laut.de-Kritik

Eine sexuell aufgeladene Achterbahnfahrt.

Review von

Intimität, Körperlichkeit, Sex, Konsum: All das durchströmte schon immer die Musik von Prince. Ähnlich seiner expressiven Platte "1999" ist er auf "The Versace Experience (Prelude 2 Gold)" ganz in seinem Element. Hier thematisiert er aber obendrein den verhassten Knebelvertrag mit seinem Label Warner Brothers. Der Musiker sieht sich von dem Vertragspartner 1992 massiv darin behindert, seine sexuelle Energie und überbordende Kreativität künstlerisch auszuleben.

Und er wehrt sich: Statt unter seinem Namen erscheint das länger in der Schublade schlummernde Album "The Gold Experience" unter einem unaussprechbaren Symbol. Prince sieht sich als Sklave. Er wird zum "Artist formerly known as Prince" (TAFKAP). "The Versace Experience" erschien ein paar Wochen zuvor als Appetizer, quasi als Vorspiel. Prince verteilt es auf der Pariser Fashion Week in limitierter Auflage, exklusiv für die Reichen und Schönen. Das anrüchigere Songmaterial landet auf dem 1994er Album "Come", etwa die 80er-Jahre-Stöhn-Aufnahmen des kanadischen Models Vanity im Song "Orgasm". Prince hakt die Platte lapidar als Vertragserfüllung ab. "The Versace Experience", veröffentlicht als Kassette, kündet hingegen spürbar frisch von einer Zeit nach dem Knebelvertrag, von alternativen Veröffentlichungsformaten, wie er sie dann auch zuhauf ausprobieren wird.

Im Gegensatz zu den posthumen Veröffentlichungen "Piano & A Microphone" und "Originals" handelt es sich beim sehr heterogenen "The Versace Experience" nicht um Rohmaterial. Gewöhnungsbedürftig sind unsaubere Schnitte zwischen den Tracks sowie Voice-Schnipsel, die wie Jingles zur jeweils nächsten Nummer führen. Doch Prince hatte zu Lebzeiten ja scheinbar auch nicht vorgehabt, diese Songs zu veröffentlichen. Es waren die Anwälte von 'The Prince Estate', die die Lizenzrechte kurioserweise noch an Warners Hauptkonkurrenten Sony abgetreten haben. Dennoch zählt das Mixtape dank des Soundschwerpunkts auf Jazz und Rap zu den stimmungsvollen und coolen Werken von Prince.

Eine wunderbare Jazz-Einlage mit P-Funk-Bass und traumhaften Bläser-und Keyboard-Sequenzen hören wir in "Rootie Kazootie". Heftig zerscratchte Spuren mit Raps und mit klarem Bezug zum Laufsteg tauchen im Halb-Instrumental "Chatounette Controle" auf. Mit französischem Vorspiel-Dialog und Namen wie "Kate Moss" und "Versace" schmachtet Prince äußerst werbewirksam hinein in den Äther der '90er-Jahre-Glitzerwelt. Der tanzbare, explizite Tune "Pussy Control (Club Mix)" zeigt Prince dann als wirklich guten Rapper.

"Pussy Control (Control Tempo)" weist Anklänge an Detroit Techno auf und der reduziert-stoische Jazz-Funk "Free The Music" hätte gerne länger weiter laufen können. In "Shy (X-cerpt)" könnte man schon die späteren Country-Funk-Rap-Fusionen eines Wyclef Jean erahnen. The Versace Experience (Prelude 2 Gold) ist eine Achterbahnfahrt verschiedener Tempi und Styles. Emotionaler Höhepunkt ist (trotz Drum-Machine) die anrührende Soft-Soul-Nummer "Eye Hate U (Remix)", die schon mal mit dem Ablegen der Kleidung beginnt. Klarinette und Saxophon überbieten sich hier gegenseitig in ihrer Funktion als Sesam-öffne-dich-Werkzeug, um Hass(liebe) und Intimität auf einen Nenner zu bekommen. "Get Wild In The House" drischt ordentlich in die Tasten und fördert eine stimmungsvolle Collage aus Hip Hop-Beats, Synthie-Gebrodel, Trompeten-Samples, Keyboard-Übersteuerung, Geräuschen, Trillerpfeifen, spanischem Gebrabbel von Mayte Garcia und Schlüsselwörtern wie "sex", "nasty boys" und "monkey high" zu Tage.

Dieser 32 Minuten lange Nachzügler-Release hält zwar formal nicht mit einem Konzeptwerk wie "Graffiti Bridge" mit und enthält auch keinen Chartbreaker der Sorte "Money Don't Matter 2 Night". Die Energie dieser "Kassette" überstrahlt aber etliche der anderen Arbeiten des Komponisten aus der Phase seines Rechtsstreits mit dem Warner Brothers-Label.

Trackliste

  1. 1. Pussy Control (Club Mix)
  2. 2. Shhh (X-cerpt)
  3. 3. Get Wild In The House
  4. 4. Eye Hate U (Remix)
  5. 5. 319 (X-cerpt)
  6. 6. Shy (X-cerpt)
  7. 7. Billy Jack Bitch
  8. 8. Sonny T. (X-cerpt)
  9. 9. Rootie Kazootie
  10. 10. Chatounette Controle
  11. 11. Pussy Control (Control Tempo)
  12. 12. Kamasutra Overture #5
  13. 13. Free The Music
  14. 14. Segue
  15. 15. Gold (X-cerpt)

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3 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Leider nur ein Remixalbum des "Gold experience", das hinter dem Original deutlich zurückbleibt. Keine Ahnung, warum hier auf die Songs so eingegangen wird, als ob es totale Neuerscheinungen sind; vor allem das angesprochene Shy weist kaum Unterschiede zum Original auf. 2/5

  • Vor 3 Jahren

    1992 mit Warner verlängern, einen Millionenvertrag im oberen zweistelligen Bereich dafür bekommen und sich dann ein halbes Jahr später beschweren, sich - fügen sie hier bitte das Simbol ein - nennen, ein Slave auf die Wange malen und während der Vertragszeit weitestgehend mittelprächtige Alben wie "Come" veröffentlichen. Nur um 18 Jahre später doch wieder zu Warner zurück zu kommen. Ich sag mal so: Aus der Sicht von Warner wäre ich mir da etwas veralbert vorgekommen.

  • Vor 3 Jahren

    Für den Fan nichts neues. Ein paar Remixe die interessant klingen. Es war ein Vorbote für Gold Experience.
    Nicht mehr und nicht weniger.