laut.de-Kritik

Was es hieß, in der DDR Punk zu sein ...

Review von

Feeling B gehörte neben Schleim-Keim zu den bekannteren Punkbands der DDR. Und sie können sich damit rühmen, die einzige Dreiakkordcombo des Arbeiter- und Bauernstaates gewesen zu sein, die je auf dem staatseigenen Amiga-Label veröffentlichte. Wenn auch erst 1989, da war andernorts schon die zweite Punkwelle abgeebbt.

Auf drei Alben brachte es die Band, Sänger Aljoscha Rompe verstarb im Herbst 2000, Gitarrist Paul Landers und Keyboarder Flake Lorenz kamen in den Neunzigern bei Rammstein unter. Jetzt hatte letzterer Zeit, ein paar alte Aufnahmen herauszukramen, die längst verloren geglaubt waren. Sie sind auf "Grün & Blau" versammelt; das Album erscheint mit einem schicken, gut 150-seitigen Buch mit allerlei Anekdoten und Fotos aus der Bandgeschichte.

Hier kommen neben Flake selbst dessen Mutter und andere Wegbegleiter (Key Pankonin von der DDR-Band Die Firma und Mark Bihler, der die alten Aufnahmen für "Grün & Blau" neu abmischte) zu Wort. Frau Lorenz bringt auf den Punkt, was die Band ausmachte: "Die elektrisierende Wirkung auf die Zuhörer [...] ergab sich vor allem daraus, dass Feeling B neben der Musik ein Lebensgefühl ausdrückte, welches das Publikum verstand und teilte."

Daneben gibt es allerlei Fotos aus der Jugend, für die man sich vielleicht schämen müsste, die aber andererseits spannende Zeitdokumente darstellen. Auf jeden Fall aber bekommt der in Sachen Feeling B unbefleckte Punkfan einige erhellende Einblicke. Und erfährt nebenher ein bisschen, was es hieß, in der DDR Punk zu sein.

Auf der CD kompilieren Flake Lorenz und Bihler bereits erschienene Stücke mit nicht veröffentlichtem Kram. Auf "Graf Zahl" beispielsweise zählen sie ganz monoton von 1 bis 125. Punküblicher Stumpfsinn? Sublime Kritik an bestehenden Verhältnissen, dem grauen Alltag in der DDR? Who knows? In der Folge stellt das Trio Überlegungen an, was der Mensch so aus "Langeweile" macht (reich werden, die Bibel übersetzen, den Faustkeil erfinden), oder verwehrt sich in "Frosch Im Brunnen" gegen Arschkriecherei.

Ob Feeling B musikalisch klassische Punkparameter erfüllen, sei dahin gestellt. Flakes Geklimper wirkt mitunter etwas fehl am Platze, aber genau aus diesem Dilettantismus bezieht die Musik der Berliner (ebenso wie Punk) seinen Reiz. Und so bewegen sich die drei zwischen klassischem Uffta-Punk ("Keine Zeit") und sphärischem Fehlfarbenesquem ("Space Race"). Dabei arbeitete die Band mit Samples aus Computerspielen oder Vorprogrammiertem aus primitiven Keyboards.

"Veris Dulcis" wurde mit Mittelaltermusikern eingespielt, klar, in der Szene unterstützte man sich. Die Offenheit gegenüber anderen schlägt sich in einem reizvollen Sound nieder. So hat "Grün & Blau" musikalisch Licht- und Schattenseiten, auf jeden Fall bietet sich dem Feeling-B-Anfänger ein interessanter Einstieg, der vielleicht bis zu weiteren Bands des DDR-Punk führt.

Trackliste

  1. 1. Graf Zahl
  2. 2. Langeweile
  3. 3. Dufte
  4. 4. Frosch Im Brunnen
  5. 5. Herzschrittmacher
  6. 6. Keine Zeit
  7. 7. Hässlich
  8. 8. Gipfel
  9. 9. Schlendrian
  10. 10. Wieder Keine Zeit
  11. 11. Space Race
  12. 12. Veris Dulcis
  13. 13. Grlün & Blau

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