laut.de-Kritik

Death Metal zum Zehennägel schneiden.

Review von

What's new in Mordlusthausen? Die blutige Unterwäsche, die Six Feet Under aufhängen, könnte schon mal wieder eine Frischekur vertragen. Bei den Riffs, die Chris Barnes auf "Torment" teilweise als neu verkaufen möchte ("Knife Through The Skull"), fragt man sich schon, ob der Ruhestand nicht überfällig ist. Aber warum eigentlich den Status als AC/DC des Death Metal aufgeben, wenn man noch ein bisschen weiterquälen kann?

Und wenigstens auf seine Texte ist Verlass. Der Opener startet die Verstümmelung mit Gliedmaßengehacke und tropfenden Augenlöchern. Wie gewohnt kriegt man die Hälfte eh erst durch einen Blick ins Lyric-Sheet mit. Zumindest im Nuschel-Growling macht Barnes niemand etwas vor. Dabei ging er allerdings auch schon mal weniger monoton zu Werke. Abgesehen vom "Schizomaniac"-Refrain herrscht in der Regel Durchzug. Teilweise könnte man wohl Instrumental- und Vocalspur einzelner Songs vertauschen und niemand würde es merken (z.B. "Sacrificial Kill" vs. "Knife Through Skull").

Erst im Lauf der zweiten Hälfte fangen sich Six Feet Under und bieten wenigstens solide Durchschnitts-Genre-Kost. In "Obsidian" schleicht sich Jeff Hughells Bass durch den Mix nach oben und sorgt für ein nettes Outro – das die Band zwar mangels Anschlussideen nach wenigen Sekunden abmurkst, aber auf "Torment" nimmt man, was man kriegen kann.

"Bloody Underwear" ist nicht nur wegen seines Titels ein Highlight der Platte. Auch das Eröffnungsriff und die anschließenden Doublebass-Attacken ballern schön. Dann offenbart Barnes aber wie in den meisten anderen Tracks eben angesprochene Schwäche: Ein, zwei gute Ideen pro Song reichen halt nicht, um diesen auf drei, vier Minuten zu strecken. Das weiß auch der Grunzer, aber kompensiert das mit halbgaren Schnellschüssen.

Häufig hat man das Gefühl, die Band wollte einfach möglichst schnell zum Ende kommen. Fehlen die Ideen, kleistert man eben einfach das nächstbeste Filler-Pattern rein. Und so stagniert "Bloody Underwear" nach guten Anfang bald in müden Staccato-Grüppchen, die Barnes am Mikro echot.

Mit "Roots Of Evil" gelingt zum Schluss sogar ein Track, an dem ich nichts zu mäkeln habe. Ohne den Herren zu nahe treten zu wollen: Ich wage zu behaupten, dass Barnes mit etwas mehr Motivation und Herzblut diese Qualität auch auf Albumlänge halten hätte können. Aber mit "hätte" ist das eben immer so eine Sache...

Für ein Standard-Durchgebläse kann man "Torment" zweifellos auflegen – es eignet sich sicher wunderbar als Hintergrunduntermalung am Arbeitsplatz oder zum Zehennägel schneiden. Zieht wenig Aufmerksamkeit auf sich, man kann sich auf andere Dinge konzentrieren und vielleicht parallel noch ein paar Mordfantasien austüfteln. Und wenn "Roots Of Evil" schlussendlich aufweckt, weiß man: Gleich ist Feierabend!

Trackliste

  1. 1. Sacrificial Kill
  2. 2. Exploratory Homicide
  3. 3. The Separation Of Flesh From Bone
  4. 4. Schizomaniac
  5. 5. Skeleton
  6. 6. Knife Through The Skull
  7. 7. Slaughtered As They Slept
  8. 8. In The Process Of Decomposing
  9. 9. Funeral Mask
  10. 10. Obsidian
  11. 11. Bloody Underwear
  12. 12. Roots Of Evil

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11 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Als Fan der Band würde eher zu 2/5 Punkten tendieren. Die Kritik hier trifft es schon ganz gut. Es gibt kaum Neues zu entdecken, hat aber auch keiner erwartet. Dann schon eher, dass die Band wieder in ganz schlecht Gefilde abdriftet, wie beim Opener. Viel zu abgehackt und sperrig und das von einer Band, deren Groove immer so gepriesen wird. Auch die 3 folgenden Lieder bleiben gar nicht hängen. Das kommt erst bei Skeleton, wo der Marsch-Ryhthmus wirklich mal was anderes ist und auch sonst bleibt das Lied mit seiner kernigen Art im Ohr. Ebenso wie Slaughtered as they slept und Roots of Evil. Der Rest... Durchschnitt, der bei mir tatsächlich auf der Arbeit mal kurz so dahin plätschert. Eigentlich müsste man mittlerweile hier der 13 und Commandment mehr Punkte geben.

  • Vor 2 Monaten

    Fahrstuhlmusik für das Deathmetal Altersheim.