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Betty Davis - "Betty Davis"

Im Grunde ist es unentschuldbar, dass Betty Davis in unserer Meilenstein-Rubrik noch immer fehlt. Es passt aber zu ihrer Lebensgeschichte: Die Aufmerksamkeit der breiten Masse (und damit einhergehend auch der finanzielle Erfolg) blieb dieser Frau zeitlebens verwehrt. Dabei hat sie größere Fußstapfen in der Musikgeschichte hinterlassen als mancher ihrer männlichen Kollegen.

Sie war es, die Miles Davis (mit dem sie Ende der Sechziger kurzzeitig verheiratet war) Jimi Hendrix und Sly Stone vorgestellt und ihren deutlich älteren Gemahl an damals aktuelle Musik heran geführt hatte, insbesondere an Psychedelic Rock. So sang sie nicht nur auf seinem Album "Filles De Kilimanjaro" und zierte obendrein das Cover, sie beeinflusste auch maßgeblich die musikalische Entwicklung der Jazz-Legende. Sehr gut möglich, dass das legendäre "Bitches Brew" ohne Betty Davis' Einfluss ganz anders geklungen hätte. Angeblich hätte es sogar anders geheißen: Es geht die Mär, Miles habe die Platte ursprünglich "Witches Brew" nennen wollen.

Bettys eigene Karriere dagegen kam nie so recht in Schwung. Keins der drei Alben, die sie in den Siebzigern veröffentlichte, verkaufte sich besonders gut. Ein viertes, 1976 aufgenommen, erschien dann gar nicht mehr. (Diese Aufnahmen fanden erst über drei Jahrzehnte später ihren Weg ans Licht der Öffentlichkeit.) An der Musik liegt es definitiv nicht, dass Davis nicht durchstartete. Schon die Songs ihres selbstbetitelten Debüts, die sie allesamt selbst geschrieben hatte, strotzen nur so vor Groove: "Betty Davis" birst schier vor Funk-Rock erster, weil allerderbster Güte.

Da Betty Davis sich überhaupt nicht gewillt zeigte, irgendein Blatt vor den Mund zu nehmen oder sonstwie irgendeiner Klischeevorstellung davon zu entsprechen, was sich für eine Frau gehöre oder nicht, eckte sie unentwegt überall mächtig an. Mit ihrer sexuell aufgeladenen Bühnenpersönlichkeit war sie insbesondere religiösen Eiferern ein steter Dorn im Auge, TV-Präsenz konnte sie im angeblichen land of the free so natürlich vergessen.

Als starke, kompromisslose, und dabei unverkennbar weibliche Künstlerin war Betty Davis ihrer Zeit schlicht um Jahrzehnte voraus. "Sie war die erste Madonna", blickte ein gewisser Carlos Santana einmal auf seine verkannte Kollegin zurück, "bloß dass einem Madonna neben Betty Davis wie Marie Osmond vorkommen würde. Betty war eine wirklich wilde Black Panther-Frau. Betty Davis war absolut unbezähmbar."

Ja. Sie kriegt ihren Meilenstein. Bald. Versprochen.

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