laut.de-Kritik

Komm' mir nicht mit Würde!

Review von

Was zum Henker ist das denn für Schlagerdisco-Sound? Wer sich mit den 257ers ohnehin schwer tut, wendet sich vermutlich gleich bei den ersten Takten, die ihrem "Mikrokosmos" entfleuchen, mit Grausen ab. Gut so. Euch braucht hier niemand. Die "Ausverkauf"-Rufer und die, die sich allen Ernstes an, joah, durchaus pubertärem Fäkal- und Pimmelhumor stören, könnt ihr gleich mitnehmen.

... Sind sie weg? Bestens. Dann steht der Mutantenparty ja niemand mehr im Weg. Um die abzufackeln, genügen ganz offensichtlich zwei 57ers. Keule, den einstigen Dritten im Bunde, haben Mike und Shneezin irgendwo unterwegs verloren. Dafür haben sie Produzent Alexis Troy aufgegabelt: ein Riesengewinn. Er merzt nicht nur restlos aus, was mich an "Boomshakkalakka" störte - die räudige Produktion, nämlich. Nö, er straft das "Mikro-" im Titel Lügen und lässt den musikalischen Kosmos in alle erdenklichen Richtungen expandieren.

Der Sound hat das Gegenteil einer Abmagerungskur hinter sich. Die Bässe triefen dermaßen vor Fett, dass sich darin auch noch die eine oder andere Frikandel ausbacken ließe. Aus, je nach Bedarf, Elektrogefiepe und Bläsern, Synthies und Cowbells, Drums und E-Gitarren strickt der neue Mann an den Reglern die Kulissen für den grandios würdelosen Schwachsinn, den Shneezin und Mike über ihrer Hörerschaft ausgießen.

Der gestaltet sich oft genug reichlich flach. "Denken is' nich' meins, aber Dummheit ist so mainstream wie die Sendung von den Geissens, zeigt "ESDZDA", "ein Song, der zum Denken animiert", das Dilemma. In den Oberstübchen dieser Jungs nistet zweifellos der eine oder andere Vogel. So besenrein, wie sie zwischendurch behaupten, sieht es dort aber trotzdem nicht aus.

Noch nicht einmal die völlig bescheuerte Denglisch-Orgie "Out Of Se Window" führt wirklich in die Irre. Sprache, Wortschatz, Bilder und vor allem ihr Einsatz verraten, dass hier keineswegs die vernageltsten Vertreter ihrer Zunft am Werk sind. Möglich, dass Mike und Shneezin in ihrer analen Phase stecken geblieben sind. Viel wahrscheinlicher jedoch, dass sie das nur vorgaukeln.

Wer sich "Früher War Besser" auf die Fahnen schreibt, hat offensichtlich einen Heidenspaß. War ja auch bequem, damals, in der unbeschwerten Kindheit, als lauthals nach "Mama" zu krakeelen noch jedes auftretende Problem löste. Schützenhilfe beim Hilferuf leistet nicht Hein-, sondern Horntje: Guildo Horn als einziger Featuregast, das passt zum eingangs bereits abgefeierten Schlager-Vibe, auch wenn die überspannten Melodien hier eher orientalisch klingen.

Unterschiedslos begeistert lassen die 257ers "Elton John" oder "Holland" hochleben, rufen - "Save money, money, save money, money, money!" - zur Sparsamkeit auf, knödeln sich durch elend eingängige Hooklines, riskieren einen "Platzverweis", nur um kurz darauf, in Reggae-Schwaden (bitte?) gehüllt, einen Themensong (bitte??) über "Holz" (BITTE?!!) abzuliefern, der auch noch an Sidos "Block" vorbeigroovt. Öh, ja.

Wem über den konfusen Inhalten und der hemmungslos albernen Inszenierung entgeht, was für unangreifbar gute Rap-Technik "Mikrokosmos" aufbietet, ist nicht zu helfen. Der sieht vermutlich auch die Torte nicht, die er gerade ins Gesicht geklatscht bekommt. "Ey, ich drängel' mich nach vorne, weil ich kann / Und geb' dir Penner heiße Ohren, weil ich kann / Ich hab' schon länger nicht verloren, weil ich kann / Weil ich das kann!"

Hölle, ja, die können. Den Kritiker machen sie am Ende auch noch überflüssig. Die treffendste Zusammenfassung ihres "Mikrokosmos" haben Mike und Shneezin nämlich schon selbst mitgebracht: "257ers weiter stabil, mit Scheißhits, um deinen Geist zu verwirren."

Trackliste

  1. 1. Wieder Da
  2. 2. Save Money
  3. 3. Holland
  4. 4. Jibbitbongbier
  5. 5. Elton John
  6. 6. Out Of Se Window
  7. 7. Mama
  8. 8. Früher War Besser
  9. 9. Platzverweis
  10. 10. Das Gleiche
  11. 11. ESDZDA
  12. 12. Püppchen
  13. 13. Weil Ich Kann
  14. 14. Diggy Diggy
  15. 15. Holz

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8 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 8 Jahren

    "Ey, ich drängel' mich nach vorne, weil ich kann / Und geb' dir Penner heiße Ohren, weil ich kann / Ich hab' schon länger nicht verloren, weil ich kann / Weil ich das kann!"

    Unangreifbar gute Raptechnik... Ernsthaft?

    • Vor 8 Jahren

      gut, vll. sind sie technisch nicht die besten,aber das machen sie ja lyrisch mit ihrer "ich hau allen auf die fresse, weil ich die largesten balls of steel habe" thematik wieder wett.
      ich meine,derart deepe texte, die fallen ja nicht einfach so vom himmel,da muss man auch erst mal drauf kommen.
      für mich eines der progressivsten alben im d-rap game, ungehört und weil ich kann 5/5.

    • Vor 8 Jahren

      Reimtechnik =/= Raptechnik
      Text =/= Raptechnik

  • Vor 8 Jahren

    komplett unlustige kirmes-dance rotze mit temporären rapeinlagen. klingt wie ein verzweifelter versuch deichkind zu verschlimmbessern...lediglich beim "holz" track musste ich etwas schmunzeln...funktioniert aber live sicher super...voraussetzung, man is rattenvoll

  • Vor 8 Jahren

    Die Ärzte des Rap. Nur in der hängengebliebenen Version. Von 89. Maximal.Vielleicht machen sie ja auch mal einen Song über Geschwisterliebe, hihi.