 Jahren

      Liebe ja auch Prog-Rock und danke hier der Gemeinde das mal wieder ein paar Tips zu lesen sind, wenn die eigentliche Scheibe um die es geht schon nichts ist. :P

    • Vor 5 Jahren

      @molten universe
      Ich würde auch mit "De-loused in the comatorium" beginnen. Für mich ist diese erste Scheibe zugleich der absolute Höhepunkt in der Diskographie von "TMV". Natürlich braucht auch diese Platte einige Hördurchgänge bis man sich ein Urteil bilden kann. Sollte der Funke allerdings da schon nicht überspringen, kann man jeden anderen "TMV"-Output getrost links liegen lassen. "ATD-I" und jetzt natürlich "Antemasque" sind deutlich eingängiger und massenkompatibler.

    • Vor 5 Jahren

      Ja, das war ich mit "De-loused..."

      Die dichte Atmosphäre haben sie mMn auf nachfolgenden Alben stets suchen und (nur noch teilweise erfolgreich) künstlich erschaffen müssen.
      "Frances..." mit den ausufernden Interludes war mir persönlich schon zu zerfasert und an vielen (gerade "nicht-musikalischen") Stellen einfach zu sehr mit der Brechsstange "progressiv" gewollt.
      Die Zeiten, wo ich mir auf irgendwelchen Halluzinogenen mit Kopfhörer in der Ecke liegend die Minuten durch schickige und abgedrehte Geräuschkulissen zwischen Songs angenehm vertreiben konnte: Die waren für mich damals schon vorbei.

      Das Intro zu "De-loused..." gibt mir auch heute noch nach Sekunden die ersten Chills. Die musikalische und emotionale Achterbahnfahrt im Anschluss lässt sich kaum skippen für mich, lege ich "De-loused..." auf, dann weiß ich, dass ich es auch durchhören werde...

    • Vor 5 Jahren

      Ich LIEBE den Song "Invalid Litter Dept". Ganz krass. Aber insgesamt konnte ich mit dem Output von ATDI, Mars Volta, etc eher kaum etwas anfangen. Selbst die Kollabo-Scheibe mit Frusciante taugt mir nicht so..

    • Vor 5 Jahren

      De-Loused ist ein wirklich starker Anfang. Vermutlich ist es auch die beste Platte, wenn man diesen ganz eigenen Sound noch nicht kennt. Immerhin fing es so bei meinem Fanboytum für Mars Volta an. Ich muß heute aber sagen, daß ich die Platte schon 7 oder 8 Jahre lang nicht mehr gehört habe. Immer wenn ich es versuche, klingt sie für mich langweilig-poppig, hektisch und ohne roten Faden.

      Erst bei der zweiten Scheibe, Frances the Mute fing es mit dem roten Faden an. Hier konnte Omar Rodriguez machen, was er wollte. Die Scheibe ist vollständig in seinem Kopf entstanden und er ließ alle Musiker absolut alleine ihre Spuren aufnehmen. Sie wußten nicht, was die Mitmusiker spielen würden, damit alle Spuren für sich genommen schon genial klingen würden. Die gelegentlichen minutenlangen Zwischenspiele sind genau das richtige, um nicht wie bei De-Loused in Hektik zu verfallen. Hier können die Tacks auch zwischendurch mal atmen, und die nächsten fantastischen Riffs und Kompositionen sind schon auf der Startlinie.
      "Cassandra Gemini", welches ca. 30 Minuten dauert und das Album abschließt, ist der größte Prog-Rock-Track, der je geschrieben wurde. Ein Narr, wer anderes behauptet. Hier geben sich hitverdächtige Parts die Klinke in die Hand und trotzdem wird das Konzept des Albums perfekt abgerundet. Hach, jetzt habe ich Bock, es noch einmal anzuwerfen...

