laut.de-Kritik

Ein Haufen auf die Juice, ein zweiter auf die Backspin.

Review von

Wenn das Freundlichste, das einem zu einem Album einfällt, in der Feststellung gipfelt: "Die Songs sind angenehm kurz", dann hat einen das Werk wohl nicht nachhaltig vom Stuhl gerissen. Schade, eigentlich. Dabei versucht Metrickz redlich, über "Marketing und Gags" hinaus einen Blick auf das große Ganze zu erhaschen. Um jedoch, wie angestrebt, die Deutschrap-Welt aus den Angeln zu heben, mangelt es "Ultraviolett II" an vielem.

"Großartiges Storytelling" verspricht das Begleitschreiben, wieder einmal eins dieser Sorte, bei dem ich dreimal überprüft habe, ob es wirklich der Platte beilag, die ich gerade höre. Tatsächlich erzählt Metrickz mehrfach davon, welch großen Haufen er auf die Juice (und welchen etwas kleineren auf die Backspin) zu setzen gedenkt. Irgendwann einmal, wenn er ausreichend Seitenhiebe in die entsprechenden Richtungen ausgeteilt hat, schätze ich.

Abgesehen davon ersäuft "Ultraviolett II" in gepflegtem Fernweh und Zweisamkeits-Kitsch wie "Alles Perfekt": Zur Düdeldü-Melodei mit Chimes schmachtet Metrickz sich da schier einen ab. Chimes, örks. Ich hasse dieses Instrument, es übt auf mich zuverlässig eine Wirkung aus wie auf manch anderen Kollegen Autotune: Würgereflex garantiert. Wo wir gerade über dem Eimer hängen: "Seitdem du da bist, ist alles perfekt und ich reis' nicht mehr umher." Was niemanden davon abhält, in "Wir" kurz darauf zum Aus- und Aufbruch zu blasen: "Nimm' meine Hand, dann machen wir uns aus dem Staub." Na, gute Reise, die Herrschaften. Nach New York gehts da lang.

Einzig "Nicht Wie Du" birgt überhaupt einen Hauch von Storytelling: Metrickz verarbeitet darin die schwierige Beziehung zu einem erst gewalttätigen, dann abwesenden Vater, der beim Versuch der Wiederannäherung nicht nur einen Korb kassiert, sondern diesen gleich mit Schmackes ins Gesicht geschmissen bekommt. Hier kann ich mir immerhin vorstellen, dass mancher mit ähnlichen Erfahrungen einen Bezug dazu findet.

Der Rest der Texte erschöpft sich in Plattitüden des Kalibers Im-Leben-geht-es-auf-und-ab, den alten Durchhalteparolen vom Kämpfen, Stürzen, Aufstehen und Weiterkämpfen, diffuser Unzufriedenheit mit dem Hier und Jetzt und der daraus resultierenden nagenden, schwer greifbaren Sehnsucht nach ... ach ... irgendetwas anderem, halt. Hundertfach zuvor abgehandelt, mehrfach eindringlicher. Um ja kein Klischee auszulassen, schießt Metrickz noch ein paar Kugeln aus seinem schwarzem BMW.

Außer derlei "großartigem Storytelling" birgt "Ultraviolett II" angeblich noch "Produktionen, die vor Power und Energie nur so strotzen". Öh. Hab' ich was verpasst? Xplosive schustert mit ausgefransten Schablonen teils ("Schwarzer BMW") einigermaßen überfrachtete, teils ("Kopf Aus", "Wir", "V.D.E.B.Z.M.") durch und durch billig klingende Versatzstück-Beats zusammen.

Mit Ausnahme der geflöteten Melodie in "Durch Die Nacht" hängen mir sämtliche verwendeten Elemente vom souligen Gesangsfetzen aus "Treibsand" bis zum E-Gitarren-Geschrappe in "Dächer Der Welt" oder "UV II" längst meterweit zum Hals heraus. Von dem inflationär benutzen einen Elektroeffekt und den leider noch großzügiger überall drübergeklöppelten unseligen Chimes gar nicht zu reden. Im Grunde fehlt von den abgegriffenen Bauklötzchen nur das Piano im Gewitterregen.

