Über sein Werk weiß man alles, über sein Leben nichts: Gar nicht so einfach, diesen Mann zu feiern.

Duluth (joga) - Bob Dylan scheint der einzige (musikalisch interessierte) Mensch auf der ganzen Welt zu sein, der nicht weiß, wie berühmt Bob Dylan ist. Bis heute fliegt er bei seinen Konzertreisen meist Economy-Class und steigt am Flughafen wie alle anderen in den Bus statt in die Limo.

Auskunft über sein Privatleben gibt er grundsätzlich nicht, jede Art von Personenkult ist ihm verhasst. In seiner Autobiografie "Chronicles" beschreibt er detailliert die Ausstattung seines Wohnzimmers, sein Gefühlshaushalt jedoch und das Interieur seines Kopfes geht niemanden etwas an.

"Do You Know, Mr. Who?"

Produkt dieser Verweigerungshaltung sind Gerüchte wie die gern kolportierte Zahl von 20 Kindern mit verschiedenen Frauen und die sogenannten Dylanologen, die jede Zeile des Meisters auf ihren philosophischen oder biografischen Gehalt abklopfen und jede noch so kleine Variation im gewaltigen lyrischen Oeuvre Dylans wahrnehmen.

So ließ sich unlängst auch der Vorwurf entkräften, Dylan habe sich der chinesischen Zensur gebeugt: Schließlich habe er in der "Ballad of a Thin Man" nach der Zeile "Something is happening here/ But you don't know what it is" nicht wie im Original "Do you, Mr. Jones?" angefügt, sondern - in Anspielung auf die chinesiche Führung - "Do you, Mr. Hu?".

"Glück ist ein wertloses Wort"

Der Mensch schweigt, das Werk ist sperrig, also stürzen sich die Medien anlässlich des 70. Geburtstages von Robert Allen Zimmerman am heutigen Dienstag auf die wenigen privaten Äußerungen, und seien diese auch noch so alt. Schlagzeilen macht dieser Tage ein Interview, das erst jetzt bekannt wird, obwohl es bereits 1966 (von Dylans Freund Robert Shelton) geführt wurde.

Darin äußert sich Dylan erstmals zu seiner Heroinsucht in den frühen 60ern ("Ich war wirklich sehr, sehr abhängig") und spricht von Selbstmordgedanken, die immer wiederkehren. Das gibt schöne Schlagzeilen, in Wahrheit aber blieb Dylan sich auch in diesem Interview treu. Was ihn glücklich machen würde, fragt Shelton, und Dylan antwortet: "Ich bin glücklich. Aber Glück ist ein wertloses Wort."

Wir gratulieren mit 'Songs by Bob Dylan':

Weiterlesen

laut.de-Porträt Bob Dylan

"Ich hatte eine Frau und Kinder, die ich mehr liebte als alles andere auf der Welt. Ich versuchte, für sie zu sorgen, keinen Ärger zu haben, aber die …

3 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Es wäre schön, wenn es zu dem angesprochenen Interview einen Link gäbe.

    Generell wäre es eine gute Sache, wenn laut.de mehr weiterführende Links in die Meldungen einfügen würde (wenn schon nicht auf die Original-Quellen).

  • Vor 6 Jahren

    @Ulysses84 (« Es wäre schön, wenn es zu dem angesprochenen Interview einen Link gäbe.

    Generell wäre es eine gute Sache, wenn laut.de mehr weiterführende Links in die Meldungen einfügen würde (wenn schon nicht auf die Original-Quellen). »):

    Bei laut.de herrscht eher das Niveau von der Bild-Zeitung oder der Welt-Online. Vlt solltest du deinen Vorschlag nochmal in der nächsten DSDS-Staffel einbringen. :D
    @topic: Die Dylan-Songs die von anderen gecovert wurden gefallen mir in den Cover-Versionen viel besser.