3. April 2012

"Deutschland ist sehr streng!"

Interview geführt von

Drei Tage vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums "Babyblues" findet Y'akoto spontan Zeit, per Telefon über selbiges und die böse Welt zu sprechen.So spontan, dass nichts anderes bleibt, als alles zu Hause am PC mitzuschneiden, während Toni, die Hauskatze, eine Simon's Cat-Einlage nach der anderen gibt und am Ende vor verschlossener Tür nervt. Aber sie scheint wohl auch einfach zu merken, dass Y'akoto vor allem eines ist - eine sehr sympathische Frau, mal nachdenklich, mal vergnügt, aber immer mitten im Leben.

Es wird immer sehr groß geschrieben, dass du in Hamburg geboren bist, nach Ghana gegangen bist, in Frankreich gewohnt hast. Du warst und bist ständig unterwegs. Deswegen einfach vorab mal die Frage - wo erreiche ich dich jetzt in diesem Moment?

Jetzt bin ich gerade in Hamburg. Mein zu Hause mache ich immer davon abhängig, wo ich jetzt gerade was zu tun habe. In Hamburg ist mein Label und jetzt ist VÖ-Woche. In zwei Wochen fahr ich nach Paris, weil ich dort mit meiner Band proben will und da bleibe ich dort auch länger. Meistens, wenn es hier kalt wird und unter null geht, haue ich ab nach Afrika.

Also kommt dein Album auch bald in Frankreich raus.

Ja. Das ist eine Sache, die mich sehr freut und eher ungewöhnlich für das erste Album ist, dass es gleich in zwei europäischen Ländern veröffentlicht wird.

Das Album war ja zuerst für Anfang Januar angekündigt. Ich habe die Promo-CD hier schon seit Monaten liegen und sitze auf glühenden Kohlen, aber sie wurde immer wieder verschoben. Zuletzt kamen auch noch einige Songs dazu. Wie kam es dazu?

Zuerst einmal, wie du schon richtig beobachtet hast, kamen noch ein paar Tracks hinzu, an denen ich noch gearbeitet habe. Ich bin so ein Mensch, der sich da wenig Druck von der Plattenfirma machen lässt. Ich habe schon ganz viele Deadlines bekommen, habe aber immer deutlich gemacht, hey, wenn ich noch will das etwas dazu kommt oder ich merke, es ist noch nicht rund, will ich auch frei sein und daran arbeiten. Auf dem endgültigen Album sind noch Sachen hinzu gekommen, die es für mich persönlich rund machen, zum Beispiel da A Capella-Stück "Sitting Round The Table". Da musste ich erst einmal überlegen, wie bringe ich jetzt ein Stück ohne Instrumente, das mir sehr wichtig ist, auf die Platte. Ich glaube, das einzige, was der Mensch immer hat und was er auch sofort hatte war seine Stimme. Dann änderte sich das Wetter, da wollte ich noch, in Anführungsstrichen, mit "Without You" eine tanzbare Nummer haben. Also habe ich mir die Freiheit und die Zeit genommen, das fertig zu machen. Ich mag halt keine halben Sachen, jetzt ist es aber pünktlich fertig. Zum ersten mal konnte ich deine Deadline einhalten (lacht).

Gut, dass du "Sitting Round The Table" erwähnst. Von den neuen Stücken hat es mich am meisten berührt. Da hat sich das Warten gelohnt.

Schön, das freut mich. Danke. Das Stück hatte ich vorher am Klavier komponiert. Dann habe ich mich auf die Wörter besonnen und mir gedacht, das braucht gar nichts. Ich finde es sehr schön, wenn man manchmal merkt, dass muss nicht dekoriert werden, das muss nicht verstärkt werden, sondern es steht für sich selbst.

In der traurigen Geschichte des Songs, in dem eine Familie von ihrem Haus begraben wird, lässt du offen, warum das passiert.

