laut.de-Kritik

Atmosphärisch exzellenter Blaupausen-Postrock.

Review von

Handwerklich und atmosphärisch ist das ganz exzellenter Postrock, was pg.lost auf ihrem neuen Album liefern. Kann man an sich also nichts falsch machen. Fans der Band brauchen gar nicht weiterlesen, wer Lust auf einen typischen Genrevertreter hat, auch nicht. In letzterer Formulierung liegt aber genau der kleine Haken, den "Versus" mit sich bringt.

pg.lost ordnen sich relativ in der Mitte zwischen der Brachialität Russian Circles' und der Fragilität Caspians ein, mit gelegentlichen Ausflügen in Richtung der poppigen Melodien God Is An Astronauts. Es entsteht: prototypischer; und damit leider auch ein bisschen allzu konventioneller; Instrumental-Postrock mit Heavy-Einschlag.

Denn anders als die genannten Bands befinden sich pg.lost auf "Versus" ein wenig auf der Suche nach einem eigenständigen Klang. Bezeichnend dafür steht "Along The Edges", das den im Titel erwähnten Kanten leider ziemlich aus dem Weg geht und erst im Schlussteil auf Touren kommt. Den umgekehrten Weg geht "Off The Beaten Path", das im ersten Teil sehr zwingend daherkommt, im zweiten aber leicht abdriftet in die Welt des Bösen.

Dabei haben pg.lost durchaus bärenstarke Momente, die eigentlich prädestiniert für die A-Liga des Genres wären. Die Lead-Melodie des Openers "Ikaros" etwa. Der schiebende Mittelteil von "Monolith", die Orgel in "Versus". Und der Schlusstrack "A Final Vision", der sich im Low-Tempo aufbaut und nach herrlichem Drum-Break (der den Song beinahe auf die Sekunde genau in zwei Hälften schneidet) zum Finale bereit macht.

Taktgeber Martin Hjertstadt ist dabei klar der Star der Band. Sein Schlagzeugspiel bereichert die Kompositionen enorm. Was wären die sphärischen Akkorde in "Deserter" ohne das zugrunde liegende Tom-Pattern? Was wäre "Off The Beaten Path" ohne seine nervöse Hi-Hat und die variablen Fills? Vor allem weniger spannend.

Außerdem definierend für den Sound der Band ist Kristian Karlssons stets räudig verzerrter Bass, der in Kombination mit allgegenwärtigen Synthie-Soundscapes für Tiefe, Nebel und Dunkelheit sorgt, während die Gitarren gerne mal dagegen ansteuern und wie in "Ikaros" auch mal die Sonne durchlassen.

All das sorgt dafür, dass mit "Versus" am Ende ein durchweg stimmiges Instrumental-Post-Album vor uns liegt, das quasi eine Blaupause für sein Genre darstellt. Aber eben leider auch zu selten eine eigene Handschrift erkennen lässt und zu viel Gewohntes bietet. Denn dafür gibt es aktuell einfach zu viele Band, die in die gleiche Kerbe schlagen.

Trackliste

  1. 1. Ikaros
  2. 2. Off The Beaten Path
  3. 3. Monolith
  4. 4. Versus
  5. 5. Deserter
  6. 6. Along The Edges
  7. 7. A Final Vision

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2 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    Ich find's gut, aber an "In never out" kommt einfach nix ran.

  • Vor 5 Jahren

    tu mich noch schwer mit dem album. an der oberfläche wirkt es wirklich wie ein post-rock-album nach schema f. das war zwar auch schon der vorgänger "key", der aber viel größere melodien und zugleich brachialere momente aufbot. "versus" ist düsterer und schwerer, was mir prinzipiell gefällt, aber sehr arm an aha-momenten und an mitreißenden passagen, auf die man vorher schon hinfiebert. unter der oberfläche passiert einiges, wie die rezi treffend beschreibt, die rhythmusfraktion leistet ganze arbeit und belebt die musik, die angesprochenen "synthie-soundscapes" fügen sich harmonisch ein und schaffen atmosphäre.. in deren dunst aber auch die ecken, kanten und feinheiten verschwinden. und an der oberfläche bietet "versus" berechenbaren post-rock mit viel zu vielen halbgaren kompromissen.
    pg.lost scheinen sich wirklich in einer selbstfindungsphase zu befinden. ihr erstes album, der rohdiamant "it's not me, it's you!", ist mMn ihr individuellstes und vielleicht auch ihr bestes werk, obwohl ich bislang "key" am meisten gefeiert habe. aber mit "key" bog die band auf den ausgetretenen pfad ein, der jetzt in dieses album gemündet ist..
    leider leider enttäuschen mich viele meiner post-rock-lieblinge im zunehmenden alter (ihres und meines) mehr und mehr. liegts an mir, meiner musikalischen und persönlichen entwicklung und einer resultierenden schwindenden begeisterung für das subgenre? oder an den artists und ihrer entwicklung? zum glück gibts immer ausnahmen. und diverse weniger bekannte artists, die mich mehr begeistern als einige big names des post-rock.