laut.de-Kritik

Die Zukunft des deutschen Gangstaraps? Die Ansätze stimmen.

Review von

Über mangelnde Reputation kann sich Straßenrap in hiesigen Gefilden kaum beschweren - auch wenn die ein oder andere hauptstädtische Ausnahme dem kontinuierlichen Vorpreschen facepalm-wirksam entgegenwirkt. Im Kern verbindet die Akteure von Hamburg über Frankfurt bis Stuttgart jedoch ein und derselbe Gedanke: Echtheit. Nichts anderes dürfte der Grund dafür gewesen sein, weshalb das Duo Numero Uno Celo & Abdi auf den Stuttgart-Feuerbach-Native Nimo aufmerksam wurde.

Der Genannte reiht sich nahtlos in die Riege hungriger (ja, darüber gibt schon alleine der Output Aufschluss) und vor Selbstvertrauen strotzender Rapper ein, die in D-Rap anno 2016 zweifelsfrei zu den raren Movements zählen, bei denen sich auch tatsächlich etwas bewegt (no homo). "Habeebeee" zeichnet dabei einen vielfältigen Entwurf von zeitgeistigem Straßenrap, der neben Aufmuckerei noch ganz andere Attitüden kennt.

Demnach zeigt sich Nimo bereits auf seiner ersten offiziellen Veröffentlichung bemerkenswert selbstreflektiert. Mit gerade mal 20 Jahren scheint Nimo bereits den Turnaround vom kriminellem Hustle hin zu leidenschaftlicher Musik hinter sich zu haben. Voller Inbrunst verkündet Nimo das Credo: "Nie wieder wegen Raub und Erpressung vor dem Richter stehen / Nie wieder geh ich mit Achtern und Fußfesseln runter in' Bunker und wart' auf mein Urteil".

Neben seinem druckvoll stimmlichen Biss kommen Nimo besonders die Produktionen von weniger illustren Namen wie Sott oder Jimmy Torrio zugute. Das Soundbild ist - wie sollte es bei einer Anzahl von 23 Songs auch anders sein – zwar alles andere als kohärent, dennoch brennen sich die Ausreißer nach oben ohne Umwege ins Gedächtnis. Grund dafür ist weniger die Ausgefallenheit der zum Großteil trappigen Versatzstücke amerikanischer wie französischer Vorbilder, vielmehr zahlt sich deren sture Geradlinigkeit aus.

Mit mehr Schnörkeln kommen Nimos Adlib und Flowgame daher. Ganz gleich ob catchy Interludes, instant-getrademarkte Aussprüche oder aberwitzige Betonungen ("Koka-iiiiiiiin"") – der junge Stuttgarter versteht es wie nur wenige seiner Kollegen, mit Stimmeinsätzen fernab von schnödem 'Gespitte' eine für deutschen Rap fast schon unübliche Unberechenbarkeit zu erzeugen. Diese schlägt allerdings genauso schnell in Anstrengung um. Der Grund dafür ist die schiere Anzahl an divergenten Songkonzepten, von denen die meisten so oder so ähnlich bereits existieren.

Natürlich rechtfertigt allein schon die Bezeichnung "Mixtape" (vermarktet wird "Habeebeee" als Album, versteht sich) eine lose Zusammenstellung von Ideen. Stehen oder fallen wird die "Zukunft deutschen Gangstaraps" (Zitat Falk Schacht) trotzdem mit der ersten großen Platte. Denn auch wenn die Ansätze stimmen und die Fanbase bereits generiert ist, sind Fleiß und Talent noch längst kein Indikator dafür, wie richtungsweisend Nimos Musik in absehbarer Zeit für die hiesige Szene sein wird.

