laut.de-Kritik

Wer will hässliche Fratzen bei Tageslicht sehen?

Review von

Aus, Schluss und vorbei. Ministry landen in der Mottenkiste, Onkel Al süffelt seinen Rotwein nun beim Ablauschen und Schreiben von Songs für RevCo oder diverse andere Projekte. Der Bulldozer, den er 1987 zusammen mit Paul Barker und dem Album "The Land Of Rape And Honey" ins Rollen gebracht hat, liegt nun in seinen Einzelteilen in irgendeinem Schuppen im Outback von Texas.

Das letzte Ton- und Bilddokument in Form von "Adios ... Puta Madres" dokumentiert die letzte Tour unter dem Namen "C U LaTouR 2008". Zwar saß bei diesen Dates nicht mehr der Slipknot-Wunderknabe Joey Jordison hinter den Drums, aber Aaron Rossi (der genau wie Tommy Victor sonst bei Prong zockt) macht seinen Job ebenfalls verdammt gut.

Al Jourgensen schöpft live ohnehin wieder aus den Vollen. Neben den genannten Prong-Recken hat er sich Gitarrist Sin Quirin (Society 1/RevCo), Keyboarder John Bechdel (False Icons) und Basser Tony Campos (Static X) eingepackt.

Letzterer nimmt somit die Stelle von Paul Raven ein, der Ende vergangenen Jahres im Schlaf starb. Mit dem Mann macht man aber auch nicht viel falsch. Der Typ geht locker als Kerry King-Double durch und gibt schon allein optisch die Axt im Walde. Auf ihre Art sind Ministry mindestens ebenso brutal und intensiv wie Slayer. Brachialer als Songs wie "Let's Go", "LiesLiesLies" oder "New World Order (N.W.O.)" kann man kaum werden und live bilden Ministry spätestens seit Als überwundener Drogensucht eine Macht für sich.

Wieviel von dem Sound auf der DVD tatsächlich live von den Instrumenten stammt, wage ich nicht zu beurteilen. Vieles kommt mir ein wenig zu sauber und differenziert rüber, als dass das wirklich direkt aus den Reglern des Live-Mischers kommen könnte. Außerdem gerät die Songauswahl durchaus ärgerlich, da hauptsächlich die letzten drei Alben von Ministry berücksichtigt werden. Aber immerhin sind hier mehr Tracks vertreten als auf der Live-CD, die vor wenigen Monaten erschien.

Die Qualität der Videoaufnahmen liefert keinen Anlass für Beschwerden. Während der Opener noch aus Aufnahmen von einer Hallenshow und einer Open Air-Bühne zusammen geschnitten wurde, konzentrieren sich die nächsten Songs auf die Aufzeichnungen von der Open Air-Bühne. Keine schlaue Entscheidung meines Erachtens, da die Hallenshow deutlich intensiver wirkt. Wer will denn Ministry bei Tageslicht sehen? Da erkennt man die hässlichen Fratzen der Jungs viel zu gut.

Ab "Watch Yourself" folgt Bildmaterial eines weiteren Open Airs, auf dem die Käfigkonstruktion fehlt. Außerdem ist es endlich dunkel, und Lightshow und Leinwände kommen zum Einsatz. Für den Zugabenteil ab "New World Order" greifen sie allerdings wieder auf die Methode zurück, die Videos aus mehreren Shows zusammen zu schneiden. Wenn man schon Material diverser Gigs zur Verfügung hat, wären ein paar Songs mehr doch wohl drin gewesen.

Warum man für "Fuchi Requiem", das gerade mal eine dreiviertel Stunde dauert, eine zweite DVD beilegen muss, erschließt sich mir nur schwerlich. Das hätte mit Sicherheit auch noch auf den ersten Silberling gepasst. Wirklich viel Neues erzählen die Herren darauf auch nicht. Dass Al mittlerweile in the middle of bumfuck lebt, ist bekannt, dass US-Bands in Europa sich gern über den Reisekomfort beschweren, wissen wir mittlerweile auch schon.

Dennoch gibt es ein, zwei Momente, die durchaus ihren Reiz besitzen. So wundert sich beispielsweise Tony Campos vor allem darüber, dass für die Tour ein ganzer Monat für die Proben angesetzt wurde. So lange sitzt man sich bei Static X sonst wohl nicht auf der Pelle.

Trackliste

Live

  1. 1. Let's Go
  2. 2. The Last Sucker
  3. 3. Waiting
  4. 4. Worthless
  5. 5. LiesLiesLies
  6. 6. Watch Yourself
  7. 7. Life Is Good
  8. 8. No W
  9. 9. Rio Grande Blood
  10. 10. Seniro Peligro
  11. 11. So What
  12. 12. New World Order (N.W.O.)
  13. 13. Just One Fix
  14. 14. Thieves
  15. 15. What A Wonderful World

Fuchi Requiem

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