laut.de-Kritik
Aufbruchstimmung und Songs wie Mini-Alben.
Review von Manuel BergerThrice setzen ihre Reise genau dort fort, wo sie vor drei Jahren auf "Palms" aufgehört haben. "The Color Of The Sky", der Aufmacher von "Horizons/East", klingt wie die logische Weiterführung des damaligen Rausschmeißers "Beyond The Pines". Die Amerikaner verbinden melodischen Alternative Rock mit Art- und Post-Rock, behalten noch einen Hauch ihrer raueren Vergangenheit und packen mit einer Stimmung zwischen Abschied und Aufbruch. Obwohl sie dabei vieles liefern, was zu erwarten war und man genau so hören wollte, merkt man dem Song wie auch dem gesamte Album den unbedingten Willen an, dennoch neues Terrain zu erkunden. Auf Basis altbewährter Fähigkeiten wagen Thrice Experimente und kitzeln neue Facetten aus ihrem Sound. Aufbruchstimmung zieht sich quer durch "Horizons/East".
Als bestes Beispiel dient "Northern Lights", das die Band nicht auf ein typisches Rockfundament stellt, sondern auf einer jazzigen Pianoline aufbaut. Hier zeigen Thrice auch, wie raffiniert und detailverliebt sie oft zu Werke gehen, ohne an Durchschlagskraft und Fokus einzubüßen. In nicht einmal vier Minuten durchlaufen sie mehrere Feel- und Tempo-Changes. Drummer Riley Breckenridge prägt die Strophen mit einem rastlosen, synkopierten Beat, während Gitarrist Teppei Teranishi ein von der Fibonacci-Folge inspiriertes Lick daddelt. Im Refrain wechseln sie zu maximaler Harmonieseligkeit, leicht angekitscht mit Shaker und getragen von Dustin Kensrues sehnsüchtig vorgetragener Balladenhook.
Dass die eigentlich so gegensätzlichen Parts von "Northern Lights" stimmig ineinander aufgehen, verdanken wir maßgeblich Breckenridges Schlagwerk und dem exzellenten Arrangement. Wenige Bands gestalten Klangräume so effektiv wie Thrice. In fast jedem Song gelingen Gänsehautmomente durch geschicktes Spiel mit Dynamik. Die verschiedenen Soundelemente reagieren in der Regel aufeinander, statt sich zu überlagern. Zur Vollendung bringen Thrice ihre Kunst schon im Eröffnungsdoppel. "The Color Of The Sky" fühlt sich dank irrem Spannungsbogen an wie ein Mini-Album. "Scavengers" greift die Energie auf und entwickelt sich zur dramaturgisch nicht minder eindrucksvollen Heavy-Hymne, die Fans jeder Phase der Band abholen dürfte. Herzstück dabei sind Dustin Kensrues unverkennbar heisere Vocals. Wie Sonnenstrahlen, die aus dem Schatten kriechen, tasten sie die Nischen ab, bevor sie in einer erlösenden Gefühlsexplosion alles in gleißendes Licht tauchen.
Mit solchen Statements im Rücken fällt es leicht, anschließend die Intensität etwas zu lockern und Neues auszuprobieren. Da wäre zum einen das bereits erwähnte "Northern Lights". Aber auch der synthetische Beat von "Robot Soft Exorcism" (in 7/8-Takt) und der stampfenden Post Hardcore Blues "Buried In The Sun" überzeugen an dieser Front. Bei letzterem ist der Schellenkranz ist schon zur Stelle, es fehlen eigentlich bloß noch die Handclaps. Mit geschickten Brückenschlägen zur Kernkompetenz und in die Vergangenheit gleichen Thrice die Experimente aus – unter anderem bei "Summer Set Fire To The Rain", wo Kensrue zum Schluss sogar shoutet.
Ein paar schwächere Songs haben sich allerdings doch eingeschlichen. Dem Crescendo von "Still Life" fehlt der Saft, das Stück selbst bleibt formelhaft. "Dandelion Wine" kann seine Dringlichkeit nicht auf Dauer aufrecht halten. "The Dreamer" punktet mit gutem Refrain, gerät aber insgesamt arg vorhersehbar.
Aufgrund der Stärke ihrer Vergleichsgrößen fallen die erwähnten Ausreißer nur marginal ins Gewicht. Man könnte "Horizons/East" schon nach dem ersten Song abschalten und wäre vollends befriedigt. In der Realität drückt man am Ende wahrscheinlich eher den Replay-Knopf, was zum Teil auch am ungewöhnlichen Schlusstrack liegt. "Unitive/East" ist kein Rausschmeißer, sondern einer klassischer Atmosphäre-Aufmacher, der Lust darauf schürt, sich in eine neue Welt hineinziehen zu lassen. Also nochmal von vorn bitte!
5 Kommentare mit 7 Antworten
Ein weiteres Juwel in der Diskographie dieser Überband.
Danke für die kompakte Expertise. Hab sie noch vor mir, aber wenn's nicht genau in dem blinden Fleck stattfindet, wo Du deine Meinung zu Coldplay aufbewahrst, kann das so schlimm nit erden.
Thrice sind auf der anderen Seite allerdings eine sehr beliebte, weil sichere Bank unter Blindkäufer*innen.
Twice natürlich ebenso..
Ice-T, Ice Cube und Vanilla Ice bitte nicht vergessen!
Ja souli, Thrice sind für mich auch eine Bank von Band, wo ich mir sicher sein kann, dass ein neues Album irgendwas zwischen ziemlich gut und traumhaft sein wird.
Das was der User mit der exzellenten Band im Namen hier über Thrice sagt, kann ich nur dick unterstreichen! Punkt
Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.
https://www.youtube.com/watch?v=k0CukaaPmpk
Bin gespannt, letzte Platte war nice
Die Band hat mir noch nie etwas gesagt. Keine eigene Linie, total öde.
Dann solltest du Busdriver hören
Ob ich denen nochmal eine Chance geben sollte? Irgendwie haben sie für mich je mehr an Reiz verloren je ausgereifter sie wurden ^^ the artist in the ambulance ist nach wie vor meine Nummer 1, vheissu wurde Ich schon nicht mehr so warm mit, beggars hatte dann nochmal ein paar höhepunkte, aber so richtig konnten mich auch die angepriesen späten alben nicht mehr catchen
Was ^ sagt. Das hier ist vielleicht besser produziert, hat aber weniger Drive als alte Sachen. Major/Minor hat teilweise noch geknallt.