Trackliste

  1. 1. Welcome In My Dunya
  2. 2. Ich Mach Es Wie
  3. 3. Komm Ran
  4. 4. Lass Mich Wissen (feat. Olexesh)
  5. 5. Idéal
  6. 6. Nie Wieder (feat. Abdi)
  7. 7. Flouz Kommt Flouz Geht
  8. 8. Wo Du Bist
  9. 9. Who The Fuck Is This?!
  10. 10. Camp Nou (feat. Celo)
  11. 11. Im Park
  12. 12. Vollautomatik (feat. Hanybal)
  13. 13. Bitter
  14. 14. Irgendwie Normal
  15. 15. Dunya
  16. 16. Dolla Dolla (feat. Capo)
  17. 17. Black Domina Day
  18. 18. Weil Ein Adler Nicht Mit Tauben Fliegt
  19. 19. Leck Sibbi
  20. 20. Fake (feat. Brate)
  21. 21. Lass Knospen Regnen (feat. Soufian)
  22. 22. Alupacks Ernähren Mich (feat. O.G.)
  23. 23. Türen Schliessen Sich

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LAUT.DE-PORTRÄT Nimo

Kiffer, Knacki, Künstler? Nimo ist von allem etwas. Manche halten ihn gar für die Zukunft des deutschen Straßenrap, noch bevor er 2016 sein erstes …

6 Kommentare mit 17 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Mittlerweile muss der obligatorische Fler-Diss wohl immer sein. Finde ich ziemlich kindisch, aber nun gut.

    Ich wollte usprünglich auch eine Review zu diesem Machwerk verfassen, es scheiterte aber an genau 3 Dingen

    1. kann ich mir diesen Huthampel nichtmal einen halben Track lang geben, bis er mich vollends mit seinem absurden und nervösen Vortrag bis in die Totalen nervt, das ist unrund, das macht keinen Spaß und grenzt an Beatverschwendung

    2. bin ich übersättigt vom immergleichen, ausgelutschten Celo&Abdi-Sound, der dringend eine Frischzellenkur benötigt. Die sind seit 2012 musikalisch stehengeblieben, da helfen auch frische Fußballernammen nichts und btw einen Douglas Costa spricht man nicht aus wie eine bekannte Parfümerie

    3. wär hier mal wieder weniger mehr gewesen (ein Umstand den ich mir selber oft nachsagen lassen muss, aber ich verlange ja auch kein Geld ;) ) 23 Tracks mit teils sehr schwankender Qualität, ein Hanybal der sich seit seinem Topalbum featuretechnisch gehen lässt, uninteressante Texte, abgekupferter Flow und Betonungen und ein generell sehr egaler Hauptprotagonist versalzen mir hier das neueste Azzlacksüppchen gewaltig

    Das Label muss nun sehen wohin die Reise geht, Haftbefehl alleine mit einem Release pro Jahr kann nicht dauerhaft die Kohlen aus dem ziemlich ausgebrannten Feuer holen

    • Vor einem Jahr

      Ist doch gar nicht Azzlack, oder? Oder ist das ein Unterlabel wie Kopfticker von AON? Hany, Olexesh, Nima...naja, schon die Azzlack-Sparte, zugegeben.

      Wie auch immer, AMK des Deutschraps, der Typ.
      Ja, er rappt nicht schlecht, aber trotzdem uninteressant, zuviel unberechtigter Hype.

    • Vor einem Jahr

      Nimo ist bei den Azzlacks gesigned genau wie Hanybal

      OL ist bei dem 385ideal aber irgendwie verschwimmen da die Grenzen oft ;)

    • Vor einem Jahr

      Die Klickzahlen sind schon immens. Er hat innert kürzester Zeit YT Videos in Millionenhöhe. 100k FB, 50 K Insta. Ist schon krass was die geleistet haben.

    • Vor einem Jahr

      Klar, Hut ab (haha) vor der Marketing-Leistung, das können die, mich kriegen sie aber diesmal nicht

    • Vor einem Jahr

      Das hat mit Hip Hop nichts zu tun.

    • Vor einem Jahr

      Nee, Nimo ist bei 385i ziemlich sicher.