    • Vor 5 Jahren

      Für mich hat gerade "De-loused..." als kollektives Werk und Konzeptalbum zum Niedergang/dahinscheiden eines Freundes/Bandmitglieds noch eher einen roten Faden als spätere Selbsthuldigen und -zitate, instrumentale Onanie, Egotrips und Vermarktungsgefasel dieser beiden "Genies". Du hast ihnen wahrscheinlich auch abgekauft, dass sie für Album Nr. 4 ein "echtes Hexenbrett" aufgetan haben. Und langweilig-poppig kann in meiner Welt selten mit "zu hektisch" Hand in Hand gehen. Allein für das "langweilig-poppig" gebührt dir ein voller Tag Guantanamo bei american Standardpop-Dauerbeschallung. Was erhoffst du dir von solchen Aussagen? Dass sich irgendjemand denkt "Ooh, der Ragism ist ja ein so dermaßen exquisit vertrackter Froschgequake-Prog-Gutfinder, für den hört sich ja sogar die "De-Loused..." wie langweiliger, aber zu hektischer Pop an!"?

      Und "cassandra gemini" ist auch nicht der beste je geschriebene Prog-Rock-Song. Für mich findet der sich bspw. wahrscheinlicher am Hofe des purpurnen Königs. Ein Narr ist wohl eher, wer auf so einer Aussage wie deiner beharrt, Fanboytum hin oder her.

      Also echt, Fanboys bei Acts, denen man auch ohne Fanboybrille selber noch was abgewinnen kann, sind irgendwie schmerzhafter als die unterhaltsamen Quietschies bei den ganzen Müllacts.

    • Vor 5 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 5 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Jahren

      Bist du fertig? Wunderbar. Und das alles nur, weil ich De-Loused langweilig fand. Schöne Show!

    • Vor 5 Jahren

      Nee, Freundchen - nicht weil du "De-loused..." langweilig fandest - sondern aufgrund deines Duktus und dieses darin möchtegern-subtil verpackten Anspruchs auf Deutungshoheit. Abgesehen kann die Seite bei all der harmonischen Eintracht unter den usern jede Show gebrauchen - und eingeleitet hast du diese Show ja höchstselbst mit deinem nicht minder langen zweiten Beitrag, in dem du nochmal hervorheben musstest, wie viel besser du persönlich "Frances..." findest, aufbauend auf der Argumentation Omar'schen Verkaufgefasels und unkritischer Egomanenhuldigung.

    • Vor 5 Jahren

      Deutungshoheit kann mich am Arsch lecken. Eine Show sollte das niemals werden. Ich schreib nur meine Meinung, die Dich aus irgendeinem Grunde sehr aufregt. Ich habe sie sehr wohl begründet, und zwar unabhängig vom Entstehungsprozess des Albums (den ich von Wikipedia habe und der wenig verkaufsförderlich klingt, im Gegensatz zu den albernen Ouija-Geschichten zu "Bedlam in Goliath"). Omar Rodriguez-Lopez soll egoman sein? Du hast vermutlich nie besonders viel von ihm gehört oder gesehen. Er ist nicht nur für einen Lead-Gitarristen überaus bescheiden, sowohl auf der Bühne als auch in Interviews.

      Also, willste noch ne Runde die "Deutungshoheit" beanspruchen und mir überflussigerweise ans Bein pissen? Bin gespannt, obs noch einmal so unterhaltsam wird, wenn du Projektion an mir betreibst!

    • Vor 5 Jahren

      Wie gesagt es ist die Art, wie du deine Meinung bringst. Du findest ein schon überwiegend aus Selbstzitaten bestehendes Zweitwerk zweier ÄUßERST EGOZENTRIERTER MUSIKER besser, dass mit dämlich überzogenen Interludes, Froschgequake und Masturbationsgegniedel den Prog neu zu erfinden versucht, als das überwiegend im Kollektiv erdachte und erbrachte Erstwerk. Welches zusätzlich dem Tode eines mMn für diesen Sound hauptmitverantwortlichen Bandmitglieds gewidmet ist.

      Großkotzig wirkt es da zu sagen, "De-loused..." sei wohl dann die beste Platte, wenn man diesen ganz eigenen TMV-Sound noch nicht kenne, wo alle Folgeplatten doch einen eher überschaubaren Versuch abgeben, fehlende Soundcollagen und merkwürdig ambivalente Klangteppiche eines Jeremy Ward zu ersetzen. Nach dessen Tod bekamen sie solche Abenteuer in Songform mE nicht mehr hin. Und dessen Verlust kompensieren sie mMn eben u.a. mit Froschgequake und Hexenbrettgeschichten auf den Folgeplatten.

