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Mein lieber Scholli, wie das hier schon wieder losgeht. Kristallines Klirren, gierige Flächen und dann endlich, so unweigerlich präzise wie prophetisch: der saftige Funke-Beat. Anmut, Virtuosität und Druck. Plötzlich ist alles wieder da.
Fünf lange Jahre ist das nun schon wieder her, seit Sascha Funkes Debütalbum "Bravo" zuvor aufgestellte Messlatten in Feinstaub zerbröselte und im weiten Feld an Techno-Veröffentlichungen heute noch vier von fünf Scheiben in die Schranken weisen würde. Eine Frechheit, was für inspirationsloses Gehupe man hier immer wieder an den Platz gelegt kriegt.
TRACKLISTE
Und doch war bei aller Lobhudelei auch dem Berliner DJ immer klar, dass er sich nicht ewig mit Mix-Compilations ums große Ganze herum drücken kann. Irgendwann musste er einen Nachfolger abliefern und unter Zuhilfenahme welcher Substanzen auch immer versuchen, dieses Wahnsinnslevel halbwegs zu halten. Durchaus verständlich, dass der Mann erstmal das Weite suchte und sich in Aix-en Provence niederließ, um an jenem Ort, an dem Paul Cézanne die ersten Pinselstriche wagte, die eigene Klangfarbe zu finden. Waren es bei Cézanne in erster Linie Äpfel und Orangen, wählte Funke die Mango als Titelthema, um nun eine Platte vorzulegen, die ihn über die Laufzeit einer knappen Stunde mal wieder als Meister atmosphärisch dicht gesetzter Stimmungen ausweist. Gleich beim Einsteiger ist klar: Dieser elende Teufelskerl hat wieder alles richtig gemacht. Die Sounds sind warm, es perlt und sprudelt und bald steht eigentlich nur noch eine Frage im Raum: Ist noch Bier im Kühlschrank? Oder naja, zwei: Warum sind meine Eltern keine Südfranzosen, sondern Süddeutsche ohne Feriendomizil am Mittelmeer?Auf "Mango" präsentiert sich der Bpitcher erneut als hellwacher, der Stagnation blind ausweichender und mit unseren Sinnen spielender Geist. Insgesamt reduzierter und im Arrangement unaufdringlicher als die "Bravo"-Sachen vielleicht, peitscht Funke mit Zuckerbrot voran. Bis auf leichte Rave-Anleihen in "Double-Checked" und dem nahrhaften "Lotre (Mehr Fleisch)" gibts keinen Bölleralarm, vielmehr bleibt der Berliner seinem nüchtern-kompakten Schieber-Image treu. Unfassbar, wie er im Opener ab Minute fünf präzise und beinahe unmerklich eine Gitarrenschleife integriert. Schon hier ist klar: Funke ist Gott! Und wir unwürdig. Mal wieder.Auf "Mango" verweben sich organische Klangfarben unter dem Schleier der Melancholie elegant mit funktionalem Minimalismus, um als Einheit beides zu erlauben: Assoziationen im Ruhezustand und expressive Gelenkakrobatik. Endorphinausschüttung am laufenden Band, etwa beim Einsetzen der repetitiven Wave-Gitarre in "Chemin des Figons", Funkes Straßenheimat in der Provence."We Are Facing The Sun", schöner Titel, funktioniert bei mir zumindest in Gedanken (s.o.). Bei "Feather" will man der kompromisslosen Zartheit dann Folge leisten, einfach mal aufspringen und Kollegen herzen, mit ihnen Gefühle teilen. Zum Glück trägt das knisternd-fordernde "Take A Chance With Me" die Gedanken schnell wieder fort, in seiner tranceartigen Ausrichtung hin zu einem durchgerockten und wahrnehmungsgetrübten Discoabend inklusive Belag auf der Zunge. Und ich spreche nicht von Fruchtfleisch."When Will I Be Famous?", fragte Funke vor Jahren schon im besten Bros-Popformat 2.0 und ich hab damals schon geschrien: Morgen, Sascha, morgen, morgen! Wer es im sonnengereiften "Mango"-Jahr noch immer nicht gecheckt hat, soll bitteschön weiter Paul van Dyk hören.MEHR INFO
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