Das lasse ich offen, ich mache aber kein Geheimnis draus. Es geht um eine Frau, die ihre Familie bei einem Erdbeben verliert und sich selbst rettet, indem sie auf die Straße rennt. In letzter Zeit gibt es viele Naturkatastrophen. Ich habe selber einmal ein kurzes, sehr leichtes, Beben in Ghana erlebt, als sich die Atlantikplatte verschoben hat. Damals war ich noch sehr klein, nicht älter als neun und ich hatte das erste Mal das Gefühl einer kollektiven Panik, habe gespürt, dass unser Leben endlich ist. Wenn die Natur entscheidet zu wackeln, haben wir keine Chance mehr. Das können wir nicht mit unserem Hirn, unserer Logik, unseren Waffen oder unserer Politik beeinflussen. Da jetzt so viele Sachen passiert sind, Fukushima, der Tsunami, wollte ich einfach noch in eine solche Geschichte psychisch hinein gehen.

Das war das, was ich zuerst mit dem Song in Verbindung gebracht hatte, trotzdem wären noch andere Interpretationen möglich gewesen.

Da bin ich immer sehr stolz, wenn ich es schaffe, dass es nicht so eine einseitige Geschichte ist. Wenn es trotzdem noch Platz und Luft gibt, etwas anderes hinein zu interpretieren.

"Ich will als Künstlerin frei sein, auch wenn ich nichts verdiene."

Um noch einmal zu deiner ersten Single "Tamba" zu kommen, die ja nun schon bald ein halbes Jahr auf dem Markt ist. Zuletzt ging die 'KONY 2012'-Kampagne durchs Internet, gleich gefolgt von der Kritik an der Organisation. Dein Song beschäftigt sich ja auch mit dem Thema Kindersoldaten. Wie hast du die ganze Sache mitbekommen und aufgenommen?

Ich saß in der Küche und meine Freundin aus Frankreich hat mir per WhatsApp einen Link auf mein iPhone geschickt. Ich habe mir das beim Frühstück angeschaut und ehrlich gesagt nicht so viel von diesem Gerede mitbekommen, sondern nur diese Stelle, in der dieser Jakob zu Wort gekommen ist. An einer Stelle sagt er: "Eigentlich wäre ich gerne tot." Und der Typ fragt: "Wieso willst du tot sein?" Er sagt: "Das wäre besser als zu leben, weil mein Bruder ist tot, sie werden uns sowieso töten, das ist auf jedenfalls nicht so anstrengend wie am Leben zu sein." Da ist mir noch einmal bewusst geworden, warum ich "Tamba" und seine Geschichte so wichtig fand und warum ich so Randale bei der Plattenfirma gemacht habe, in dem ich gesagt habe: "Warum kann man das nicht als erste Single rausbringen, das ist eine total essenzielle Geschichte?" Es gibt auch noch eine viel drastischere Version vom Text, in der ich wirklich beschreibe, wie dieser Junge alle Lust am Leben verliert. Ich glaube, Menschen können bis zu einem bestimmten Punkt Grausamkeit ertragen und dann knallt etwas durch. Dieser Auszug aus der Persönlichkeit die dort gezeigt wurde, ist das, was am meisten von diesem Film bei mir hängen geblieben ist.

Was mir nicht so gut gefallen hat, dass das ganze Problem auf eine Person fixiert worden ist, auf einen Täter, da hängen auf jeden Fall mehrere drin. Ich hätte es super gefunden, wenn man da noch mehr elaboriert. Ansonsten versuche ich mich nicht so sehr auf die Problematik zu konzentrieren, das ist nicht mein Charakter, sondern eher auf das, was der Auslöser war. Ich habe das ja auch im Fernsehen gesehen und habe diesen Song geschrieben. Der ist jetzt nicht so mächtig wie diese Kampagne, aber ich glaube, dass mein Song etwas Zeitloses ist, was man vielleicht noch in zwanzig Jahren hören wird. Man wird immer wieder auf die Thematik gestoßen, ohne das sie so sehr ankreidet und sozusagen den "Bad Boy" sucht.

Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, auch wenn das sehr altmodisch klingt. Man müsste eher versuchen, zu verstehen. Warum ist dieser Kony so geworden? Warum macht der so etwas? Das ist ein ganz universelles Problem. Bei so einseitigen Geschichten bin ich, wenn möglich, sehr vorsichtig.

Selbst wenn man die Person Kony jetzt aus dem Puzzle wegnimmt, es werden immer weiter so Personen entstehen, wenn man nicht weiß, warum er jetzt so geworden ist, wie er ist. Das Problem Kindersoldaten gibt es ist ja nicht nur Uganda, es findet ja auch wo anders statt.