      Abgesehen davon schreibst du 2 Sätze später, dass du gerade eine Platte am verkennen bist, die du selber seit 7-8 Jahren nicht mehr (komplett) gehört hast. An dem Punkt ist eigentlich schon klar, wie viel Gewicht man deiner Fanboy-Wertung für "Frances..." beimessen kann.

      ...und nur weil du während deiner Soz-/Päd-/Phil-/whatever-Uniausbidung mal was von nem Kerl namens Freud gehört hast, brauchst du nicht denken es sei angemessen, hier unbedacht mit den lustigsten Auswüchsen seiner Koka-Sucht um sich zu schmeißen. "Schuster, bleib bei deinen Leisten!"

    • Vor 5 Jahren

      "Ooh, der Ragism ist ja ein so dermaßen exquisit vertrackter Froschgequake-Prog-Gutfinder, für den hört sich ja sogar die "De-Loused..." wie langweiliger, aber zu hektischer Pop an!"?
      :D

      10 Punkte für soulburn und 0 für Ragism.
      Aber soulburn, lasse dich doch nicht provozieren, wenn er die “De-Loused“ als poppig bezeichnet, weil sie eine stimmige und im Gegensatz zu “Frances The Mute“ am Stück hörbare Platte ohne irgendwelche ach so avantgardistischen Tier-und Abwaschsoundschnipsel ist.
      Ich wiederhole das hier monatlich aber poppige Musik ist nichts Schlechtes, sondern vor allem im Prog-Genre ist der Pop-Anteil etwas sehr schönes und genau das ist es auch, was die “De-Loused“ besitzt und der “Frances The Mute“ für mich fehlt oder zumindest durch die zu gewollten und uferlosen Frickelpassagen wieder zunichte gemacht wird.
      Aber klar liefert die Platte eine willkommene Profilierungsgrundlage für Menschen, die sich als von der unwissenden Masse abgrenzenden Klangcon­nais­seur darstellen und Musik mit leichter erkennbaren Strukturen dann Trivialität unterstellen wollen.

      Und ein Narr ist höchstens derjenige, der anderen Narrentum unterstellt, wenn sie, in einem wunderbar abwechslungsreichen und mit Wunderkompositionen beschenkten Feld wie dem Progressive Rock, nicht das gleiche Lied wie er selbst als das definitiv Beste proklamieren.
      Egal, ob diese Polemik dann als Stilmittel deklariert wird oder nicht.

    • Vor 5 Jahren

      Ohne mich in den obrigen "Streit" reinhängen zu wollen, muss ich doch sagen, dass ich die FTM doch einen Tick über der De-Loused sehe. Was die Selbst-Zitate angeht, finde ich die Kritik subjektiv gesehen völlig überzogen.

      Klar ist FTM zwischendurch etwas langatmig, aber das ist ja nicht zwingend etwas Schlechtes. Ich finde es Gesamtgebilde sehr stimmig und wie Ragism schon andeutete gibt so ein Tracke wie "Miranda..." dem Album Luft zum Atmen.

      Naja Meinungen gehen schon mal auseinander, zumindest polarisiert die Platte.

    • Vor 5 Jahren

      Andererseits glaube ich, dass die Phase, in der man sich über die Liebe zur Negation der klassischeren Liedstrukturen definiert, notwendig ist zum Erreichen der Erkenntnis, wie wertvoll die sein können. Von daher müsst ihr Ragism auch nicht mit dem Vorschlaghammer aus der Blase prügeln.

      (Es gibt Ausnahmen. Auf einem Tool-Konzert hat mich ein ~50-jähriger mal minutenlang begeistert über die kategorische Minderwertigkeit des Nicht-Progs aufgeklärt, während er nach Bier stinkend parallel zur Performance noch über die drölfzig Taktartwechsel von Schism(?) verbal onanierte. Das war der Heureka-Moment, an dem ich persönlich diese Phase beendete.)

    • Vor 5 Jahren

      Naja Tinco, willst du damit suggerieren, dass du in deiner Weisheit schon Sphären über den Prog-Liebhabern schwebst?

      Ich kann mir persönlich, an beidem etwas abgewinnen, wobei für mich in Sachen Langlebigkeit nichts an Prog herankommt. Was natürlich auch daran liegen kann, dass ein 10min-Prog-Brocken meist inhaltlich mehr zu bieten hat, als ein 3min-Punk-Fetzen.

