laut.de-Kritik

Der König ist tot. Es lebe der König!

Review von

Mausetot war er, der Deathpunk. Sein König, Hank von Helvete, hatte sich (mal wieder) verpisst. Und diesmal nicht nur für einen hübschen kleinen Drogen- oder Sonstwas-Entzug, sondern für immer. Eine neue Turbonegro-Scheibe schien so wahrscheinlich wie eine Liebesnacht von Charlie Sheen mit Kardinal Ratzinger.

Doch ... seht da am Horizont: eine Gestalt. Mit Bauch. Und Bart. Und einem Organ, neben dem die Stimme von Hank wie ein laues Lüftchen anmutet. Tony Silvester a.k.a. The Duke Of Nothingsness hat es tatsächlich geschafft: Turbonegro haben ihrem Schaffen nicht nur eine weitere Platte hinzugefügt, nein, er hat dem Deathpunk wieder so richtig Leben eingehaucht.

Man könnte auch sagen, er hat den toten Körper so lange angebrüllt, bis der gar nicht mehr anders konnte als sich zu erheben. Denn eines ist klar: Auf "Sexual Harassment" werden mal ganz schön andere Saiten angeschlagen als auf den beiden Vorgängern. Genau genommen wird hier mehr geballert als jemals zuvor bei Turbonegro, früheste Proberaumzeiten vielleicht mal ausgenommen.

Schon der Opener "I Got A Knife" gibt die Richtung vor: Vorwärts. Das Gaspedal runter bis auf's Blech. Ab dafür. Never Look Back. Die Band ballert im Highspeedmodus, der Duke röhrt wie ein wildgewordener, brünftiger Höllenhirsch. "... We Will Brutalize You ...". OMG, genau so muss Deathpunk klingen, genau so. Tony, der neue Drummer Manboy und die Old Boys scheinen sich in noch nicht mal einem Jahr Probekeller schon ziemlich gut aufeinander eingegroovt zu haben.

Neben einiger Songs dieser neuen, etwas härteren Gangart finden sich auf "Sexual Harassmant" jedoch noch genug Midtempo-Sleazerock-Titel, die mit ihren schmutzigen Grooves und liebgewonnenen Euroboy-Licks nahtlos an das bisherige Spätwerk anknüpfen und eigentlich jedem Turbojünger fließend reinlaufen müssten. Mister Sister, da ist für jeden was dabei. Die Mische passt richtig gut.

Auch in seinen Lyrics lässt der Duke keine Wünsche offen: klare Ansagen zur baldigen Ausübung roher Gewalt, anzügliche Angebote an Vertreter beider Geschlechter sowie die genüssliche Verneinung aller Ansichten und Werte der westlichen Zivilisation geben sich hier die Hand. Aber immer mit Herz. Turbonegro, The Nihilistic Army. Indeed. Doch Tony findet nicht nur inhaltlich den richtigen Ton.

Denn er kann ja nicht nur grenzmelodisch brüllen der werte Herr Duke, er beherrscht durchaus das Gesangsgeschäft, wie er beispielsweise beim formidablen "Tight Jeans, Loose Leash" beweist. Auch wenn (oder gerade weil) sein Gesang doch ab und zu an das heisere Gekeuche eines gewissen Herr Kilmister erinnert, so ist seine Performance auf SH durch und durch überzeugend.

Alleine Tonys "Partytime" am Anfang ist eigentlich das Geld für "Sexual Harassment" wert. Noch eine Grußbotschaft an die Hüter der reinen Lehre des Deathpunk, die nicht akzeptieren können oder wollen, dass irgendein anderer als HvH in's Mikro von TN krakeelen darf: ihr klingt wie die verkackten alten Säcke, die mir in der U-Bahn ihr ständiges "Früher war alles besser" in Ohr leiern ... von gestern eben. Der König ist tot. Es lebe der König!

Trackliste

  1. 1. I Got A Knife
  2. 2. Hello Darkness
  3. 3. Shake Your Shit Machine
  4. 4. TNA (The Nihilistic Army)
  5. 5. Mister Sister
  6. 6. Dude Without A Face
  7. 7. Buried Alive
  8. 8. Tight Jeans, Loose Leash
  9. 9. Rise Below
  10. 10. You Give Me Worms

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3 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Tight Jeans, Loose Leash könnte auf von Monster Magnet sein.

  • Vor einem Jahr

    Das Album ist nicht schlecht, aber mir hat immer auch das sleazige an Turbonegro gefallen, und dies fehlt hier fast gänzlich. Zwar hat Tony eine gute eauhe Stimme, jedoch fehlt die Vielseitigkeit eines Hanks; letzerer konnte ein ganzes Lied durch seine Stimme tragen und allein durch seine Stimme ganze Melodieböge tragen. Dies fehlt Tony leider etwas und somit sind die Songs zwr durchweg gut, aber das Album kommt nicht an die Glanzzeiten (Apocalypse Dudes, Party Animals und ja auch Retox) ran. Für eine Newcomer Band wäre das hier top, für Turbonegro klingt es etwas zu unausgereift.

  • Vor einem Jahr

    Das Album ist nicht schlecht, aber mir hat immer auch das sleazige an Turbonegro gefallen, und dies fehlt hier fast gänzlich. Zwar hat Tony eine gute eauhe Stimme, jedoch fehlt die Vielseitigkeit eines Hanks; letzerer konnte ein ganzes Lied durch seine Stimme tragen und allein durch seine Stimme ganze Melodieböge tragen. Dies fehlt Tony leider etwas und somit sind die Songs zwr durchweg gut, aber das Album kommt nicht an die Glanzzeiten (Apocalypse Dudes, Party Animals und ja auch Retox) ran. Für eine Newcomer Band wäre das hier top, für Turbonegro klingt es etwas zu unausgereift.