Es zeigt ja auch, wie die Welt oder die Masse der Menschen funktioniert. Wenn man es an einer Person fest macht, kriegen die Menschen das Gefühl, dass sie den Überblick haben. Und das ist - in Anführungsstrichen - die Verarschung an der ganzen Geschichte, weil wir haben den Überblick nicht. Selbst so ein Kony hat den Überblick nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass das ein bisschen genauer thematisiert wird, dass da auf Regierungsebene etwas stattfindet.

Und du musstest bei der Plattenfirma wirklich für "Tamba" als erste Single kämpfen? Sie wollten sie gar nicht?

Nicht kämpfen, aber ich musste schon begründen, warum ich es wichtig finde. Es ist ja keine typische Vorabsingle. Man muss dabei ja auch bedenken, es ist immer noch Warner Music! Plattenfirmen sind wie Banken. Sie leihen dir Geld, damit du etwas Gutes machen kannst.

Bei mir war halt immer der Anspruch, etwas das ich von Anfang an klar gestellt habe, dass ich nichts Kurzlebiges machen möchte. Ich möchte jetzt nicht so tun, als ob ich auf der intellektuellen Schiene mitfahre, sondern das ist wirklich ein Anliegen von mir. Entweder sie machen das oder sie machen gar nichts. Ich habe jetzt nicht gedroht, aber ich will als Künstlerin frei sein, auch wenn das bedeutet, dass ich die ersten zwei Jahre nichts verdiene.

Ich bin ja auch Tanz-Pädagogin und habe deswegen ein bisschen die Ruhe weg, weil ich weiß, ich habe eine Ausbildung, ich kann arbeiten in meinem Beruf. Aber ich finde, wenn einem so eine geile Chance geboten wird, ein Album zu produzieren, mit 1A-Produzenten und coolen Musikern, will ich auch wirklich nur das machen, was ich für richtig halte. Ich habe ja auch andere Songs auf der Platte und ich wusste, dass die irgendwann rauskommen und das es noch eine andere Fassette von mir gibt. Mir ist ganz wichtig, Mut zur Vielseitigkeit zu haben. Nur weil ich "Tamba" singe, bedeutet das nicht, dass ich im nächsten Moment nicht ein Glas Wein trinken, feiern gehen und torkelnd nach Hause laufen kann

Ein guter Übergang zu einem fröhlicherem Thema. Das Lied "Good Better Best" ist ja schon ein ziemlicher Kontrast zu den beiden Tracks, über die wir gerade gesprochen haben. Diese Geschichte über das gescheiterte Vogeljunge, dass beim ersten Versuch zu fliegen zu Boden fällt, dann aber doch wieder aufsteht und fliegen lernt. "Flying Is All About Trying". Ich mag die Bilder in diesem Song einfach sehr gern. Hatte das Lied eine bestimmte Geschichte oder ist es dir eher zugeflogen?

Diese Geschichte mag ich einfach. Ich saß auf der Terrasse meiner Mama in Lomé, in Togo, über der ein großer Baum wächst. Aus einem Nest in diesem Baum ist vor zwei Jahren tatsächlich ein Vögelchen auf die Terrasse gefallen. Ich bin reingerannt. "Mama, Mama, Mama, da ist ein kleiner Vogel. Was sollen wir machen, was sollen wir tun?" Alarm, Alarm halt. Ich kann das nicht ausstehen wenn Tiere und Menschen leiden, da muss ich immer irgendwie etwas tun. Meine Mama war gerade dabei, sich für die Arbeit fertig zu machen und hatte schon alles in der Hand, ihre Tasche, Telefon, Autoschlüssel. Sie kam nur raus und meinte: "Das ist die Natur. Lass ihn da, der wird es schon schaffen. Vertrau dem Vogel und vertrau der Natur." Dann habe ich mich versteckt und habe geschaut, was passiert. Das war ein sehr schönes Bild. Die beiden Eltern von dem Vogel sind die ganze Zeit um dieses komische nackte Ding da geflogen, sie konnten ihn ja nicht aufheben, sie haben ja keine Hände. Und irgendwann hat er es echt geschafft und ist einfach abgehoben. Er ist einfach losgeflogen. Dadurch habe ich sofort gute Laune bekommen.

