laut.de-Kritik

Der Weg zur raptechnischen Totalverweigerung.

Review von

"Dein Dönermann hat scheiß Döner" – "Deine Arbeitskollegen sind Bastarde" – "Du musst 30% Lohnsteuer zahlen" – "Bier ist alle" – "Du hast einen schwulen Bürgermeister" – "Die Schlampe ist nicht rasiert": Mit solchen Weisheiten und Horrorszenarien begrüßt mich das Booklet der 240. Plattenpressung aus dem Hause Royalbunker. Ich schreibe das nicht etwa, um die Leserschaft anzuöden (obgleich es fair wäre, ein Stück der unfassbaren Langeweile, die dieses Produkt in mir auslöst, in diesem Text weiterleben zu lassen). Ich schreibe das, weil es das Spannendste ist, das "Kingpintin" zu bieten hat.

Halt, stimmt nicht ganz. Wer sich frohen Mutes auf die musikalische Nahtoderfahrung einlässt und sich die schwülstigen Ergüsse des selbsternannten Pimps wacker bis zum Abspann reinzieht, wird reichlich belohnt. Nicht das Paradies und 70 Jungfrauen warten, aber dennoch eine echte Bombe: "Fenstersprung", eine hektisch vorgetragene Autobiografie mit einem herrlich epischen Beat von Ronin.

Sowieso: Dass Rhymin Simon seinen eingeschlagenen Weg als Savas' Pimplegionär-Nachfolger des Bunker-Imperiums bis zur raptechnischen Totalverweigerung weiter gehen will, sollte kein schlechtes Licht auf die Leistung der musikalischen Fraktion werfen. Die Beats, namentlich von Bee-Low, DJ Al-Kapone, Headrush, Pee-Hausproduzent Biztram und eben erwähntem Ronin, übertreffen in ihrer Schnuckligkeit selbst die sektschlürfende Coverbitch bei weitem.

Ich will ja gar nicht bestreiten, dass der Mann irgendwie witzig ist. Der Player im roten Bademantel, gerne auch mal mit 70er-Jahre-Pornobrille, auf die selbst Kollege Dobler neidisch wäre. Eine fleischgewordene Comicfigur für Erwachsene. Solch halbsatirische Rapversuche von Leuten wie Rhymin Simon, King Orgasmus oder Taktloss lassen sich eh nicht nach vernünftigen Maßstäben messen. Entweder stößt man der kleinen, eingeschworenen Fangemeinde vor den Kopf, für die der Kingpint der neue Messias ist, oder einer ganzen Nation.

Einen unvoreingenommenen Rapfreund bringt sein musikalischer Ausfluss mitunter aber wirklich zur Verzweiflung. Als talentierter MC gilt der Berliner seit Jahren, doch aus unerfindlichen Gründen scheint er seine Befriedigung darin zu finden, seine Gabe unter völlig langweiligen, unterdurchschnittlich gerappten Pornostyles zu verstecken. Das weiß er auch selbst: "Die Labels wollen, dass ich mein Potenzial ausschöpfe ...", proklamiert er im "Intrue". Demnächst kommt eine Ansammlung von "Bitchmoves - das Schlechteste aus 10 Jahren" auf den Markt. So untergrund wie das eigene Niveau. Mindestens.

Trackliste

  1. 1. Intrue
  2. 2. Kingpintin' ft. (Bina Colada)
  3. 3. Deine Biatch (ft. Bina Colada)
  4. 4. Ich Rate Dir
  5. 5. Lauter (Skit)
  6. 6. 1,2,3
  7. 7. Ich Riech Muschi
  8. 8. Halte Es Echt!
  9. 9. Sitz!
  10. 10. Reite Mit Uns (ft. Unmensch)
  11. 11. Kleine Brüste (Skit)
  12. 12. Der Typ
  13. 13. Lasst Uns Chillen Schlampen pt.2 (ft. King Orgasmus One)
  14. 14. Meli (Ich Liebe Dich)
  15. 15. Ich Kann pt. 2
  16. 16. Outrue (ft. Plaetter Pi)
  17. 17. Fenstersprung (CD Special)
  18. 18. Marmor (CD Special ft. Sha-Karl, Plaetter Pi, Vokalmatador)

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