    • Vor 5 Jahren

      Das Komma vor "an" ist auch irgendwie für die Katz.

    • Vor 5 Jahren

      Eigentlich projiziere ich nur schamlos meine eigene Erfahrung auf die Situation hier. Ich dachte eine Zeit lang, dass komplexere und andersartigere Musik gleichbedeutend ist mit besserer Musik - und das glaube ich, ist ein Vorurteil, dass jeder Prog-Fan überwinden sollte.
      Eine selbsternannte elitäre Hörerschaft, die unkritisch jede Idee als avantgardistische Meisterleistung abfeiert, ist meiner Erfahrung nach geballt in dem Lager zu finden, vergleichbar zum Beispiel mit dem Boom des modernen Kunstmarktes.

      Das macht auch die Rezeption von progressiver Musik so schwierig. Meiner Meinung nach sollte genau die Frage "Was ist eigentlich noch ein Lied, ein Ton, ein Refrain, eine Struktur, eine Melodie?" im Mittelpunkt stehen, d.h. Prog sollte durch Verfremdung ein Licht auf die "wahre" Identität dieser Komponenten werfen und nicht im Selbstzweck der Komplexität aufgehen.

    • Vor 5 Jahren

      Nachtrag: Prog ist immer noch großartig, nur der Schluss Komplexität/Andersartigkeit = Qualität/Exklusivität ist eben Quatsch. Ich glaube darauf wollte ich hinaus, völlig unabhängig, ob das in diesem Faden überhaupt eine Rolle spielt.

    • Vor 5 Jahren

      Ok akzeptiert. ;-) Sehe ich genauso. Hab halt bei FTM das Empfinden, dass (fast) alles genauso passt wie es ist. Ich würde FTM aber z.B. nie mit einem Tool-Output vergleichen, da ich bei Tool fast durchgängig das Gefühl hab, das dort alles von der 1 bis zur letzten Sekunde völlig durchdacht ist. Bei FTM ist das definitiv nicht der Fall, dort ist es mMn eher eine Mischung aus durchdachten Ansätzen und emotionalen Ausbruch bzw. Einbruch.

      "Schluss Komplexität/Andersartigkeit = Qualität/Exklusivität ist eben Quatsch." Kann da zu 100% zustimmen.

    • Vor 5 Jahren

      Frances the Mute finde ich nicht besser, weil es komplexer ist oder mehr frickelige Soundteppiche hat. De-Loused bietet für mich nur den besseren Einstieg, weil es die kürzeren Songs hat und leichter zu verkraften ist. Schätzt man den Mars-Volta-Sound bereits, ist allerdings Frances the Mute oder auch Amputechture viel spannender. FTM bietet die besseren Songs, die bessere Technik und die bessere Produktion. Hier ist alles durchdachter und ausgereifter, weswegen es sowohl bandintern als auch bei viele Fans als beste Platte gilt. Gäbe es das "Gegniedel" zwischendurch nicht, wäre die Platte zu dicht gequetscht (was ich De-Loused vorwerfen würde). "Cygnus... Vismund Cygnus", "Miranda..." und "L'Via L'Viaquez" haben geniale Parts, die allerdings Ruhe und ein paar Minuten Geräusche und Soundscapes brauchen, damit dem Hörer beim epischen, halbstündigen "Cassandra Gemini" nicht die Puste ausgeht. Der Track wirkt deshalb wie ein fantastischer Ritt durch alle Prog-Register und der ultimative Mars-Volta-Track, weil die Platte im ersten Teil nicht schon so viel Dampf gemacht hat und sich laute Parts mit ruhigen abgewechselt haben.

      Wo kommt denn die Meinung her, Lopez und Bixler seien egozentriert? Wie die allergrößten Progstars habe ich sie sich nämlich noch nie benehmen sehen. Vor allem Chef Lopez ist ein zurückhaltender Gitarrenfrickler, der sich keine Rockstar-Attitüden erlaubt.

