laut.de-Kritik

Geschlossene Gesellschaft in den Gehörgängen.

Review von

In den letzten Jahren hat sich Wes Borland abseits des Limp Bizkit-Trubels eine musikalische Ausweich-Oase geschaffen. Unter dem Black Light Burns-Banner huldigt der Gitarrist zusammen mit seinen Mitstreitern Dennis Sanders, Nick Annis und Joe Letz eher avantgardistischen Industrial-Klängen. Das funktionierte vor allem auf dem erst vor fünf Monaten veröffentlichten Zweitwerk "The Moment You Realize You're Going To Fall" recht ordentlich. Nun schickt Wes Borland mit "Lotus Island" bereits sein drittes Klang-Pferd ins Rennen.

Alles begann mit "It Rapes All In It's Path", einer Nummer, die explizit für den Soundtrack zum Film "Underworld – Awakening" geschrieben wurde: "Als ich mir den Song anhörte, erinnerte es mich an meine Lieblingsfilme, und ich begann mit dem Gedanken zu spielen, diesen Song und andere Ideen als Basis für einen alternativen Soundtrack zu einem ganz bestimmten Film zu schreiben" , so der BLB-Chef. Die Rede ist von Alejandro Jodorowskys zynischem Bild-Epos "The Holy Mountain", aus dem Jahr 1973. Und ähnlich verstörend wie im Kult-Film des Chilenen geht es auch auf "Lotus Island" zu.

Von den insgesamt elf Songs entpuppen sich stolze acht Ergüsse als lupenreine Instrumentals. Lediglich "It's Good To Be Gold", "The Hate Of My Life" und das eingangs erwähnte "It Rapes All In It's Path" warten ansatzweise mit gängigen Songstrukturen auf. Nachhaltiges bleibt allerdings Mangelware; dafür präsentieren sich die verzerrten Industrial-lastigen Avantgarde-Rock-Einwürfe zu störrisch und rumpelnd. Nicht minder verschroben kommt der Hauptgang des Albums daher. Minutenlanges Wabern, brummelnde Sound-Effekte und ab und an ein paar eingestreute Lo-Fi-Beats sorgen für sich auftürmende "Geschlossene-Gesellschaft"-Barrikaden in den Gehörgängen.

Vielleicht gibt es taumelnde Geister, die uninspirierte Sci-Fi-Effekt-Aneinanderreihungen à la "The Alchemist", "The Thief" oder "The City" mit dem Begriff Kunst assoziieren können; die Anzahl derer dürfte sich aber im überschaubaren Rahmen halten. So ist das Album letztlich vergleichbar mit einem daumengroßen das-geht-nur-mich-etwas-an-Tattoo, welches irgendwo an einem geheimen Ort des Körpers sein dunkles Dasein fristet. Für den Besitzer vielleicht von großer Bedeutung, für die breite Öffentlichkeit jedoch eher von geringem Interesse.

Trackliste

  1. 1. The Alchemist
  2. 2. The Thief
  3. 3. The City
  4. 4. It's Good To Be Gold
  5. 5. The Opportunists
  6. 6. The Hate Of My Life
  7. 7. The Dancers
  8. 8. It Rapes All In It's Path
  9. 9. The Parasite
  10. 10. My Love Is Coming For You
  11. 11. The Master

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