laut.de-Kritik

Geschredder, Groove und Melodien: Das Comeback-Album zündet tatsächlich!

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Da ist es also, das erste Studioalbum seit 19 Jahren. At The Gates sind zurück und überall in Metalhausen werden die Hälse gereckt. Die unvermeidbaren Fragen machen die Runde: Braucht es überhaupt noch eine neue Scheibe? Hat sich das Warten gelohnt? Bringen es die alten Schweden noch?

Um es vorweg zu nehmen: absolut, definitiv, ja! "At War With Reality" ist eine exzellente Platte geworden. Die Göteborger Pioniere haben ihr Handwerk kein bisschen verlernt und legen während einer Dreiviertelstunde eine Topleistung im Melodeath-Triathlon hin: Geschredder, Groove und Melodien in Moll werden nahezu perfekt ausbalanciert, als wäre es das Einfachste auf der Welt.

Wo nur anfangen mit Beispielen? Eigentlich egal, man kann sich blindlings einen Track rauspicken. Wieso nicht "The Circular Ruins": Der Song startet als fette Groove-Walze, wofür vor allem die Riffs des Gitarrenduos Anders Björler und Martin Larsson sorgen. Nach einem kurzen Breakdown schaltet das Schlagzeug einen Gang höher und auch Sänger Tomas Lindberg greift mit seinem bewährtem Gekeife ins Geschehen ein. At The Gates prügeln so erstmal alles nieder, werfen dann den obligatorischen Sololauf von Björler ein und verschieben zum Ende hin den Fokus aufs Melodische.

Die Sound-Bestandteile sind also keineswegs revolutionär. Doch wie die Band sie arrangiert, ist eine Wohltat: "Heroes And Tombs" beginnt filigran mit gezupfter Gitarre, ehe sich ein echter Sturm zusammenbraut. Adrian Erlandsson macht an der Doublebass Sonderschichten, während die Gitarren und Lindbergs Stimme ein düsteres Klangbild zeichnen. Nach dem Solo wird es einen Moment sogar gespenstisch ruhig – aber nicht minder intensiv.

Generell kann man die dichte Atmosphäre des Albums als großen Trumpf herausstreichen. Egal, ob während brachialer Tobsuchtsanfällen ("Death And The Labyrinth", "Eater Of Gods") oder beim bedächtigen Instrumental "City Of Mirrors": Das Album versprüht zu jeder Zeit eine wohlige Düsterheit, dass man sich die Sonne und deren Anbeter zum Teufel wünscht.

Was sich im Vergleich zu früher hörbar geändert hat, ist die Stimme von Lindberg. Sein charakteristisches Gekläffe klingt tiefer, was aber nichts ausmacht. Im Gegenteil, erhalten die Vocals so noch zusätzlichen Punch. Umgekehrt aber fällt auf, dass der Fronter so gar nicht an seinem Spektrum gearbeitet hat: Es wird gekeift, gekeift und nochmals gekeift. Klar gehört das zu At The Gates, eine andere Stimmlage ab und an wäre der Abwechslung aber dennoch dienlich. Muss ja nicht gleich Klargesang sein, vielleicht … ein Knurren oder so?

Das ist freilich Mäkeln auf hohem Niveau. Wer sich Experimente erhofft hatte, wird hier ohnehin nicht fündig. "At War With Reality" ist schnörkelloser melodischer Death Metal. Punkt. Aber immerhin: In "The Book of Sands" packt Lindberg sogar seine Flüsterstimme aus. Der Song sei hier als weiterer Anspieltipp erwähnt, da er fleißig Haken schlägt und sich durch alle denkbaren Stufen zwischen schierer Brutalität und sehnsüchtigen Harmonien hangelt. Erstaunlich, was für Riffs Björler auffährt. Und nicht nur in diesem Song. Hat sich offenbar einiges angestaut während der letzten (verhältnismäßig soften) Jahre bei The Haunted.

Bleibt noch die letzte der obligaten Fragen: ob die neue Scheibe mit den früheren Werken von At The Gates mithalten kann. Aber wie soll man das nach ein paar Tagen Dauerrotation schon wissen? Im Hier und Jetzt jedenfalls ist "At War With Reality" eine sackstarke Comeback-Platte geworden, die selbst in einem an Metal-Veröffentlichungen reichen Jahr aufhorchen lässt. Dabei hatten es die Schweden ja gar nicht nötig, nachzulegen. Bloß wieder ordentlich Bock. Und genau das hört man dem Album an. Die Höchstwertung können sie sich gerne 2033 abholen.

Trackliste

  1. 1. El Altar Del Dios Desconocido
  2. 2. Death And The Labyrinth
  3. 3. At War With Reality
  4. 4. The Circular Ruins
  5. 5. Heroes And Tombs
  6. 6. The Conspiracy Of The Blind
  7. 7. Order From Chaos
  8. 8. The Book Of Sand (The Abomination)
  9. 9. The Head Of The Hydra
  10. 10. City Of Mirrors
  11. 11. Eater Of Gods
  12. 12. Upon Pillars Of Dust
  13. 13. The Night Eternal

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