Die feinsten Drum'n'Bass-Elemente" müssen mir irgendwie entgangen sein. Mit den versprochenen "Pop-Einflüssen" sind dagegen wohl die zwei oder drei gesungenen Refrains gemeint: "Wolke X" und "Alles Perfekt" geben ausreichend Anlass, Gesang nicht gerade für Metrickz' Paradedisziplin zu halten.

"Straighter Rap" dagegen erscheint eher wie sein Ding. Der Mann flowt solide, wenngleich es mit der gepriesenen "gesunden Abwechslung" schon wieder recht mau aussieht. Ob er gerade Beziehungsgedöns abwickelt, seine "Träume" auf die "Dächer Der Welt", auf "Wolke X" oder gleich "V.D.E.B.Z.M.", "von der Erde bis zum Mars" nämlich, katapultiert oder "mit der Gang hängt": Auf Metrickz' Vortragsweise nimmt das Thema offenbar keinerlei Einfluss.

Titel wie "Alles Perfekt" schüren die Empfindung noch: Mehr als einmal beschleicht mich auf "Ultraviolett II" der Eindruck, einer Sparfuchs-Version von Casper zu lauschen. Nur, dass diese hier nicht ansatzweise mit einer vergleichbar markanten Stimme gesegnet worden ist. Blöd, dass einzig seine Stimme Casper in meinen Ohren noch interessant erscheinen lässt. Für Metrickz bleibt da nicht viel übrig ... aber immerhin sind seine Songs angenehm kurz.

Trackliste

  1. 1. Treibsand
  2. 2. Du Lügst
  3. 3. Schwarzer BMW
  4. 4. KO/OK
  5. 5. Dächer Der Welt
  6. 6. Nicht Wie Du
  7. 7. Träume
  8. 8. Wolke X
  9. 9. Durch Die Nacht
  10. 10. Alles Perfekt
  11. 11. Kopf Aus
  12. 12. Wir
  13. 13. V.D.E.B.Z.M.
  14. 14. UV II

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18 Kommentare mit 21 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Aufgrund der Reaktionen der aufgebrachten Fans kann man dem Album vieles abgewinnen, nur nichts positives.

    Der Twitter post zündet.

  • Vor einem Jahr

    Wo sind denn jetzt die ganzen Fanbois? Habe gehofft, dass es mal wieder ein richtiges Schlachtfest auf laut.de gibt. :(

  • Vor einem Jahr

    Metrickz - Ultravio...

    Stop, Stop! Sorry. Stop!
    Fuck it! Nein!

    Sorry Leute. Ich..Ich kann das nicht machen. Ich will das nicht machen.
    Ich wollte diese Review mit all den kleinen Gags und Wortspielen machen und dem ganzen Scheiß und Ultraviolett II rezensieren. Aber wisst ihr was? ich kann nicht. Ich kann keine Review dazu schreiben, ich kann das nicht "lustig" machen. Ich hab die ganze Woche vor einem leeren Word-Screen verbracht, nichts geschrieben, weil: Ich kann da nichts humorvolles oder informatives rausziehen und dann hab ich letztendlich realisiert, dass selbst wenn ichs könnte, ich das nicht machen sollte. Warum?
    Weil das schlimmste was ich machen könnte DAS...dieses musikalische Stück Scheiße zu würdigen, würde bedeuten dass ich mehr Aufwand betreibe und Arbeit reinstecke als der verdammte sogenannte "Künstler". Es tut mir leid, ich hab nichts, ich habe keine Antworten, ich hab keine Review. Dieses "Ding" entzieht sich sämtlicher Bewertung.