laut.de-Kritik

Von der Urgewalt des Debüts ist fast nichts mehr übrig.

Review von

Bands, Fans und auch Kritiker stehen immer vor der großen Frage, ob sich eine Band weiterentwickeln, auf die Wurzeln konzentrieren oder am besten beides machen sollte. Diese Frage haben sich wohl auch All Shall Perish nach ihrem letzten Album "The Price Of Existence" gestellt. Die Antwort lief in diesem Fall definitiv auf Weiterentwicklung raus.

Die Band aus Oakland muss mit sehr zwiespältigen Reaktionen auf "Awaken The Dreamer" rechnen, denn von der Urgewalt des Debüts ist auf dem dritten Album kaum mehr etwas zu spüren. "When Life Meant More" haut zwar ordentlich ins Mett, allerdings fragt man sich, warum die Leadgitarre durchgehend Amok laufen muss. Das geht schnell auf die Eier. Vor allem, weil das im folgenden "Black Gold Reign" nicht anders aussieht. Interessant, für die Band aber sehr ungewohnt sind der Rob Halford-Scream von Shouter Eddie und die ruhigen Momente im Mittelteil, bei denen die Gitarren akustisch werden und Eddie nur noch flüstert. Sind das noch All Shall Perish?

Am besten gefallen die Amis immer dann, wenn sie, wie bei "Never Again", einfach nur grooven wie Sau. Ebenfalls direkt in die Nackenmuskulatur gehen Tracks wie "Gagged, Bound, Shelved And Forgotten" und das abschließende "Songs For The Damned", das eine gesunde Mischung aus Härte, Groove und Melodie bietet. Wirklich stutzig wird man allerdings bei "The Ones We Left Behind". Ein akustisches Zwischenspiel lässt man sich ja gerne gefallen, aber in Verbindung mit Sachen wie dem klaren, fast schon epischen Gesang im Titeltrack und dem beinahe an Anathema erinnernden "Memories Of A Glass Sanctuary" macht man sich schon seine Gedanken.

Dies dürfte Fans des Debüts ziemlich sauer aufstoßen. Mit einem einzelnen Brecher wie "Stabbing To Purge Dissimulation", mit ultraschnellen Blastbeats und wechselnd heiseren Screams oder tiefen Growls, ist die Sache auch nicht wieder geritzt. Hier hält sich die Leadgitarre zwar im Zaum, doch das Instrumental "From So Far Away" ist wieder reine Angeberei. Sorry, aber wer sich in den anderen Songs schon dermaßen einen abgniedelt, der muss nicht auch noch so ein Ding auf ein ohnehin schon recht kurzes Album packen.

Alles in allem ist "Awaken The Dreamer" weiß Gott kein schlechtes Album aber der rote Faden geht der Scheibe merklich ab. Ob sie sich mit dem zum Teil sehr drastischen Stilwechsel einen Gefallen getan haben, bleibt eher fraglich.

Trackliste

  1. 1. When Life Meant More...
  2. 2. Black Gold Reign
  3. 3. Never Again...
  4. 4. For The Ones We Left Behind
  5. 5. Awaken The Dreamers
  6. 6. Memories Of A Glass Sanctuary
  7. 7. Stabbing To Purge Dissimulation
  8. 8. Gagged, Bound, Chelved And Forgotten
  9. 9. From So Far Away
  10. 10. Until The End
  11. 11. Misery's Introduction
  12. 12. Songs For The Damned
  13. 13. Stories From The Road (Dokumentation)

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6 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    find das album sehr enttäuschend und das nicht weil ich nichts von weiterentwicklung halte sondern weil sich das album viel zu gezwungen anhört. mir kamen das ein oder andere mal avenged sevenfold (nicht negativ gemeint) in den sinn und ne band die eigentlich immer (zumindest auf bühne) auf tough guy gemacht hat und plötzlich melodisch wird in allen belangen...ich weiss nicht. da sollen sie sich lieber umbenennen.
    oder sich von anfang an einen unspektakulären bandnamen zulegen.
    nicht im geringsten so gut wie die aktuelle whitechapel und fast schlechter als das album von job for a cowboy. und despised icon bleibt für mich eh unerreicht in dem genre.
    das einzig überzeugende bei diesem release ist das artwork. schade um die band.

