laut.de-Kritik

Mit Xzibit headbangend durch die Parfümerie.

Review von

Nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums "The Unforgiving" blies der Band um Frontfrau Sharon Den Adel von vielen Seiten klirrend kalter Wind um die Ohren. Zu weich, zu kalkuliert, zu aufgesetzt: Nur wenige Anhänger der Band klatschten begeistert Beifall, als die Holländer im Jahr 2011 konzeptverliebt in Richtung Mainstream schielten.

Die Kritik scheint am verantwortlichen Kollektiv nicht spurlos vorübergegangen zu sein, denn mit ihrem neuen Album legen Within Temptation in punkto Härtegrad und Durchschlagskraft wieder einen Zahn zu.

Während der Opener "Let Us Burn", zwischen fulminanten Keyboardflächen, unzähligen Gitarrenspuren und Den Adels inbrünstigem Organ immer noch Zeit zum Luftholen lässt, düst bereits das anschließende "Dangerous" schnurstracks geradeaus. Pumpende Double-Bass-Attacken, eine mächtigen Wand aus Gitarren und Synthies, das helfenden Organ von Ex-Killswitch Engage-Shouter Howard Jones sowie der Fuß auf dem Gaspedal lassen alle Kritikerstimmen der jüngeren Vergangenheit verstummen.

Kaum, dass sich der erste Gastsänger aus der Gesangskabine verabschiedet hat, kommt schon der nächste Kandidat des Weges. Jener hört auf den Namen Xzibit und hat mit metallischen Klängen normalerweise relativ wenig am Hut. Für den sympathischen Holland-Sechser macht der amerikanischer Rapper, Schauspieler und Showmaster aber gerne eine Ausnahme. Und so parkt er seinen markanten Flow auf scheppernden Drums und abgedämpften Powerakkorden ("And We Run").

Auch für das folgende "Paradise" öffnet die Band die Studiotür. Diesmal duelliert sich Sharon Den Adel mit einer Artverwandten (Tarja Turunen). Das Ergebnis: Ein solider Midtempo-Rocker, bei dem sich die beiden Ausnahme-Organe aber durchaus noch etwas hätten höher schaukeln können.

Mit "Edge Of The World" halten die ersten balladesken Töne Einzug. Große Flächen, viel Hall und bittersüße Harmonien schießen jedoch bisweilen etwas übers Ziel hinaus. Auf "Silver Moonlight" und "Roses" nimmt die Band wieder Fahrt auf. Abermals dröhnen schnittige Gitarren aus den Boxen, während im Rampenlicht von einem Hochtongipfel zum nächsten gehüpft wird.

Die Melange aus hart und zart führt jedoch nicht immer ans Ziel. Vor allem gegen Ende des Albums geht dem Sextett beim permanenten Versuch, sich headbangend durch eine Douglas-Filiale zu kämpfen, das eine oder andere Mal die Luft aus ("Dog Days", "Tell Me Why").

Kurz vor Schichtende wird dann auch noch Soul Asylum-Sänger Dave Pirner fürs Lichtausknipsen engagiert, der für einen versöhnlichen Abschluss sorgt ("Whole World Is Watching").

Trackliste

  1. 1. Let Us Burn
  2. 2. Dangerous
  3. 3. And We Run
  4. 4. Paradise
  5. 5. Edge Of The World
  6. 6. Silver Moonlight
  7. 7. Covered By Roses
  8. 8. Dog Days
  9. 9. Tell Me Why
  10. 10. Whole World Is Watching

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6 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 7 Jahren

    schlagermöchtegern rock mit trällerelsen. Musikszene 2014-nur noch traurig

  • Vor 7 Jahren

    Ist doch nicht so schlimm, packt man eben die guten alten Sache raus und vergisst den Müll der Neuzeit. Nein früher war nicht alles besser, aber musikalisch im Rock und Metal wohl schon.

  • Vor 7 Jahren

    Find ich nicht so gut.

    Mir hatte es beim letzten Album gefallen, dass auch tiefere Stimmlagen Verwendung fanden. Die früheren Alben wo noch mehr geträllert wurde und noch weniger Härte vorhanden war, konnten eine Atmosphäre aufbauen und hatten viele melodische Elemente.

    Das trifft auf das Album nicht zu. Stattdessen eine teuflische Mischung aus "Schlagerrock" (s.o.) und "Singen in zu hoher Stimmlage". Vor allem die früheren atmosphärischen Alben fand ich ganz gut.

    Zudem frag ich mich, was der Quatsch mit den ganzen "Features" soll. Wir sind ja nicht im Hip-Hop-Geschäft.
    Das Duett mit der Ex-Tante von Nightwish, ist einfach kitschig. Auch andere Songs sind teilweise peinlich, z. B. "The Whole World is Watching".

  • Vor 7 Jahren

    Also ich kann diese negativen Meinungen einfach nicht teilen!

    So viele Leute beschweren sich, dass Within Temptation nicht mehr "hart" oder "klassisch" genug sind. Auch hätten sie sich zu sehr verändert...

    Ich finde das völliger Blödsinn!
    Ich meine wer möchte denn immer und immer wieder die "gleichen" Songs auf neuen Alben hören?! Dann würde es schließlich auch wieder heißen, dass sie nicht einfallsreich genug seien, alles würde gleich klingen...

    Ich finde es wunderbar, dass sie sich ausprobieren und sich Dinge trauen, vor denen viele Künstler angst hätten. Sie sind mutig und sich dennoch auf eine markante Art treu geblieben.

    Sicher muss einem nicht alles gefallen, aber dennoch kann man anerkennen, was eine Band oder ein Künstler geschaffen hat und muss es nicht in der Luft zerreißen wie Papier. Wem es nicht gefällt, kann sich ja anderweitig umsehen.

    Mir gefällt "Hydra" wirklich sehr sehr gut und ich freue mich auf weitere Neuheiten. =)

  • Vor 7 Jahren

    Vor allem weil Within Temptation früher ja auch so hart waren, gell. Wenn ich Härte haben will höre ich Slayer oder Cannibal Corpse aber sicher nicht WT. ^^ Das neue Album ist absolut spitze mit einer extrem hohen Hitdichte.

  • Vor 7 Jahren

    ich finde sogar, dass das Album definitiv zu den 'härteren' von WT gehört ôo
    man nehme mal das Debütalbum Mother Earth, da war viel mehr Gothic, genauso wie bei Album Nr. 2 viel mehr Symphonicelemente waren, die die Gitarren etwas abgefedert haben. Das erste richtige Brett auf die Musik von WT bezogen war dann The Heart Of Everything mit wirklich breiten Gitarrenwänden und kaum mehr Spielerein (Balladen ausgenommen). Darum kann ich kaum verstehen, wie man der Band mangelnde Härte vorwerfen kann. Das kann man nur, wenn man den Werdegang der Band nicht verfolgt oder recherchiert hat.
    Beim ersten Mal durchhören fand ichs auch nicht so wirklich toll und habs mir erst gestern zugelegt und es ist definitiv ein Grower, wie viele WT Alben und vor allem wieder eine Steigerung nach dem relativ schwachen letzten Album, das zwar kein Totalausfall war, aber gemessen am sonstigen Output der Band doch sehr verwässert war. Ich finde mit dem Album haben WT wieder zu alter Stärke gefunden. Die Melodien sind groß, die Musik episch mit für WT-Verhältnisse genug Härte. Auch die Bonustracks inkl. Coverversionen sind hörenswert. Ich würde 4/5 vergeben.
    PS die Vorabsingles finde ich gemessen am Rest vom Album und sowieso insgesamt eher mau, das Album kann viel mehr.