Jazz riecht nicht nur komisch, er ist tot. Zumindest wenn es nach dem Nielsen Music Report des Jahres 2014 geht. Dort rangiert das Genre noch hinter Klassik und Kinderliedern auf dem letzten Platz und erreicht in Amerika gerade einmal einen Marktanteil von 1,4 Prozent. Tendenz sinkend.

Doch die lebenden …

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  • Vor 2 Jahren

    Morgen, Sven. Im Großen und Ganzen bin ich mit deiner Review schon sehr zufrieden. Ich hätte da nur 2 Punkte:

    1. Inspiriert klingt mir in dem Kontext etwas zu weit. Washington scheint sich hier in seinem Spiel an gar nichts zu orientieren. Das klingt an vielen Stellen noch etwas strukturlos. Er agiert hier noch eher mittelmäßig vom Spiel. Für mich die Schwäche des Albums.

    2. Die Rhythmussektion hat was. Gerade das Orgel- und Kontrabassspiel hebt für mich das Album über den Durchschnitt. Sie ist für mich das eigentlich Antreibende des Albums.

    So oder so ein überdurchschnittliches Jazzalbum. Washington muss auf jeden Fall noch an seinem Spiel arbeiten. Der Klang ist gut. Auf gut 3 Stunden ist das Ganze noch etwas anstrengend, aber gute Ansätze, vor allem rhythmisch, sind da.

    • Vor 2 Jahren

      Von der Rhythmussektion her erinnert mich das Album relativ oft an das Livealbum Pangea von Miles Davis.

    • Vor 2 Jahren

      Mit Tonis Position kann ich gut leben - "über den Durchschnitt" würde ich jetzt nicht sagen, aber was die Rhythmussektion und Washingtons Spiel betrifft, könnte ich das unterschreiben.

      Bei Washington habe ich oft den Eindruck, er weiß nicht, was er als Nächstes spielen soll. Vielleicht hätte er seine Soli schreiben sollen (was für Jazz allerdings ein ziemlich vernichtendes Urteil ist, aber das Ergebnis wäre dann immerhin brauchbarer).

      Den "Pangaea"-Vergleich von Satanic (Grüße an dieser Stelle!) kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Aber er reduziert das ja auch auf die Rhythmusgruppe, sonst haben die beiden Alben imo nichts voneinander. Muss ich wohl mal im Vergleich hören.

  • Vor 2 Jahren

    Habe es bisher erst einmal komplett angehört, aber klingt auf jeden Fall spannend. Mal schauen, wie sich die Platte über das Jahr verteilt halten wird.

    Und wenn er hier schon mal erwähnt wird: Wie wäre es eigentlich mal mit einem Meilenstein für Sun Ra? ;)

  • Vor 2 Jahren

    Für mich ist das Album eine riesige Schrotladung. Es hat seine echten Perlen neben ziemlich unbeeindruckenden Stücken. Episch ist nicht immer gleichbedeutend mit überladenen/überlangen Kompositionen, das läuft gefährlich oft in die 'Habe Orchester/Chor - muss nutzen' Falle und führt dazu, dass Washington viele Ideen zu lange ausführt.

    Das Album finde ich immer dann wirklich brillant, wenn Washington die Kompositionen reduziert, wie bei 'Cherokee' oder meinem Liebling 'Leroy and Lanisha'.

    So oder so ganz spannend, die Superlativen scheinen mir allerdings vor allem aus dem Wunsch nach einer Jazz-Wiedergeburt zu entspringen; dafür hat Washington noch zu viele Schwächen in Komposition und Spiel. 3.5/5.

  • Vor 2 Jahren

    Ist schwarz, spielt pseudo-intellektuellen Jazz, bekommt 5 Punkte. War ja klar.

  • Vor 2 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Jahren

    Furchtbar überbewertetes Album. Da werden ausgelutschte 70er-Jahre-Schmock-Fusion-Harmonien süßlich überarrangiert, und ein Saxophonist, der hoffnungslos überfordert ist, reiht uninspiriert Übungslicks aneinander. Der Rest der Band ist gut, aber vom Kreativen wie vom Technischen her ist das eigentlich ziemlich schlimm. Das Ganze kann ich mir nur als Medien-Hype erklären. Definitiv Jazz für Nicht-Jazzer.

  • Vor 2 Jahren

    Ach so: In Washingtons Spiel kann ich weder Coltrane noch Ayler noch Sanders hören. Seine Licks sind eher viel neueres 80er-Jahre-Jazzhochschule-Übungsmaterial völlig ohne die Dynamik, die die drei Genannten auszeichnet.

  • Vor 2 Jahren

    Und wo ich gerade da bin, ein paar Worte zu Nielsen: Das ist ein Unternehmen, das die Marktstellung von Firmen und Produkten untersucht, also den Verkauf. Die beschäftigen sich mit toten Zahlen, aber nicht mit lebendiger Musik. Jeder Musikhörer ist da kompetenter.

    Jazz ist sicher in weiten Teilen nicht mehr so lebendig wie vor 30 Jahren, aber das hört man an den Alben (und auf Konzerten), wenn dort Altbekanntes aufgekocht wird, man sieht es nicht an den Absatzzahlen. Trotzdem natürlich erschreckend und für mich ein Indiz für die blutleere Akademisierung des Jazz. (Das jedenfalls kann man Washington nicht vorwerfen.) Meine Vermutung: Auf Dauer wird sich die Anzahl der Jazzhörer an die Absatzzahlen angleichen, die wissenschaftliche Abhandlungen erzielen.