laut.de-Kritik

Unplugged durch 20 Jahre Rotznasigkeit.

Review von

"Die beste Band der Welt" ist wieder da. Und wie! Nach Farins Ausflug als Solokünstler haben Bela, Rod und Herr Urlaub Ende August im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hamburg wieder zusammen gefunden. Dort zogen sie auf Einladung von MTV den Stecker aus der Dose, schnallten sich die Klampfen um und zeigten, dass eine akustische Gitarre nicht automatisch verträumte Lagerfeuerromantik bedeuten muss. Ob elektronisch verstärkt oder unplugged, Die Ärzte profilieren sich einmal mehr als die "Besserpunks".

Und das obwohl sie sich zur Aufnahme ihres jüngsten Geniestreichs mal richtig in Schale geworfen haben. In adretten roten Schuluniformen mit blau abgesetzten Krawatten, das Logo des Albert-Schweitzer-Gymnasiums auf Höhe der linken Brust zur Schau stellend, erstrahlte der immer noch jugendliche Anarchismus der Ärzte nur um so greller. Begleitet von einer kompletten Schülerband spielten sich die Ärzte durch 20 Jahre Bandgeschichte.

Lange nicht gehörte Songs aus der Zeit, als die Bezeichnung "geniale Dilettanten" noch einem Ritterschlag gleichkam, entfalten mühelos ihren unwiderstehlichen Charme. So galoppiert der uralt Hit "Kopfhaut" munter in den Sonnenuntergang und "Komm zurück" wächst sich dank der orchestralen Untermalung der Hamburger Pennäler zur melodramatischen Teenagertragödie aus, die einem die Tränen in die Augen treibt.

Doch die Ärzte wären nicht die Ärzte würden sie ihre Erfüllung als gefühlsduselnde Nostalgiker finden. Schließlich wollen sie auch in Zukunft noch gut von ihren Plattenverkäufen leben. Deshalb gibt's mit "Monsterparty" auch einen bisher unveröffentlichten Song. Ganz Business-Mann erklärt Farin auch gleich charmant ironisch: "Die Älteren werden merken, dass das der Song ist, wegen dem man die CD kaufen muss". So stilvoll betrieb einst nur Malcolm McLaren den Ausverkauf des Punkrock.

Es ist eben diese Rotznasigkeit, die die Ärzte seit nunmehr rund 20 Jahren zu einem wohltuenden Störfaktor in der deutschen Musikszene macht. Während die Konkurrenz aus Düsseldorf moralschwanger den Zeigefinger hebt und sich im Biotop der Selbstermächtigung weidet, zeigen einem die Ärzte immer noch am liebsten den ausgestreckten Mittelfinger und setzen im nächsten Moment ein sympathisches Lächeln auf, das jede Großmutter eine Hymne auf die "Die Beste Band der Welt" anstimmen ließe. Die Streberleichen aus Berlin waren eben schon immer die "Besserpunks".

Trackliste

  1. 1. Schrei nach Liebe
  2. 2. Blumen
  3. 3. Langweilig
  4. 4. Meine Ex(plodierte Freundin)
  5. 5. Monsterparty
  6. 6. Hurra
  7. 7. Kopfhaut
  8. 8. Zu spät
  9. 9. Westerland
  10. 10. 1/2 Lovesong
  11. 11. Komm zurück
  12. 12. Der Graf
  13. 13. Ignorama
  14. 14. Is ja irre
  15. 15. Bitte bitte
  16. 16. Mit dem Schwert nach Polen, warum René?
  17. 17. Die Banane
  18. 18. Manchmal haben Frauen...
  19. 19. Medley: Ohne dich, Paul, Quark, Schunder-Song, Meine Freunde, Nie wieder

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