      Wir haben ja alle verstanden, wie sehr Du De-Loused liebst und alles danach nicht mehr, kleiner soulburn. Das ist ja völlig in Ordnung und war - wie gesagt - eine nette Show. Danach warst Du allerdings nur leidlich beleidigend, hast die Deutungshoheit für Dich beansprucht und Dich für den Größten gehalten. Man muß keinen Freud gelesen haben um zu checken, daß Du von Dich auf mich geschlossen hast. Gut begründet, warum De-Loused nun so viel besser und Frances the Mute so scheiße sein soll, hast Du jedenfalls nicht.

    • Vor 5 Jahren

      Würde ja gerne mal wissen, an welchen Stellen du dich da beleidigt fühlst. Die ein oder andere Konfrontation mit diversen HH-Anhängern von hier hast du ja auch schon hinter dir, da empfinde ich es geradezu anmaßend, dass du mich als "leidlich beleidigend" empfindest.

      Interessant auch, dass ich die Deutungshoheit gepachtet haben soll, wo ich vom ersten bis zum letzten Beitrag alles mit persönlicher Meinung (mE, mMn usw.) kennzeichne, während du weitgehend darauf verzichtest und so uneindeutigen Rotz wie "jeder, der das anders sieht, ist ein Narr" von dir gibst (Fanboy oder Vollidiot, frage ich mich da).

      Fundiert begründet, warum du "Frances..." besser findest hast du auch erst mit deinem letzten Beitrag. Vorher klang es (für mich) an vielen Stellen eben ähnlich, wie Tinco und Poncho es unter sich ausdiskutieren: Als hieltest du "Frances..." (auch) deswegen für besser (und dich selbst gleich mit), weil es das vermeintlich komplexere Werk ist. Und als würdest du diejenigen Fans abwerten (wollen), die auf den vermeintlich poppigeren/leichter verdaulichen Kram stehen. Und das macht halt schnell den Eindruck, als schrubbe sich derjenige heftig einen auf den eigenen, vertrackten und komplexen Geschmack. und gerade in der Prog-Szene gibt es diese Einstellung auch noch zum kotzen häufig, wie Tinco bereits anmerkte.

      Dass ich sowas hypersensibel anspringe und dich da wohl fälschlicherweise mit in den Topf gepackt habe, tut mir leid. Ich lasse jedem seinen Geschmack, und hier unterscheiden uns zudem ja nur Nuancen. Aber in deinem Fall fiel es mir ganz offensichtlich schwer, dich nicht für einen versnobten "Ich bin so viel krasser, weil ich den komplexesten und absurdesten musikalischen Scheiß aushalte!"-Typ zu halten. Das lag aber, wie gesagt, mehr an deinem Duktus in den ersten beiden Beiträgen, als an Projektion meinerseits. Diese "mein elitärer Musikgeschmack!"-Phase habe ich seit vielen Jahren hinter mir.

    • Vor 5 Jahren

      Und doch verzeihen wir uns die damals gezeigte absurde Haltung nicht ganz und wie ein Damoklesschwert hängt die Erinnerung ans eigene Scheitern über uns und triggert bei solchen Aussagen den Beißreflex - das Ziel wird zum früheren Ich, das man vor seinem eigenen Fehler bewahren will. Drecks Unterbewusstsein, scheiß Psychologie. ;)

    • Vor 5 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 5 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Jahren

      Herrgott Tinco, ich gehöre doch echt zu den "manierlicheren" Nutzern, die ebenso regelmäßig um Verzeihung bitten, wie sie über's Ziel hinausschießen... Ich habe doch sogar auf Umwegen eingestanden, dass auch Projektion beteiligt war. MUSS man das dann auch für den letzten verständnisverhinderten Mitleser nochmal so dezidiert auffriemeln? :D

      Nichtmal von Ragism hätt ich erwartet, dass er jetzt nochmal nachtritt! Schon frech, was du dir hier inzwischen wieder alles rausnimmst! ;)

    • Vor 5 Jahren

      Der Beitrag war mindestens genauso sehr auf mich wie dich gemünzt. Die Notwendigkeit der Selbstreflexion solltest du doch kennen, das ähm... ist Teil der langen experimentellen Therapie, die wir ab und zu Leben nennen. :D

    • Vor 5 Jahren

      Weiß ich doch. Komm rüber, bissl shoegazen, hmm?

    • Vor 5 Jahren

      Ragism hat ja auch schon ATDI als "seichte Klänge" und "langweiliges easy listening" abgestempelt. Nichts neues also und eigentlich keine Diskussion wert.