  • Vor 11 Jahren

    jedem das seine, ich bin aber überwältigt vom neuen album. die einzelnen songs erreichen vielleicht nicht die klasse eines der vorheringen alben. damals, als sie die ersten 2 lieder auf myspace zum probehören angeboten haben, war ich auch sehr enttäuscht. aber wenn man das album am stück hört, gibt es kaum was intensiveres. Die weiterntwicklung ist ihnen absolut gelungen. black gold reign ist vielleicht kein nackenbrecher ala the true beast, aber diese spielfreude, diese emotionen... unbeschreiblich.

    all shall perish erinnern mich zu weilen sogar an between the buried and me. bis jetzt steh ich damit zwar allein da, aber von zeit zu zeit glaube ich sogar eine epik rauszuhören, wie ich sie sonst nur von amon amarth kenne. bitte nicht falsch verstehen als "klingt genauso wie", ich ziele damit mehr auf die gefühle ab, die in mir aufkommen, wenn ich eine der oben genannten bands höre.

    das ist kein 08/15 deathcore mehr, das ist was lebendiges, atmendes, sich entwickelndes!
    für mich eines der highlights dieses jahres.

  • Vor 11 Jahren

    :D :D :D bist du Dichter?(möppler)Ich egb dir Recht, dass das Album ziemlich gut ist nru finde ich dei Spieldauer ziemlich kurz und es sind mir zu viele Instrumentale stücke auf dem Album
    aber sonst gibs nix zu meckern
    Solche Bands wie Whitechapel gibs wie sand am Strand

  • Vor 11 Jahren

    Für mich ist die Platte ein Quantensprung. Die Leads gehen einem auch nicht auf die Eier, sondern erzeugen einfach nur eine unglaublich intensive Atmo. Wahrscheinlich hören Berufsrezensenten zu viele CDs, um sich wirklich drauf einzulassen.

  • Vor 11 Jahren

    Jungs werden älter und in gewissen Dingen anspruchsvoller! Ich kann klar verstehen, warum Chris Storey auf der Klampe à la Rusty Cooley rumfräkelt! Im Großen und Ganzen kommt mehr "Mainstream" ins Album, das merkt man in Songs wie "Never Again" und Black Gold Reign, wobei man doch noch All Shall Perish im eigenem Stile erkennt. Sind es so banale Chorus-Rhythmen/Melodien oder bis hin zum virtuosen Soli. Alles ist hier mal dabei, ihr Songwriten compensiert ihren Anspruch in höchster Form. Bevor man auch voreilig irgendwelche Lieder runtermacht oder negativ kritisiert, sollte man auch schon mal den Text für einen selbst interpretieren. Wenn Englisch wirklich so "schwer" is, dann schauts euch in DEutsch an!
    Das Album ist nicht Perfekt, den typischen Deathcore vermisse ich schon einwenig wie auf dem vorherigen Album. Das ist kein richtiges Abgeh-Album mehr, zu wenig mosch, zu wenig ASP (in diesem Sinne). Genial oder eher doch nervig ist der Judas Priest Gesang, ich selbst finde es Klasse, man greift an fast schon ausgestorbene Mittel, die von jungen Bands gar nicht erwartet werden.

    :( :lol:

  • Vor 10 Jahren

    das instrumental ist nicht "from so far away" sondern "until the end". also wenn die cd für das review sooo genau angehört worden ist, kann man selbiges getrost wieder vergessen. keine zeit gehabt? ist der abgabetermin schon angestanden, oder war einfach keine lust da, sich ein bisschen mehr mit dem album zu beschäftigen?