laut.de-Kritik

Fred und Co. kloppen derbe aufs Schnitzel.

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Limp Bizkit am Scheideweg. Nach dem kommerziellen und kreativen Desaster namens "Results May Vary" steht die Band nun dort, wo sie wahrscheinlich nie hin wollte. Hopp oder topp ist die Devise. Die Wetten auf den totalen Absturz laufen bereits, schwarze Wolken ziehen am Firmament auf.

Die seltsame Veröffentlichungspolitik mit kompletter Medienverweigerung wirft bereits einige Fragen auf. Eine sieben Track-EP als ersten Teil einer Doppelveröffentlichung auf den Markt zu werfen? Was soll das denn? Zumal "The Key" mit gerade einmal 1:20 Minuten Spielzeit nicht als vollwertiger Song durchgeht. Die Nettospielzeit der Scheibe beträgt somit weniger als eine halbe Stunde. Ein bisschen wenig Value for Money. Hochgerechnet ergibt das nämlich einen Verkaufspreis um die 20 Öre für ein vollständiges Album, was dann doch etwas happig ist.

Wie sieht's denn mit der Musike aus? Haben Limp Bizkit aus der Erfahrung des Larifari-Vorgängers ihre Lehre gezogen? Dem Sound nach zu urteilen ja. Eine furztrockene Produktion prägt den Rahmen der Songs, Wes' Gitarrenspiel vervollständigt das raue Gesamtbild. Da möchte wohl jemand den Anschein erwecken, er fresse wieder den Staub der Straße. Parallelen zu den frisch therapierten Metallica lassen sich hier mühelos ziehen. Eine Band hat kommerziell all das erreicht, wofür der kleine Musikant in der Garage seinen kleinen Bruder nach Dschibuti verkaufen würde. Die Kohle alleine kann nicht mehr locken. Also, was tun? Die Antwort auf Zeusens Frage lautet bei Metallica wie bei Limp Bizkit gleich: aufs Schnitzel kloppen.

Dass Härte alleine aber noch keine guten Songs ausmacht, hat "St. Anger" schon bewiesen. Durst, Borland und Co. knüpfen hier nahtlos an. Erstaunt zuerst noch der Druck, den Limp Bizkit neuerdings wieder verbreiten, geht der EP über die volle Distanz aber nach und nach die Luft aus, bis nur ein kümmerlicher, verschrumpelter Luftballon namens "The Unquestionable Truth Part 1" über bleibt; abgerundet von "The Surrender", einem Lamento der weinerlichen Sorte, das einen perfekten Abschluss zu einem vernachlässigenswerten Output bildet.

Die knappe halbe Stunde davor hält nur begrenzt Spannendes parat. Lediglich "The Story" lässt kurz erahnen, weshalb Bizkit-Songs dereinst für schweißnasse Shirts in den Clubs sorgten. Das letzte Jahrtausend ist bereits seit über fünf Jahren Geschichte. Limp Bizkit scheinen das zu wissen, finden aber keine musikalischen Mittel, um den Karren aus dem kreativen Dreck zu ziehen. Da ist 'null Promotion' auch nur eine Masche, die die Nachfrage nach dem schwachen Songmaterial anheizen soll.

"The Truth" offenbart ostentativ selbige. Völlig uninspiriert dudelt sich die Band hier einen ab, ohne dass auch nur für ein paar Sekunden etwas Spannendes passiert. "Deliver us from evil, deliver us from evil", bittet Fred, und ja, ich folge. CD raus aus dem Player. Nicht noch einmal!

Trackliste

  1. 1. The Propaganda
  2. 2. The Truth
  3. 3. The Priest
  4. 4. The Key
  5. 5. The Channel
  6. 6. The Story
  7. 7. The Surrender

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