    • Vor einem Jahr

      Auf dem Cover (gegoogelt) steht "385i präsentiert" und diverse Artikel schreiben er wäre dort unter Vertrag. Aber die Azzlacks habe da sicherlich die Finger mit drin

    • Vor einem Jahr

      Klar. Ich kenne ca. vier Songs und darin wird 385i zusammen ca. 73mal benannt. "Idéal" fand ich gut und "Nie wieder" ist solide, aber auf Dauer nervt das schon und manchmal fällt dieses Singsangbetonungsverschiebungsding schon ins Lächerliche ab.

    • Vor einem Jahr

      Ich berufe mich auf Artikel und Aussagen diverser Onlineseiten, dass er bei den Azzlacks ist, jedoch, und da hast du recht, gibts es auch einige andere Quellen die 385i angeben, dazu noch das Cover...
      Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo dazischen und die kennen sich so langsam in ihrem Laden selbst nicht mehr aus wer jetzt wo ist

    • Vor einem Jahr

      Okay, Rolle zurück
      385i ist es. Mea Culpa. hängt aber sowieso alles in diesem Netzwerk zusammen, da ist dann fast schon egal wies offiziell heißt

      Als Entschädigung gibts später Free Sinan-G

    • Vor einem Jahr

      WHOOOOOHOOOO

    • Vor einem Jahr

      Wir brauchen einfach so einen Garret-Leidensblog, wo er jede Woche die größten Mistalben irgendwelcher Kanaks bis zum Erbrechen durchhören muss. :D

    • Vor einem Jahr

      garret als der nachfolger von "herrn merkt", das wäre was :)...ansonsten sehe ich das genau wie fister und garret...diese krampfhafte veränderung der sprache durch arabo-französische einflüsse war anfangs bei c+a noch nice...mittlerweile nervt es nur noch. finde von dem typen auch die stimme nicht krass genug. kann den hype nicht teilen

  • Vor einem Jahr

    Mir zu viel von allem. Sehr frische Art zu rappen, aber viel zu anstregend auf die Länge...

  • Vor einem Jahr

    Copy+Paste von mir vor 14 Tagen:

    Hab mir das Album mehrmals angetan, Beats ganz gut, Inhalt teilweise auch. Flow recht flexibel, manchmal, naja, wir sagen mal unerwartet. Ständiges 229 (auf fr) Geschreie nervig. Gezwungen französische Betonung und "Habeebeeeeeee/ andere vereinzelte Floskeln auf meist arabisch die mittlerweile jeder Malte-Cedric inflationär hinscheißt um auf Kanakiş und StreetCred zu tun" + nervige Hooks und irritierender Stimmeinsatz macht es aber auf Dauer für mich nicht hörbar. 2/5 Sterne. Würde mich mal interessieren ob er überhaupt französisch/arabisch spricht. Wirkt wie ein weiterer Aufguss eines Süppchens aus Celo+Abdi, Haft und einer nicht zählbaren Masse austauschbarer Rapper, die ein Stück des Kuchens der o.g. abhaben wollen. Dazu n blöder Hut, trappige Beats und irgendwas mit Drogen, fertig ist Nachwuchstalent XYZ.

  • Vor einem Jahr

    Hatte Nimo ja an anderer Stelle dezent gelobt. Dabei bleibe ich auch, beschränkt sich allerdings wirklich nur auf einige wenige ausgewählte Tracks oder sogar Parts, da es schon auf die 3 Minuten hin oft sehr stark schwankt.

    Als Album eher uninteressant, vielleicht in 1-2 Jahren dann, sollte er sich so lange halten.

  • Vor einem Jahr

    Eine EP mit den 5-6 stärksten Tracks dieser Scheibe wäre evtl. sogar eine Empfehlung wert gewesen. Aber auf Dauer ist der Vortrag echt kaum zu ertragen. Beats sind bis auf ein paar Ausnahmen auch nur Durchschnitt. Am Ende das typische halbgare 385i-Release.

    2/5

  • Vor einem Jahr

    Gestern mal diesen Nimo gehört. Gar nicht meins, quasi unhörbar von Stimme, Betonung und Flow-Wechseln her. Mag was drauf haben, turnt mich aber gar nicht.