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The Book Of Daniel
Songs For The Locust King


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Das Buch Daniel gehört zum Alten Testament und erzählt die Geschichte des Propheten Daniel, der, weil er an seinem Glauben zu Gott festhielt, in eine Löwengrube geworfen wurde, und, weil er an seinem Glauben fest hielt, die Höhle des Löwen unverletzt überlebte. Derartige Prüfungen halten The Book Of Daniel nicht für ihre Hörer bereit, im Gegenteil, ihr Album "Songs For The Locust King" erscheint wie ein Geschenk des Himmels. Und kommt dabei ganz ohne biblische Bilder aus, nicht aber ohne Erhabenheit.

Doch am Anfang ist das Wort. Vor einem Hintergrund aus verträumtem Klavier und Vogelgezwitscher spricht die Stimme einer jungen Frau mit starkem Akzent. Nach diesem kurzen Intro hebt Bandleader Daniel Gustafsson seine Stimme, die einen Hauch von Heiserkeit verrät, aber dennoch ungemein dem Ohr schmeichelt. Im "Early Morning Prayer" legt er seine Seele offen: "There's nothing here except demons and bruises on my knees."

Die musikalische Untermalung stimmt vom ersten Moment an, dezent zurückgenommener Hintergrundgesang wird von einem ein- und ausdrucksvollem Piano begleitet. Die volle Instrumentierung mit Tasteninstrument und Bläsern zeichnet das ganze Album aus, das höchsten musikalischen Ansprüchen genügt. Geradezu angespannt, fast ein wenig dramatisch beschwörend beginnt "The Camels Parade". Die enigmatischen Texte ("I've been watching the camels parade all night, making their way through the needles eye") trägt Gustafsson dabei derart eindringlich und mit einem unbedingten Willen zur großen Melodie vor, dass man heulen könnte.

Allein der Spannungsbogen des Songs lässt dieses Stück zu einem frühen Hochgenuss werden, und sogar mich als alten Saxophon-Hasser berührt der exzessive Einsatz der Rotzkanne. Die Musiker (laut Booklet waren nicht weniger als fünfzehn Künstler am Entstehungsprozess beteiligt) spielen nicht einfach zusammen, sie verschmelzen miteinander zu einer Einheit, aus der diese Platte heraus fließt. Doch "Songs For The Locust King" ist keine herkömmliche Indiepop-Platte, nein, sie swingt und jazzt ohne sich um Genregrenzen zu scheren.

Und immer die Melodie, die direkt vom Ohr ins Innerste des Hörers vorstößt, um Herz, Seele und Magengegend gleichzeitig zu penetrieren. Zum Trompetensolo von "Dead Ringer Dead Ringer" wiegt man sich, während der Fuß zu den jazzigen Beats tappt. Gustafsson und sein Orchester kommen dabei jederzeit authentisch rüber, wenn er in "Busy Bee" singt: "I've got the fox-den blues and no way to cure it"; man nimmt ihm das sofort ab. Klar, dass das feinfühlige, fast schon schmalzige Sax diesen Zustand noch verstärkt. Ich brauche Whisky und Zigaretten!

Das fast neun Minuten lange Melancholie-Ungetüm verwandelt sich gegen Ende in ein lässig treibendes Jazzexperiment, das den Song aus seiner traurigen Monotonie befreit und ihm so eine unerwartete Wendung gibt. Das mit Streichern und Akustikgitarren unterlegte "3rd Of December" positioniert The Book Of Daniel irgendwo zwischem eingängigem Schweden-Indiepop und verschrobenem Saddle-Creek-Sound à la Two Gallants. Trotz der Tatsache, dass sich The Book Of Daniel weit abseits jedes ausgetretenen Pfades bewegen, besitzt ihre Musik eine Eingängigkeit, die den Hörer schwelgen lässt.

Bilden "3rd Of December" und "Busy Bee" zweifellos die Höhepunkte von "Locust King", warten auch alle anderen Songs mit großen Momenten auf. In "Rabbit Boy" erweist sich Gustafsson einmal mehr als großer Geschichtenerzähler, während die Band einen Klangteppich webt, in dem man versinken möchte. "Dream On, Wildhead" überrascht dann wiederum mit Zurückhaltung. Drums, Klavier und das unausweichliche Saxophon halten sich vornehm zurück, während der Sänger aus seinem Leben erzählt: "You see the day you found me my friend, I nursed a black cloud above my head". Und immer wieder diese Gesangsmelodie, die mich fertig macht! Die letzte Strophe von "Dream On, Wildhead" gehört für mich zu den ganz großen Momenten dieses Herbsts.

Spätestens hier muss ich eingestehen, dass ich gefangen bin im musikalischen Kosmos von The Book Of Daniel. Ich beginne, an den Gospel des Saxophons zu glauben, bin betört von Gustafssons Stimme, folge dem Ruf der Gitarre und knie darnieder vor dem Altar, der das Piano ist. Diese Musik stützt, gibt Kraft, nährt, diese Stücke bilden eine Rüstung, mit deren Hilfe man sich die Löwen vom Leib hält. Ich weiß jetzt, wie ich durch den Winter komme.

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