Nach über 15 Jahren wird der Kult-Player Winamp eingestellt. Im iTunes-Zeitalter ist er nie angekommen.

Konstanz (mis) - Der Mediaplayer Winamp wird eingestellt. Nein! Doch! Verständnislosigkeit in den Gesichtern der Redaktionskollegen unter 25 Jahren. Und tatsächlich: Im Jahr 2013 ist es nicht mehr ganz so selbstverständlich oder gar notwendig, diese Software zu nutzen wie noch Anfang der Nullerjahre.

Noch ein Jahr früher als unser Musikmagazin erschien 1997 die von der Firma Nullsoft programmierte Shareware auf dem Markt und entwickelte sich rasant zu einem der beliebtesten Windows-Programme. Es war eine Zeit, in der die SMS-Funktion beim Handy als wegweisend empfunden und die MiniDisc als Gadget der Zukunft gepriesen wurde.

Derweil sorgte das Stichwort Napster für Angst und Schrecken bei Plattenfirmen und Metallica. Kurz: Das MP3-Zeitalter befand sich in der Goldgräberstimmung und der 1999 für 80 Millionen US-Dollar von AOL übernommene Konzern Winamp war mittendrin. Sein Slogan "It really whips the llama's ass" kannte damals jeder Nutzer.

Winamp.com und die dazugehörigen Web-Dienste werden ab dem 20. Dezember nicht mehr verfügbar sein, lautete nun die schlichte Grabrede auf der entsprechenden Homepage. Man bedanke sich bei allen Nutzern für über 15 Jahre Unterstützung.

Mit iTunes und der zunehmenden Popularität diverser Streaming-Dienste haben sich in den letzten Jahren die Hörgewohnheiten der Konsumenten radikal geändert.

Freeware-Anbieter wie MediaMonkey stets zwei Schritte voraus

Eine Festplatte voller Downloads, abspielbar zum Beispiel auf Winamp, hatte als Prestigeobjekt längst ausgedient. Letztlich half es Winamp auch nicht, seine einstmalige Vorreiterrolle mit Online-Verknüpfungen zurück zu erobern.

Selbst Freeware-Anbieter wie MediaMonkey waren dem einstigen Player-Primus um zwei Schritte voraus, etwa wenn es darum ging, Inhalte des MP3-Players oder Smartphones zu organisieren und mit der Medienbibliothek des PCs abzugleichen.

Berichten zufolge setzte Winamp zuletzt noch rund sechs Millionen US-Dollar im Jahr um. Die aktuellste Version 5.66 steht bis zum 20. Dezember als Download bereit.

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21 Kommentare mit 20 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Ich sage nur: foobar. Das Schweizer Messer für die Musiksammlung. Winamp nehme ich schon lange nicht mehr.

  • Vor 2 Jahren

    Eine Festplatte voller Musik hat ausgedient. Hm das sehe ich aber ganz anders. Ich hab ebenso viel Reale Musik in Form von CD/Vinyl die müssten ja dann seit Jahrzehnten ausgedient haben.

  • Vor 2 Jahren

    Der Schreiber dieses Artikels ist sicher ein Apple Fan und hat Winamp nie laufen gesehen sonst würder Er diese Krücke von iTunes [ Ich kenne keine schlechter Sync Software für Musik] so hoch lobpreisen.
    Das Prinzip der Verwaltung großer Musiksammlungen macht kein Programm besser. Abgesehen davon, mein Winamp hat mal eben schnell CD, s gebrannt, Musik auf meine mobilen Android Geräte kopiert, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, Radio gehört, MP3 getaggt und auf Partys mit hilfe eines Beamers geniale Effekte gezaubert, während die Musik gespielt hat.

    Abgesehen von den tollen Sachen die ich eben schon beschrieben habe konnte ich mein Winamp mit vielen Plugins grenzenlos nach Lust und Laune erweitern. Gut, es hatte keine eigene Musik verkauft, das mußte mein Winamp auch nicht leisten, Shops gibt es wie Sand am Meer, da muß mein Player mich nicht versklaven wie iTunes.

    Ich vergaß noch zu erwähnen, winamp konnte auch Filme abspielen und NEIN, ich bin kein Apple Hasser, ich hatte auch Apple Geräte und weiß was ich schreibe.

    WINAMP ist nicht tot, im gegenteil, ich freue mich schon auf den Nachfolger der 5.66x Version, der neue Inhaber ist Meister seines Fachs, da kann nur etwas großartiges bei heraus kommen.

    Chris