Um wieder deutlich zu machen, meine Songs entstehen eigentlich sehr unspektakulär. Ich sehe etwas und finde ich es dermaßen cool oder es berührt mich und dann schreibe ich einen Song darüber. "A little bird needs help to fly / Mama pushes her out of the nest." Natürlich habe ich das in unsere Welt übersetzt. Wir werden ja auch in unser Leben gekickt und merken, es ist nicht einfach. Entweder man bleibt auf den nackten Fliesen liegen, oder man entscheidet sich etwas daraus zu machen.

"Deutschland ist sehr streng"

Du sprichst drei Sprachen, deutsch, französisch und englisch. Warum hast du dich am Ende entschieden, deine Lieder auf englisch aufzunehmen?

Ganz einfach. Der erste Grund ist, englisch war die erste Sprache, die ich gelernt habe. Meine Kindergartenzeit und meine Grundschulzeit habe ich komplett auf englisch absolviert. Diese ersten Jahre haben mich sehr geprägt, deutsch habe ich erst spät gelernt. Ich konnte es immer, weil meine Mutter hat immer mit mir deutsch gesprochen, auch während wir in Ghana gelebt haben. Es gibt ja auch viele türkische Familien hier. Da ist es auch so, dass zu Hause vielleicht türkisch gesprochen wird, aber man benutzt es draußen nicht. So war es bei mir mit deutsch. Deutsch hab ich ganz lange draußen nicht benutzt, weil alle englisch gesprochen haben. Ich glaube, man sollte in der Sprache schreiben, in der man träumt, in der man sein Tagebuch schreibt.

Deutsch ist eine sehr vertraute Sprache für mich. Aber ein gutes Beispiel war meine letzte Beziehung. Immer wenn ich mich sehr aufgeregt habe, sehr emotional wurde, ratterten die Wörter ping-ping-ping auf englisch raus. Mein Ex-Freund hatte die Ruhe weg, hat mir dann auf deutsch geantwortet. Das war wieder wie zu Hause. Bei meiner Mutter ist das auch oft so. Sie schimpft mich auf deutsch aus und ich antworte auf englisch.

Der andere Grund ist, ich bringe das mit, dieses 'ich bin Deutsche, aber ich lebe überall'. Ich finde es ganz wichtig, dass man dieses Bewusstsein haben darf. Als Deutsche kann ich genauso gut in Paris leben oder in Amerika oder in Afrika und kann trotzdem deutsch sein. Die Sprache, mit der ich mich verständige, ist vielleicht eine andere, aber trotzdem bin ich eine Deutsche. Sprache ist fast irrelevant, wenn es um eine Kultur oder eine Nation geht. Aber Deutschland ist sehr streng, wie ich bemerkt habe. Die Deutschen stehen sehr auf ihre deutsche Sprache.

Der eigentliche Gedanke bei mir war, dass man diesen Sprachenmix ja in die Musik hätte mit einfließen lassen können.

Ich habe das jetzt auch nur noch mal erwähnt, weil ich das wichtig finde. Ich werde ja immer wieder mit dieser Frage konfrontiert. "Du bist doch Deutsche, warum singst du nicht deutsch."

Ich bin ein bisschen Naiv, habe gerade gar keine Ahnung was in Ghana gesprochen wird. Es wird englisch gesprochen?

Ja.

Ich dachte es gäbe vielleicht etwas anderes, was man hätte einfließen lassen können.

Nein, da wird englisch gesprochen.

Ich Naivling.

Hauptsache du fragst nach. Schlimm sind die Menschen, die annehmen, etwas zu wissen und darauf herumreiten.

(Pause ... man hört ein leises Summen von Y'akoto)

Du summst ...

Das ist mein Tick. Ich summe immer. Ich weiß nicht. Ich summe IMMER! Es ist so schlimm. Letztens war ich bei der Bank und wollte etwas wegen meinem Sparbuch fragen. Und ich steh' da so und merke wie die Tante mich ganz komisch anguckt. Und irgendwann redet sie durch dieses Glas, du weißt doch, da sind immer diese Fensterglasscheiben, und sagt voll laut: "Frau Kieck, sie summen!" Ich hab' mich total erschrocken. "Was mach ich? Ich mach doch gar nichts" - "Doch. Sie summen. Laut. Hören Sie auf damit!"

Wenn man von dir liest, fallen ständig die ganz großen Namen wie Billie Holiday, Nina Simone oder Erykah Badu. Das sind ja schon ein paar Hausnummern. Wie fühlt sich das an, mit ihnen verglichen zu werden und bei wem findest du dich selbst am ehesten wieder? Wobei das ja immer eine kritische Frage ist, weil als Musiker will man ja in erster Linie man selbst sein.

Ist man ja auch. Da bin ich sehr froh, die Sorge habe ich gar nicht. Ich finde mich bei all diesen Frauen wieder, sie sind meine Schirmherren ... Schirmfrauen. Sie haben viel für mich als Künstlerin gemacht, dadurch, dass sie stark waren und sich in dieser Musikwelt behauptet haben, die ja doch manchmal vorgibt, einseitig zu sein. Dadurch, dass sie ihr Ding gemacht haben, haben sie ja den Weg geebnet für Frauen wie mich. Deswegen fühle ich einen großen Respekt vor solchen Vergleichen. Sie berühren mich und bewegen mich, aber sie setzen mich nicht unter Druck.

Du weigerst dich, deine Musik als Soul zu bezeichnen, nennst sie "Soul-Seeking-Music". Warum?

Es gibt ja diesen netten Spruch, der oder die muss sich erst einmal selbst finden. Das finde ich Quatsch. Ich glaube, wir haben uns nie gefunden und sind immer auf der Suche nach etwas, das unser Leben ausfüllt. Die Seele ist für mich halt so ein abstrakter Begriff. Ich weiß noch, dass ich meine Mutter immer gefragt habe: "Was ist denn diese Seele? Da wird so ein Tamtam drum gemacht." Soul. My Soul. Your Soul. Soul-Music. Jedenfalls hab ich nie verstanden, was das mit der Seele auf sich hat. Deswegen bin ich selber noch auf der Suche. Was ist das überhaupt - Seele? Vielleicht erfahre ich das erst wenn ich sterbe. Keine Ahnung.

In einem Interview mit der Juice habe ich gelesen, das du einem Lynchmord hautnah miterlebt hast. Das ist ja etwas, das ich mir in meiner wohlbehüteten Welt kaum vorstellen kann. Glaubst du, dass du daher im Gegensatz zu deinen Mitmenschen eine andere Einstellung zum Tod hast?

Das weiß ich nicht. Was ich einfach in dem Moment gespürt habe ist, das ist ein Leben und man kann ein Leben auslöschen. Und das kann man auf mehrere Arten machen. Dann bleibt wirklich nichts mehr übrig. Ein Mensch kann einfach in einem Moment noch ganz laut schreien und ganz viel Schmerzen haben, aber im nächsten Moment kann all das einfach weg sein, Asche sein. Natürlich prägt einen so etwas. Obwohl ich noch klein war, habe ich mich gespürt, gespürt, dass ich aus Haut und Knochen bestehe, das dieser Apparat verletzlich ist. Ich glaube, man bekommt eine gewisse Demut, eine gewisse Ehrfurcht. Ich sage das jetzt mal auf englisch, da es mein Vater immer zu mir gesagt hat. "You don't joke around with live." Denn wenn du es nicht mehr hast, weißt du noch nicht mal, dass du es nicht mehr hast. Ein völliges Dilemma (lacht).

Zuletzt eine Frage, mit der ich eigentlich nur meine Freundin ärgern will. Sie führt auch des öfteren Interviews und fragt mich, was sie fragen soll. Ich gebe ihr dann diese Antwort und sie sagt dann: "Du bist ja doof, das fragt man nicht."

(Lautes Lachen)

Na dann schieß mal los.

Was ist dein Lieblingsessen?

(Lacht) Wie geil. Mein Lieblingsessen? Ich habe es mir sogar komischerweise gerade gemacht. Ich mache mir eine Gemüsepfanne, die ganz bunt ist, mache Kokosmilch rein und dazu Reis. Das mag ich gerne.

Klingt lecker. Ich Danke dir.

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Y'akoto

Wer Musiker nach ihren Einflüssen befragt, muss mit hunderten von unterschiedlichen Antworten rechnen. Von Müttern über Kinder, Haustiere und Politiker …

Noch keine Kommentare